Darf ich meine HW-Lösung vorstellen?

  • Hallo an alle Orgelfreunde!


    Seit einigen Jahren schon besitze ich eine - wie ich finde - wunderschöne und auch klanglich wirklich gute HW-Lösung. Gerne möchte ich nun meinen Spieltisch vorstellen. Er stammt von einem namhaften süddeutschen Orgelbauer, die elektroakustische Seite betreute Uwe Horche (pc & music). Das lief sehr professionell ineinander und das Ergebnis begeistert immer wieder - Musiker und Laien...
    Ich hab versucht, ein Bild vom Spieltisch zu zeigen, hoffentlich wird es für alle sichtbar! Derzeit nutze ich gerne das Cavaille-Colle-Sample aus Caen, die Trost-Orgel aus Waltershausen, aber auch das Sample der Menesterol-Orgel hat es mir angetan. Und zum Üben gar nicht schlecht, weil ziemlich trocken, ist das gute alte Instrument aus St. Anne Moseley.
    Die Idee meines Aufbaus war, möglichst konsequent 'Orgel' vor sich zu haben. Das heißt, der PC läuft beim normalen Spielbetrieb völlig im Hintergrund. Zwar hab ich auf Manubrien verzichtet, aber auch das Registrieren läuft unabhängig vom PC-Monitor.
    Soviel im Moment... Viel Freude beim Anschauen. So wie's ausschaut, klingt es auch.


    Mit besten musikalischen Grüßen
    V.S.

  • Hallo V.S.


    willkommen im Forum! Sieht sehr schön aus!
    Was sind denn da für Tastaturen verbaut worden?
    Und sind die Pfeiffen links teil der Beschallung? Oder nur zur Zierde und als PC-Versteck?


    Viele Grüße

  • Hallo,


    danke für die Replik, ja, ich finden den Spieltisch auch wunderschön. Ist ein Unikat, ein ähnliches Modell steht in einer Kirche in Südhessen (...könnte ja ein Rätsel sein. Wer findet die Kirche?)
    die Tastaturen sind von der Zulieferfirma, ich glaube Fa. Heuss in Lich - die verwendet der Orgelbauer auch für seine Pfeifeninstrumente. Und die Pfeifen sind purer Schmuck, beidseits des Spieltisches stehen zwei Säulen. Links und rechts mit je zwei Nahfeldmonitoren, links zudem mit PC und Monitor plus Tastaturkonsole, rechts zudem mit Subwoofer. An der gegenüberliegenden Zimmerwand gibt es ein großes Bücherregal, in dem zwei weitere Nahfeldmonitore stehen - Surround läßt sich so wirklich raumtief realisieren. Das ganze läuft 6-kanalig. Ziemlich aufwendig, aber klanglich wirklich extrem gut gelöst. Einziges Problem: Jedes Sample braucht sorgfältige Intonation - aber das ist beim 'echten' Instrument ja auch so.


    Viele Grüße
    V.S.

  • Hallo V.S.,


    ja, der Spieltisch sieht sehr schön und grundsolide aus, Glückwunsch!


    Haben die Heuss-Tasten eine Druckpunktsimulation mit Leergang, oder setzt der Druckpunkt ganz oben ein? Konntest du dir den Druckpunkt und Niederdruckgewicht nach deinen Wünschen einstellen lassen, separat für jedes Manual?


    Und mich würde interessieren, wie du die Registerbeschriftungen änderst, wenn du das Sampleset wechselst?
    Da ich auch eine Aversion habe, am Spieltisch mit PC oder Touchscreen zu arbeiten, habe ich genauso wie du die Register per Kurzhubtaster wählbar gemacht. Unterhalb der Register ist eine Magnetfolie festgeklebt, um beim Wechsel des Samplesets einfach einen kompletten Magnetbandstreifen mit den entsprechenden Beschriftungen auszutauschen und "anzuklacken" (bei mir sind alle Register in einer Reihe überhalb der Manuale). Bei Bedarf kann ich gerne ein Bild machen von der Magnetbandlösung, hat sich bewährt.


    Und ja, Intonation bei Surround ist mühselig, jeder Kanal (Direct, Front, Rear) muss separat intoniert werden :-(
    Bei mir betrifft das vor allem den Bereich, den der Subwoofer abdeckt, also vorwiegend alle letzten 16'-Oktaven.


    LG
    Olaf

  • Hallo Olaf,


    ja, der Spieltisch ist grundsolide. Kein Milligramm Sperrholz oder Spanplatte, alles massiv, wunderbares, erstklassiges Material, erstklassige Arbeit! Und kein bißchen Verschleiß in den ersten sieben Jahren!
    Nun: Alle Manuale haben unterschiedliche Druckpunkte, mit ein klein wenig Spiel am Anfang. Ich fühle mich wohl - die Tastaturen sind ja der tägliche haptische Kontakt, der Arbeitsplatz sozusagen.
    Die Registerbeschriftungen arbeiten mit eigens angefertigten Holzleistchen, in die die Registernamen per Papierstreifen unter Folie eingezogen werden. Und die Leistchen werden dann mit zwei Magnetpunkten unter den Schaltern befestigt. Samplewechsel bedeutet also das Umsetzen von 6 Leistchen. geht ganz gut, zumal ich recht stabil phasenweise an einem Instrument bleibe. Vielleicht gibt es inzwischen komfortablere und flexiblere Lösungen, ich nutze den Spieltisch jedoch, um zu arbeiten und zu üben, nicht zum Herumspielen und -experimentieren.


