HW VI ist da!

  • Anscheinend hat man sich bei Milan Digital Audio überlegt, das Weihnachtsgeschäft noch etwas zu beleben und hat damit wohl die Reseller ziemlich verblüfft. Als Hauptwerk-User muss man wohl doch die Hauptwerk Website von Milan Digital Audio im Blick haben, das Forum wird mit neuen Meldungen von offizieller Seite eher weniger bedacht. Hier bringt eine Anfrage im Bereich "Technical support" den Stein gerade ins Rollen.


    Die Ankündigung liest sich ziemlich vollmundig:

    "Hauptwerk 6 has been released and offers a long list of updates that you’ve been waiting for! This new major version boasts several updates to the Hauptwerk combination system, including important enhancements to the General pistons and Stepper sequencer and many new Favorite options focusing on organ, temperament and combination set Favorite options.

    Further updates to the already extensive MIDI system are included as well as higher fidelity updates for audio output. Please see the Hauptwerk 6 Release Notice for full details and all of the new features offered in the most comprehensive version of Hauptwerk released to date!"


    Wenn Sie das Tempo so beibehalten, können wir uns wohl jährlich auf eine neue Version freuen. Dafür, dass die Entwicklung von Hauptwerk V so lange gedauert hat, kam Hauptwerk VI ja geradezu mit Lichtgeschwindigkeit! Ob es allerdings tatsächlich eine "major version" ist? Für mich wäre es eher Hauptwerk 5.5 - aber nach der neuen Schreibweise funktioniert das ja nicht so wirklich - also: auf zu Hauptwerk VI ;)


    Orgelfex

  • Das ist ja echt ein 🔨


    In der Feature Liste habe ich nichts gefunden, was mich unbedingt Richtung HW6 lockt. Bleibt also immer noch die alte Frage, warum ich von HW4 weg sollte.


    Hat schon jemand nachgerechnet, ob man als HW4 Kunde billiger nach HW6 kommt als diejenigen, die für den HW5 Upgrade bezahlt haben?

  • Um zu beurteilen, wie sehr User "abgezockt" werden, wäre es interessant zu wissen, wie viele Hauptwerk User es weltweit gibt. Und wie viele mittlerweile auf HW5 umgestiegen sind. Ich denke, für User, die nicht auf HW5 aktualisieren wollten, ändert sich die Situation durch HW6 nicht wirklich. Hat jemand eine Idee oder eine Vermutung wie groß der Markt ist?


    Grundsätzlich muss man ja sagen, dass der Markt nicht so attraktiv zu sein scheint, dass es Konkurrenz gäbe. Konkurrenz würde die Situation für uns sicherlich verbessern. Dies ist umso erstaunlicher, als dass es für andere Instrumente deutlich mehr Alternativen gibt. Vermutlich schreckt die Arbeit mit so vielen Pfeifen doch ab. Man muss ich vergegenwärtigen, dass für ein Surround Set mit mehreren Releases eine große Anzahl Audio-Dateien bearbeitet werden muss (Anzahl der Pfeifen x Anzahl Releases x Anzahl Kanäle). Da ist man schnell einmal bei mehreren 10.000 Audio-Dateien. Leider gibt es für viele Schritte keine vernünftige (Standard-) Software, so dass die meisten Sample Set Hersteller mit vielen, zum Teilen selbst entwickelten Tools arbeiten: ein Tool zum De-noisen (das ist fast immer ein kommerzielles Tool), ein weiteres zum Schneiden, eins zum Loopen, ein Tool, um den CUE-Marker zu setzen, ein weiteres, um die Tonhöne in die Audio-Datei zu schreiben (dies ist die Voraussetzung um verschiedene Stimmungen zu ermöglichen). Und leider erfordern einige Schritte immer noch viel Handarbeit. Bei diesen Schritten führt eine Stapelverarbeitung zu unschönen Ergebnissen. Also, alles in allem ein ziemlich arbeitsaufwändiges Geschäft für einen doch sehr kleinen Markt. Und genau das ist auch das Problem der Base-Software, die außer Orgel (und ein paar anderen Tasteninstrumenten) nichts (das soll nicht abwertend gemeint sein!) kann.

  • Dies ist umso erstaunlicher, als dass es für andere Instrumente deutlich mehr Alternativen gibt.

    Das dürfte wohl auch in der Natur des Instrumentes liegen. So eine Orgel ist jeweils ein ziemlich einzigartiges Instrument, beginnend bei der Disposition bis hin zur an den Raum angepassten Intonation.


    Es wäre mir neu, dass nach der Lieferung eines Flügels nochmal der Pianobauer kommt und anfängt, die Saiten einzeln mit einer kleinen Feile zu bearbeiten, um den Klang optimal anzupassen. Und auch bei der Größe des Raumes... ist der Flügel zu laut, bleibt der Deckel zu. Ist der Flügel zu leise muss der Pianist stärker in die Tasten hauen.


