Improvisation

  • Die Kombinatiosorgel klingt gut.

    Die Computerregister sind in Ahlborns ehemaliger BAC-Technik ausgeführt. Ahlborn ist zum Samplingverfahren übergegangen.

    Bei BAC wurden Pfeifen digital aufgenommen und der Klangsynthese nach Fourier unterzogen. Die einzelnen Teilfrequenzen wurden gespeichert und beim Aufrufen eines Tones aus diesen zusammengesetzt. Das spart Speicherplatz, erfordert aber Rechenkapazität. Die Folge ist, dass der Rechenprozess mit mehr zugezogenen Stimmen längere Zeit benötigt. Das bedeutet, dass bei schnellem Spiel und vielen Registern die Elektronik den Pfeifen hinterherkleckert.

    Für den Gottesdienst reicht das gut aus.


    Ich sehe wenig Aussicht auf eine Terminzusage, kann aber gerne nachfragen.Wir sind mit Organisten gut bestückt und decken den Bedarf mit klassischen Konzerten selbst ab.


    Viele Hersteller von Digitalorgeln verlassen die Samplingtechnik und gehen in Richtung Tonanalyse (Physistechnik). Der offensichtliche Grund sind rechnerische Einstellmöglichkeiten von z.B. Vorläufertönen, Klangcharakter usw. Die Instrumente klingen soweit ich sie mal getestet habe nicht so schön klar wie die mit Sampletechnik. Aber, ich kenne nicht sehr viele. Vielleicht sind sie inzwischen verbessert.

  • Die Kombinatiosorgel klingt gut.

    Die Computerregister sind in Ahlborns ehemaliger BAC-Technik ausgeführt. Ahlborn ist zum Samplingverfahren übergegangen.

    Bei BAC wurden Pfeifen digital aufgenommen und der Klangsynthese nach Fourier unterzogen. Die einzelnen Teilfrequenzen wurden gespeichert und beim Aufrufen eines Tones aus diesen zusammengesetzt. Das spart Speicherplatz, erfordert aber Rechenkapazität. Die Folge ist, dass der Rechenprozess mit mehr zugezogenen Stimmen längere Zeit benötigt. Das bedeutet, dass bei schnellem Spiel und vielen Registern die Elektronik den Pfeifen hinterherkleckert.

    Für den Gottesdienst reicht das gut aus.

    Das klingt sehr spannend!


    Ich sehe wenig Aussicht auf eine Terminzusage, kann aber gerne nachfragen.

    Und wenn nicht, dann nicht. Von mir aus auch gerne 2022 oder so, wenn erwartbar ist, dass man halbwegs mit Sicherheit planen kann.

    Wir sind mit Organisten gut bestückt und decken den Bedarf mit klassischen Konzerten selbst ab.

    Wie gut, dass ich keine klassischen Konzerte spiele ;) Hier mal ein paar Programmheftinnenseite:


    Filmmusik (1):


    pasted-from-clipboard.png



    Filmmusik (2):

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    Jazz:


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    Best of (aus 10 Jahren):


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    James Last:

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    (Ost)Rock:

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    Grüße,

    Rico


    (Oh je, wir schweifen gewaltig ab!)

  • (Oh je, wir schweifen gewaltig ab!)

    Also zurück zu Improvisation :)


    Ich persönlich habe mich nie für Literatur interessiert und wenn habe ich immer damit experimentiert wo man was verändern könnte. Stelle mir eine Orgel hin und ich spiele dir dort Stundenlang Musik, lege mit Notenblätter hin und... Naja das wollen wir keinem antun. Ich finde die Improvisation ist auf jedem Instrument eigentlich die reinste Form der Musik. Ich bin jedes mal wieder verwundert wenn jemand 10 Jahre ein Instrument spielt und wenn man ihm die Noten wegnimmt dasitzt als ob er dieses Instrument noch nie gespielt hätte. Natürlich ist Literaturspiel genau so eine Fähigkeit die man Mühsam erlernen muss aber in meinen Augen ist es nicht wirklich musizieren. Aber nicht besser oder schlechter, es ist eben so als ob der eine gut Geschichten Frei erfinden kann und der nächste eben fertige Geschichten gut vorlesen kann.