    Hilft die Info? Beste Grüße
    V.S.

  • Meisterschaft!


    grosszüggig ;) Wirklich klasse! Wenn das alles gut zusammen korrespondiert mit hauptwerk und Sound und so weiter das ist wirklich unbeschreiblich cool. Ich hoffe du presäntierst uns bald diese wunderschöne Orgel in Aktion.


    Gruss aus Polen!

  • Hallo Christoph,


    danke für Deine Anerkennung! Ja, das Instrument ist wirklich etwas Besonderes! Ich bin sehr froh, sie zu haben! Sie spielen zu hören, muß man live erleben - das kann weder eine digitale Stereo-Spur noch ein Video hier wiedergeben. Ansonsten würde ich glatt mal etwas hier einstellen.
    Bin allerdings auch ziemlich gut eingespannt und die Zeit ist allzu knapp - und kostbar, wenn ich zum Üben komme! Mal sehen, was sich tut...
    Ich freue mich aber, wenn ich meine Freude teilen kann.


    Viele Grüße
    V.S.

  • Hallo V.S.,


    Entschuldige meine Neugierde bzgl. der Manuale, aber bisher kenne ich niemanden, der Erfahrungsberichte mit Manualen direkt von Heuss liefern kann (im Gegensatz z.B. von Manualen, die von UHT geliefert wurden und nicht direkt von Heuss selber).
    So, wenn du das mitteilen magst, interessant wäre z.B., ob deine Manuale zweiarmige oder einarmige Tasten haben? Laut Katalog bietet Heuss zwei verschiedene Druckpunktsimualtionen an, eine aufwändigere und eine einfachere.
    Man kann es im Katalog von Heuss sehen, dort ist auf Seite 54 (Kapitel 1.34) die aufwändigere und auf der nächsten Seite die einfachere Variante dargestellt.
    Hattest du die Manuale gesehen, bevor sie eingebaut wurden - ist es eine der dargestellten Varianten?
    Falls es die aufwändigere Variante ist, gibt es da stärkere Trakturgeräusche, oder ist das ziemlich lautlos?


    Entschuldige die vielen Fragen, aber bisher habe ich hier noch niemanden erlebt, der Erfahrungsberichte mit Druckpunktsimulations-Tastaturen hat, die direkt von Heuss geliefert wurden. Von daher sicherlich auch für viele andere hier interessant.


    LG
    Olaf

  • Hallo Dulzian,


    vielen Dank für die Anfrage. Bei den Tastaturen hab ich dem Orgelbauer voll und ganz vertraut, weil die mich kennen und wissen, dass ich ansonsten nur für mechanische Instrumente 'geradestehe' und weil sie selber ausschließlich im mechanischen Orgelbau arbeiten -und das auf allerhöchstem orgelbauerischen Niveau. Was dabei herausgekommen ist, sind drei Manuale mit möglichst langen Hebelwegen. Allein aus den unterschiedlichen Längen ergeben sich werktypische Druckpunktsimulationen, die ich als ziemlich authentisch empfinde. Welche Lösung das ist, weiß ich, offen gesagt, nicht, dazu müßte ich den Spieltisch aufmachen. Was ich aber sicher weiß, ist, dass die Stärke des Druckpunkts regelbar ist. Und was ich auch sagen kann, ist, dass die Mechanik absolut störungsfrei, exakt und ohne Klappern arbeitet. Ich bin gewiß nicht anspruchslos, aber sehr zufrieden - die Tastaturen hatten ja immerhin auch ihren Preis!
    Wenn der Spieltisch mal offen ist, kann ich davon auch ein Bild machen...


    Hilft das mal fürs erste?
    Beste Grüße
    V.S.

  • Hallo V.S.,


    erstmal danke für deine Infos.


    Zumindest indirekt entnehme ich, dass du zweiarmige Tasten hast und nicht einarmige in deinem Spieltisch. Denn es gibt keinen Hersteller, der für übereinandergestapelte Tastaturen unterschiedliche Tastenarmlängen verwendet bei einarmigen Tasten.
    Weiterhin hattest du geschrieben, dass du vor dem Druckpunkteinsatz ein Tastenspiel hast, wo die Taste also erstmal ganz leichtgängig ist, bevor der Druckpunkt einsetzt.
    Aus diesen beiden Angaben bleibt eigentlich nur eine Variante übrig, die Fa. Heuss in ihrem Produktkatalog anbietet. Interessant, dass diese Variante auch sehr geräuschlos ist. Bin in ein paar Wochen selber bei dieser Firma, vielleicht kann ich dort die Tastaturen auch mal antesten.
    Ich nutze übrigens genauso wie du zweiarmige Tasten unterschiedlicher Tastenarmlängen; in meinem Fall sind die Tastaturen einem ursprünglich 4-manualigen Spieltisch einer Pfeifenorgel entnommen worden, also gebrauchte (aber schöne) Tastaturen, die ich um Bleigewichtung und Druckpunktsimulation selber ergänzt habe.


    Also weiterhin viel Freude mit deinem Spieltisch,
    LG Olaf.

  • Edit von Dulzian: Beitrag von Orgelber vom Faden "Darf ich meine HW-Lösung vorstellen?" verschoben und einen eigenen Faden "Orgelber: Midifizierung eines mechanischen Orgelspieltisches" aufgemacht


    Edit Admin: siehe hier