    Aber ist die Orgel zu leise? Da kannste maximal den Pfarrerssohn auf den Magazinbalg setzen, ansonsten sind die Möglichkeiten doch recht beschränkt.

  • Es waren wohl nicht nur die Reseller überrascht.


    Bitte keine Nebelkerzen werfen! Es geht hier doch nicht um die Metaphysik des Samplings. Vielmehr steht hier geschäftliches Verhalten zur Debatte.


    Zudem sehe ich einen Denkfehler, aus einem vorgeblich kleinen Markt das nihil obstat für offenbar unlauteres Geschäftsgebaren zu schlussfolgern.


    Matthias

  • Ich dachte eigentlich, daß es sich aus den laufenden Einnahmen von HW5 ganz gut leben lassen müßte – die Software hat einen sehr ordentlichen Preis und eine weltweite Verbreitung, und die Firma muß nicht gerade unmäßig viele Angestellte ernähren. Daß es den Eignern angebracht erscheint, jetzt schon wieder eine neue kostenpflichtige Hauptversion mit nur bescheidenen Neuerungen herauszubringen, hätte ich nicht erwartet. Vielleicht ist man von der Anzahl der Leute, die auf das Abonnement-Modell umgestiegen sind, enttäuscht und will dies nun forcieren?

  • Erst beschweren sich manche Leute, dass sich 8 Jahre lang nix getan hat bei HW, bevor HW V erschien- und da will ich mich selber auch nicht ausnehmen.

    Aber es ist amüsant zu lesen, dass sich dann wieder Leute darüber beschweren, wenn es jetzt auf einmal sehr schnell geht und nach knapp einem Jahr nun HW VI erscheint.

    Das ein kommerzielles Unternehmen eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgt, finde ich erstmal nicht verwerflich. Von dem, was ich gesehen hatte, wurden die meisten Bugs von 5.0.0 in 5.0.1 gefixt. Aus meiner Sicht wäre es vielleicht wünschenswert gewesen, wenn man weitere Bugs, die als Fix in der Liste von HW VI stehen, auch für 5.0.x zur Verfügung zu stellen; jedoch - zumindest für mich - ist keines der gelisteten Bugfixes so relevant gewesen, als dass ich mich veranlasst fühlen würde, unbedingt ein weiteres 5.0.x downzuloaden.


    Aber es wird ja keiner gezwungen, upzugraden. Zumindest für mich sehe ich wenig, was mich veranlassen könnte, die ca. 85€ zu berappen, um von V->VI upzugraden.

    Das einzige, wo ich vielleicht schwankend werden könnte, betrifft die - mit höherer CPU-Last und verringerter Polyphonie erkaufte - "real-time audio shift-pitching quality". Weil die normale Stimmtonhöhe und auch die Temperatur z.B. des von mir sehr geschätzten Büßleben-Sets (eigentlich für Bach derzeit mein Hauptübungsset) einfach zu weit weg liegt, weshalb ich es praktisch immer umgepitcht auf gleichstufig/440Hz nutze. Und bei dem Set würde mir höhere CPU-Last und verringerte Polyphonie nichts ausmachen, würde immer noch locker reichen. Aber ob das alleine die 99$ rechtfertigt, muss ich mir nochmal überlegen. Ich muss erstmal versuchen, mir den Klangunterschied eines einzelnen Samples bewußt machen von Originalstimmung auf 440Hz/gleichstufig, um zu entscheiden, ob der evtl. wahrnehmbare Klangunterschied das Upgrade rechtfertigen würde.


    Allerdings bringt mich letzterer Punkt auf den Gedanken, ob es nicht möglich ist, die Samples eines unverschlüsselten Sets durch ein externes Tool umzupitchen auf die gewünschte Stimmtonhöhe und Temperatur, und diese Samples dann zu nutzen als alternatives Sampleset? Dann bräuchte man nicht in Echtzeit umzupitchen.

    Weiss das jemand, ob es so ein Tool gibt (müsste natürlich billiger als 85€ sein... :) )

  • Allerdings bringt mich letzterer Punkt auf den Gedanken, ob es nicht möglich ist, die Samples eines unverschlüsselten Sets durch ein externes Tool umzupitchen auf die gewünschte Stimmtonhöhe und Temperatur, und diese Samples dann zu nutzen als alternatives Sampleset? Dann bräuchte man nicht in Echtzeit umzupitchen.

    Weiss das jemand, ob es so ein Tool gibt (müsste natürlich billiger als 85€ sein... :) )

    Ich meine, mit Audacity kann man das tun, allerdings weiß ich nicht, ob Audacity einen Batch Modus enthält. Sonst müsste man jede Datei einzeln bearbeiten. Adobe Audition kann das auch im batch Modus, und mit hoher Qualität, aber das ist sicherlich teurer als das HW Upgrade.