    Wobei es meiner Erfahrung nach mehrere Arten der Improvisation gibt. Zum einen diese Art die wohl jeder kennt wenn es am Altar mal wieder länger dauert und man sich was einfallen lassen muss. Dann gibt es ja noch diese Improvisation wo man anhand bestimmter Regelwerke arbeitet z.B eine Fuge oder Meditation anhand Elemente "erfindet" und zuletzt die echte Improvisation wo man eigentlich keine Vorlagen nutzt und etwas ganz eigenes macht. Die letzte Variante ist wohl für den praktischen Einsatz eher ungünstig weil man nicht weiß was dabei passiert. Aber wenn man mal alleine ist, dann kann man dabei Dinge finden die sich spannend anhören und die man kontrolliert ausarbeiten kann.


    Da ich selbst nie nach Noten spiele habe ich die Improvisation und das freie Spiel sehr gut im Griff. Wobei viele Spieler ja oft glauben es sei ein Hexenwerk oder man muss besonders Kreativ sein. Natürlich schadet Kreativität nicht, aber wenn diese mal nichts liefert dann muss die Technik helfen. Davon abgesehen wenn ich irgendwo spiele und dort Improvisiere bedeutet es für mich ja nicht weniger Aufwand. Natürlich setze ich mich auch mal so einfach hin und schaue was dabei raus kommt, aber im Normalfall habe ich eine Idee und eine Art Storyboard mit dem ich arbeite anstatt einen Notenzettel. Das können Akordfolgen sein, Melodiestücke oder irgendwas anderes das ich dann nutze.


    Ich kenne es selber im Umfeld das einen jemand sieht wie man ohne Noten stundenlang spielen kann und dann die Bemerkung kommt wie talentiert man doch wäre. Aber so was ist natürlich Quatsch, während der gute Literaturspieler im Zweifel viele Wochen an einem Notenblatt arbeitet sitze ich eben genau so viele Wochen da und versuche eine Idee in ein Regelwerk zu setzen dass ich sicher anwenden kann. Beides ist wohl genau so mühsam.


    Vom Entspannungsfaktor finde ich aber dass die Improvisation ganz klar siegt. Ich meine damit wenn ich den Kopf voll habe setze ich mich einfach an die Orgel, Keyboard oder Harmonium und spiele einfach zur Entspannung. Mit Musik kann man sich ja auch wunderbar ausdrücken. Da hat es der freie Spieler einfacher sich mit den schwersten Moll Akkorden zu entspannen wenn ihm danach ist, während der Literaturspieler erst einmal ein Stück finden und spielen können muss welches seiner Stimmung entspricht.


    Abschließend ist in meinen Augen die echte Improvisation und das Literaturspiel zwei komplett unterschiedliche Dinge die sich aber wunderbar gegenseitig ergänzen können. Aber man sollte sich dafür entscheiden was einem persönlich mehr gefällt. Wer keine Lust hat ein Instrument komplett kennenzulernen und lieber schnell etwas spielen will sollte wohl die Finger von der Improvisation lassen und wer wie ich Noten nicht mag vom Literaturspiel.

  • Vielen Dank, dass du das Thema wieder aufgreifst :-)


    Ich spiele gerne mal Literatur, würde aber noch lieber Choräle improvisieren können, d.h., im ersten Schritt Choralmelodien zu harmonisieren und später entsprechende Varianten zu spielen.


    Ich glaube, mittlerweile ist uns im Forum durch die Disskussion klar geworden, das es zum Improvisieren-Können keine Abkürzung gibt. Man muss in einem gewissen Maß die Musiktheorie beherrschen, damit man das Handwerkszeug hat, auf das man aufbauen kann.


    Kadenzen, dessen Umkehrungen, Generalbaß und der weitere "Kram". Ich mache immer Zeitweise was und dann bleibt es wieder liegen, weil immer was Anderes zu tun ist.


    Ich finde es trotzdem schön, wenn jemand das Thema wieder aufgreift und vielleicht neue Ideen einbringt. Was du als "Idee und eine Art Storyboard" bezeichnest - das sind genau die Schnipsel, die man sich mit der Zeit u.U. erarbeitet und ggf. zu was Neuem zusammensetzt/verarbeitet.


    Bei mir sind es manchmal die Zufälle, die mir ein Schnipsel liefern, wenn ich z.B. von Ton 1 nach Ton 2 will und ich die Zwischenschritte harmonisieren will. Vor einigen Tagen habe ich einen interessanten vierstimmigen Übergang gefunden und festgestellt, dass wenn

    ich die zwei Stimmen in der linken Hand nach oben oktaviere, dann erhalte ich einen Dominantseptakkord in einer anderen Tonart, was ich so nicht wahrgenommen habe. Das sind immer so kleine Aha's im Alltag, die mir wieder so ein kleines Schnipselchen liefern.

  • Ich bin mal ganz ehrlich, ich habe vor genau einem Jahr und 6 Monaten angefangen mit dem Orgel spielen. Also bis dahin habe ich nie etwas mit Musik zutun gehabt, konnte keine keine Noten lesen und habe niemals ein Instrument gespielt. Dann habe ich entschlossen an unserer Orgel zu üben und seit Anfang 2020 habe ich richtigen Unterricht bei unserem Kantor. Heute würde ich sagen eine wahnsinnige Idee.


    Dadurch dass mir die ganzen Dinge fehlen musste bzw. konnte ich unbefangen das Instrument entdecken ohne an Regeln gebunden zu sein und Musik ist ja insofern eine tolle Sache dass man hört ob etwas richtig ist und stimmig. Da ich in der Gemeinde Arbeite konnte ich wirklich jeden Tag 2 Stunden üben, habe eine elektrische Wersi Orgel bekommen, umgebaut zu einer Sakralorgel mit Pedal und konnte wirklich die fast zwei Jahre jeden Tag viele Stunden üben. Heute spiele ich Andachten und ähnliches schon. Ich glaube ehrlich gesagt mit Literatur wäre ich nicht so weit weil diese einfach sehr viel komplexer ist.


    Theorie ist natürlich wichtig, aber das Gehör viel wichtiger. Wenn sich niemand getraut hätte etwas neues zu versuchen, sich neue Konzepte zu überlegen, dann hätten wir die großen Werke heute wohl nicht. Aber ja, improvisation vor allem auf der Orgel ist ein harter Brocken. Aber wie sagt unser Kantor zum Thema Theorie immer so schön? Höre auf darüber nachzudenken, sondern mache es einfach, dann ist es keine Theorie mehr sondern Praxis.

    Bei mir sind es manchmal die Zufälle, die mir ein Schnipsel liefern, wenn ich z.B. von Ton 1 nach Ton 2 will und ich die Zwischenschritte harmonisieren will. Vor einigen Tagen habe ich einen interessanten vierstimmigen Übergang gefunden und festgestellt, dass wenn

    ich die zwei Stimmen in der linken Hand nach oben oktaviere, dann erhalte ich einen Dominantseptakkord in einer anderen Tonart, was ich so nicht wahrgenommen habe. Das sind immer so kleine Aha's im Alltag, die mir wieder so ein kleines Schnipselchen liefern.

    Das ist genau der Punkt, du kannst jahrelang Literatur oder Fachbücher studieren, wenn du einfach schaust was passiert wenn du verschiedene Töne spielst, dann bildet sich ein Verständnis für die Töne aber auch ein Gefühl. Wenn ich oft spiele, dann passiert es einfach so ohne nachdenken. Klar am Anfang ist es schwer und kompliziert, aber mit der Zeit kommt so ein Gefühl wie aha jetzt gehe ich da einen Halbton hoch, im Pedal spiele ich jetzt diesen Ton auch wenn er nicht passt weil es einen Wechsel vorbereitet. Ich habe da inzwischen den Klang den Tasten zusammen ergeben bereits sehr genau im Kopf. Aber auch solche Dinge wie Quintparallele oder ähnliches muss man ja nicht so streng sehen. Klar wenn man bestimmte Epochen betrachtet wird es verteufelt, davor war es selbstverständlich was heute "Verboten" ist und in moderner Musik stört es keinen mehr. Ich sage immer so lange es sich stimmig anhört ist es in Ordnung. Außerdem wenn ich frei spiele bestimme ich was richtig ist und was nicht. Wem es nicht gefällt, der weiß wo die Tür ist. Vermutlich erfordert das aber auch mehr Selbstbewusstsein als Literaturspiel. Da kann man im Zweifel ja sagen Bach hat das so geschrieben.