  • Nach längerer Abstinenz stolpere ich gerade über Hauptwerk VI und dieses Forum...

    Ich schicke demnächst ein paar Bilder zu dem von mir angeregten Page Turner...
    Dulzian, vielleicht meinst du so etwas? http://www.atmos.cat/2x2/tremp.pl

    Damit habe ich ein paar Modifikationen meiner Samples vorgenommen.

    Also was ich brauche: Ein Tool, wo ich das Verzeichnis mit allen Quellsamples eingeben kann, dann die gewünschte Zieltemperatur und die gewünschte Zieltonhöhe, und dann ein Verzeichnis, wo die Zielsamples hin sollen und einen Knöpfchen zum draufdrücken, und danach kann es von mir aus stundenlang rödeln, bis das Sampleset entstanden ist, welches ich dann statt QuellSampleset in HW verwenden kann, und das als "Originalstimmung/Tonhöhe" in HW weiter zu verwenden. Weiss nicht so genau, ob dieses Tool das leisten kann?

    Oh, danke - für mich war es nicht "natürlich", dass es sowas gibt - sonst hätte ich nicht gefragt.:)

    Kann dieses Tool das, was ich möchte (also ein komplettes Sampleset umpitchen von in dem Fall 529Hz auf 440Hz, und von der mitteltönigen Stimmung auf gleichschwebend, so dass ich das Ergebnis-Sampleset dann wieder einlesen kann? Es kann ja ruhig stundenlang dauern, diese Prozedur, Hauptsache, es wird mit möglichst wenig Qualitätseinbußen umgewandelt. Das wäre dann wirklich klasse!

  • Oh, danke - für mich war es nicht "natürlich", dass es sowas gibt - sonst hätte ich nicht gefragt.

    War mir schon bewusst, dass Du nicht fragen würdest, wenn Du es nicht kennst. Was ich damit ausdrücken wollte: Die HW-Community füllt gerne Lücken aus...

    Kann dieses Tool das, was ich möchte (also ein komplettes Sampleset umpitchen von in dem Fall 529Hz auf 440Hz, und von der mitteltönigen Stimmung auf gleichschwebend, so dass ich das Ergebnis-Sampleset dann wieder einlesen kann? Es kann ja ruhig stundenlang dauern, diese Prozedur, Hauptsache, es wird mit möglichst wenig Qualitätseinbußen umgewandelt. Das wäre dann wirklich klasse!

    Das sollte es können, es ist allerdings für dich ein bisschen Arbeit damit verbunden. Die Dokumentation zu dem Programm ist auf Deutsch und es liegen auch Beispieldateien bei. Schau dir am Besten mal die mitgelieferten Dateien für die Ott-Orgel an und experimentiere ein bisschen damit. Beachten solltest Du, dass das Programm aus der Zeit von HW1 stammt, als jede Pfeife noch genau eine Datei war. Das merkt man dem Programm in seiner Bedienung halt an.

  • Ein nicht verschlüsseltes Sample Set (fest) umzupitchen ist einfach. Im ersten Block (XML Node) _General findet sich der Eintrag AudioEngine_BasePitchHz. Hier kann man den gewünschten Base Pitch eintragen.


    Ob es Sinn macht, alle Samples umzupitchen, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Ich vermute allerdings, dass dies nicht der Fall. Die meisten Sample Set-Hersteller schreiben die Pitch-Information in in den smpl-Chunk jeder einzelnen wave-Datei (sustain und release). Beim Start liest Hauptwerk diese Daten aus. Ob dabei gerade eine Stimmung eingerechnet wird, sollte sich in der Performance nicht niederschlagen, denn es muss ja nur ein einziges Mal geschehen, nämlich beim Laden der Stimmdatei.

  • Das können Sie aber auch sehr gut mit Hauptwerk IV. Mit der VST-Verbindung als Audioausgabe und einem VST-Host wie Cantabile steht Ihnen die gesamte Toolbox des Mastering Engineer über VST-Plugins zur Verfügung. Siehe zum Beispiel: https://www.contrebombarde.com/concerthall/music/41029.

    Das ist mir schon klar, dass es mit HW IV funktioniert. Aber noch laaaange nicht so schön und einfach wie mit HW V.

    Mit wenigen Handgriffen habe ich ein IR über einen Mixer-Preset gewechselt und habe ein Mixer-Fenster, wo ich den Hall stufenlos verändern kann. Ohne weitere Programme nutzen zu müssen, ist sehr, sehr angenehm. Wenn man einen freien Poti oder Schieberegler hat, kann man die Halleinstellung auch per Midi regeln. Besser geht es nicht.

    Und die eingebauten IR's von Sonus Paradisi sind wirklich super.