    Vielleicht auch einer der Gründe warum einige wirklich Angst vor der Improvisation haben ist:

    Gerade weil eine Improvisation nicht wiederholbar ist und dem Komponieren ohne Papier und Stift vergleichbar ist, zeigt sie in ihrer Flüchtigkeit und Zerbrechlich alle Elemente des Augenblicks. Nichts von dem was man spielt kann zurückgenommen werden, Spannung und Lösung werden als Grundrhythmus des eigenen Lebens erfahren und hörbar. Man offenbart sein inneres dem Zuhörer.

  • Aber auch solche Dinge wie Quintparallele oder ähnliches muss man ja nicht so streng sehen.

    Ich mag Quintparallelen und spiele sie gerne. Verbote interessieren mich nicht, wenn's meinem Ohr gefällt.

    Quote from intergeek

    Wem es nicht gefällt, der weiß wo die Tür ist.

    Wenn man es nicht beherrscht, dann gibt es nur einen Ort, wo man es tun sollte: Zuhause. Oder dort, wo keine Zuhörer gequält werden.

    Normalerweise erkennt man es recht schnell, ob einer sein Handwerk beherrscht. Selbst wenn es recht schräg ist und einem nicht gefällt, kann man feststellen, ob das einem bestimmten Muster folgt bzw. eine bestimmte Struktur hat. Andernfalls liegt der Verdacht nahe, dass der Spieler nicht genau weiß, was er tut...

  • Wem es nicht gefällt, der weiß wo die Tür ist.....


    Für ein Konzert hat man notfalls bezahlt.

    Wo die Tür ist......

    geht im Gottesdienst überhaupt nicht. Die Gläubigen kommen in den Gottesdienst zur Erbauung. Da ist es nicht angebracht ihnen seelischen Schaden durch "schlechtes" Orgelspiel anzutun. ( hatten wir hier schon)


    Zurück zur Improvisation.

    Es gibt Talente, die auch die Regeln der Harmonielehre samt Stimmführung von Natur aus inne haben.

    Diese Naturtalente sind rar. Die Meisten müssen das lernen. Dazu hilft Literaturspiel auch, weil man dabei Akkorde, Läufe und Stimmführung hören und üben kann. Wer schwierige Notenfiguren wie in klassischen Werken nicht zu Wege bringt schafft dies auch bei eigenen Improvisationen nicht

    Ich würde mich nicht zu sagen trauen, dass mir eigenes Spiel besser gefällt als z.B.

    J. S. Bach

  • Normalerweise erkennt man es recht schnell, ob einer sein Handwerk beherrscht. Selbst wenn es recht schräg ist und einem nicht gefällt, kann man feststellen, ob das einem bestimmten Muster folgt bzw. eine bestimmte Struktur hat. Andernfalls liegt der Verdacht nahe, dass der Spieler nicht genau weiß, was er tut...

    Ich mag entgegen der Harmonielehre auch Quintparallelen usw. Wenn man dabei nicht aufpasst geht es auch mal schnell in die Hose.

    Einige "Muster" können schnell langweilig werden, wenn sie zu oft wiederholt werden ( und in Improvisationen immer wieder vorkommen) weil einem nichts besonderes mehr einfällt.

    Das ging den alten Klassikern auch so.

    Wenn man einen ganzen Band von z. B. Pachelbel oder andere spielt, erkennt man oft gleiche oder ähnliche Stile.

    Das führt gelegentlich zu der Aussage:

    Kennst du eine Komposition, dann kennst du alle

    Auch Oliver Latry (ich bewundere ihn, auch besonders wegen seiner Virtuosität) benutzt häufig gleiche Stilelemente.

    Viele Triller, schnelle immer gleiche Akkordanschläge usw. und immer viele Klangvariationen. Leise, laut, leise, Tutti etc. mit Abstufungen.

    Solche Klangvariationen täuschen schnell über wenig gekonnte Improvisation hinweg. Sie sind in heutiger Zeit Stil.

    Wie wenig heutzutage gute Musik verlangt wird kann man von allen Darbietungen ablesen

  • Solche Klangvariationen täuschen schnell über wenig gekonnte Improvisation hinweg. Sie sind in heutiger Zeit Stil.

    Wie wenig heutzutage gute Musik verlangt wird kann man von allen Darbietungen ablesen

    Das finde ich jetzt ein wenig hart geurteilt.

    Du schreibst ja selbst, dass es auch Bach und anderen ähnlich ging. So entwickelt halt jeder seinen eigenen Stil, ist daher schon nach wenigen Takten erkennbar oder identifizierbar.

    So geht es mit Bach aber auch Latry.

    Auch wenn es eine große Kunst ist, heutzutage wie Bach oder Pachelbel zu improvisieren oder von mir aus auch wie Franck oder Widor, sind dies aber immer "nur" Nachahmungen eine bereits dagewesenen. Also nichts Neues.

    Wer einen eigenen Stil entwickelt, verdient aber ebenso große Bewunderung. Wer will da beurteilen, ob das schlechte oder gute Musik ist? Ich jedenfalls wäre schon froh und zufrieden könnte eines von beiden (also Imitation und Eigenentwicklung).

  • Der Kopf ist mehr oder weniger rund, die Gedanken "kreisen" im Kopf herum. Darum ist jeder Mensch in irgendeiner Form in seinem gedanklichen Gefängnis, wo man ohne neue Impulse nicht so einfach heraus kommt. Das geht nicht nur Komponisten so, sondern bspw. auch Schriftstellern, die andere Bücher lesen (müssen).


    Ich habe persönlich die Erfahrung gemacht, dass mir aus einer Diskussion heraus neue Ideen kamen, selbst wenn es im Kern nicht um das Thema ging, an dem ich gerade arbeitete. JSBach hat einige Orgelkonzerte von Vivaldi auf die Orgel übertragen, um den italienischen Stil zu verstehen. Sebst so ein genialer Komponist musste zu diesem "Hilfsmittel" greifen, um neue Ideen zu bekommen.


    Musiker bekommen durch Musik hören neue Ideen für eigene Projekte. Es ist immer ein Impuls von "außen", der den eigenen Horizont erweitert.

  • Wem es nicht gefällt, der weiß wo die Tür ist.....


    Für ein Konzert hat man notfalls bezahlt.

    Wo die Tür ist......

    geht im Gottesdienst überhaupt nicht. Die Gläubigen kommen in den Gottesdienst zur Erbauung. Da ist es nicht angebracht ihnen seelischen Schaden durch "schlechtes" Orgelspiel anzutun. ( hatten wir hier schon)

    Nicht falsch verstehen, ich meine so etwas nicht im Rahmen einer liturgischen Veranstaltung. Dort muss man sich streng an die Regeln halten und es ist eher der falsche Ort zum experimentieren. Wobei es leider nicht selten ist das selbst in Gottesdiensten Töne von den Emporen kommen die Waffenscheinpflichtig sind. Aber dass ist oft die Folge davon wenn der Hobby Keyboarder den Orgeldienst vom verstorbenen Orgelspieler aufgebrummt bekommt und die Gemeinde sich 30 Jahre nie um Nachfolge und Ausbildung gekümmert hat.


    Ich persönlich finde es aber auch Schade das vor allem Orgelspieler so krampfhaft an extrem alten Dingen festhalten. Die reine Kirchenmusik finde ich schrecklich, überall hört man nur die starren Bach Choräle oder nach Bach improvisiert. Dabei gibt es so viel mehr, aber für viele Orgelspieler sind die Regeln von Bach genau so Heilig wie für den Pastor die Bibel. Vielleicht auch einer der Gründe warum viele Orgelmusik nicht so schätzen. Dabei kann man durchaus auch Lieder Modern spielen. Am Anfang habe ich auch die Gemeinde etwas irritiert weil ich die Lieder eher Modern interpretiert habe. Aber nachdem die Gemeinden erst einmal gemerkt haben dass es auch anders geht gefällt es ihnen. Da finde ich persönlich den Gotteslob recht schön weil dort auch modernere Lieder schnell Einzug halten. Aber sehr viele Kantoren schauen einen schon seltsam an wenn man Lieder wie "Ins Wasser fällt ein Stein" spielt weil diese doch eher Poppig sind. Aber warum nicht? Ich glaube die Beschränkung auf schwere Liturgie schadet der Orgel und man entweiht sie ja nun nicht wenn man mal außerhalb der Gottesdienste andere weltliche Musik spielt die man auch im Radio hört.


    Zum Thema Improvisation passt wohl auch das Thema liturgisches Musizieren. Ein Thema dass ein Orgelspieler eigentlich kennen sollte, aber die wenigsten umsetzen. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft und auch Orgelspieler machen dort mit, immer komplexer spielen, mehr Technik, perfektes Timing so dass am Ende auch ein Computer spielen könnte. Dabei ist liturgisches spielen aber eigentlich genau das Gegenteil und doch auch Improvisation. In einer Liturgischen Veranstaltung geht es nicht darum technisch hochkomplexe Dinge abzuliefern, sondern man sollte die eigene Musik als ein musikalisches Gebet sehen. Es sollte etwas übermitteln, die Töne und Stimmungen sollen etwas aussagen und das Gebet der Gemeinde unterstützen. Natürlich soll das technisch korrekt sein, aber das worauf es dort tatsächlich ankommt kann man nicht notieren oder wirklich greifbar machen.


    Beschreiben kann man es auch nicht so wirklich, aber die meisten werden es kennen wenn man im Zuge einer Liturgischen Veranstaltung etwas spielt und es einfach so passiert ohne Mühe und man gefühlt zum Beobachter dessen wird was man dort gerade tut. Es gibt Orgelspieler die spielen technisch extrem primitiv, fesseln einen aber mit dem was sie spielen, andere spielen akkurat auf höchsten technischen Stand und es ist im besten Fall so wie Fahrstuhlmusik, die da ist aber nicht relevant. Wer von beiden führt dann wohl das musikalische Gebet aus?

  • Wer einen eigenen Stil entwickelt, verdient aber ebenso große Bewunderung. Wer will da beurteilen, ob das schlechte oder gute Musik ist? Ich jedenfalls wäre schon froh und zufrieden könnte eines von beiden (also Imitation und Eigenentwicklung).

    da bin ich voll bei dir. Ich hab mich nicht korrekt ausgedrückt.

    Die allg. Zufriedenheit vieler Menschen im Bezug zur Musik wollte ich darstellen. Nicht die der Improvisateure. Tut mir Leid.

    Ich "durfte" bei dem Besuch eines Bekannten in unmittelbarer Nähe der Waldbühne in Berlin ein Popkonzert mit anhören. Durch die geschlossenen Fenster konnte man die Texte nicht verstehen. Die Begleitmusik und die Rythmen haben sich mit geringsten Änderungen und Umkehrungen stundenlang wiederholt.

    Das meine ich unter Anderem mit Musikanspruch vieler Menschen.

    Noch einmal, es tut mir leid, dass mein Gedanke falsch angekommen ist

  • Zu den Quintparallelen wollte ich noch anmerken, dass man sie dann vermeiden sollte, wenn man "klassisch" improvisiert, was man meistens tut, wenn man liturgische Stücke spielt (es sei denn, man spielt sehr impressionistisch, was aber die wenigsten tun werden). Wenn man sich vornimmt, einen Satz im alten Stil zu spielen, sollten eben aus diesem Grund auch die klassischen Satzregeln eingehalten werden (nicht umsonst fördern Parallelverbote die Polyphonie, weil es zu Gegenbewegungen kommt). Nicht zuletzt haben Musiker der Barockzeit die Kunst als "Handwerk" angesehen, also mit zu erlernenden Regeln.

  • Ich persönlich finde es aber auch Schade das vor allem Orgelspieler so krampfhaft an extrem alten Dingen festhalten. Die reine Kirchenmusik finde ich schrecklich, überall hört man nur die starren Bach Choräle oder nach Bach improvisiert. Dabei gibt es so viel mehr, aber für viele Orgelspieler sind die Regeln von Bach genau so Heilig wie für den Pastor die Bibel. V

    Entschuldige, aber was du da schreibst ist für jemanden, der gerade erst mal, wie er selbst schreibt, angefangen hat, sich mit Orgelmusik zu beschäftigen, ziemlich vermessen und zeigt eigentlich nur die Eingeschränktheit des Horizonts. Auch deine Klassifikation von Improvisation ist hahnebüchen, und die Vorstellung, dass man als der Ausführende nicht weiß "was passiert", wie du schreibst, ist völlig abwegig und hat mit Improvisation nichts zu tun. Wir sind dann im Bereich des berüchtigten "Orgelzwirns" nach dem Motto "Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich spiele", oder "ich lass mal die Finger loslegen, mal sehen, was passiert."


    Selbst Latry hat bei seinen freien Improvisationen klare Vorstellungen, sein Denken eilt seinem Spiel voraus, und er setzt seine Effekte und Akzente bewusst, geplant und vor allem gekonnt.


    Denn Kunst kommt von "können", wenn es von wollen käme, hieße es "Wunst".


    Was sich für dich als Entdeckenden vielleicht total originell anhört, ist für den, der sich mit der Materie auskennt, langweiliges Zeug. Da wird dann munter eine Quintfallsequenz geschrubbt (ohne dass man weiß, dass es eine ist, man hält das dann für eine geniale kompositorische Eigenleistung), harmonische Entgleisungen sind dann apart...

    Das hat dann aber nichts mit Improvisation zu tun.


    Wenn man mal den Überblick hat und entscheiden kann, was man gut findet oder nicht, kann man neue Wege gehen. Aber nur deshalb (vermeintlich) neue wege zu gehen (bzw. sich durchs harmonische UNterholz zu wälzen), weil man es halt nicht besser weiß, ist schlicht faul. Und dann noch über die Regeln zu lästern ist überheblich.


    Oder verzweifelt, wie der Fuchs, der nicht an die Trauben kommt.

  • Noch ein paar Überlegungen von Prof. Stoiber, Domorganist in Regensburg und Prof an der dortigen Musikhochschule:

    Improvisation kann gelernt werden

    Improvisation muss geübt werden

    Improvisation setzt bestimmte Kenntnisse voraus

    Improvisieren verlangt inneres Hören, eine Ton- und Klangvorstellung, einen Aussagewillen (!)


    Im Vorwort befasst sich Stoiber übrigens mit unterschiedlichen Positionen zur Frage, ob Improvisieren gelernt und gelehrt werden könne.

    Der Band "Faszination Orgelimprovisation" ist durchaus empfehlenswert.

  • Na, es kommt nicht darauf an, ob man Quint- und Oktavparallelen schön findet oder nicht. Wer einen lehrbuchmäßigen Kantional- oder Choralsatz ohne Instrument fehlerfrei auf das Notenpapier bringt, kann sich dann danach gerne über die Tonsatzregeln hinwegsetzen. Ob er dieses dann noch anstrebt- eher nein!


    So einen Orgelzwirn ohne Hirn bringt jeder früher oder später zustande. Er wird aber merken, wenn er sich mal wiederholt "beim Improvisieren" aufnimmt, dass er eigentlich immer den selben Käse spielt.


    Also strebt nach der Kunst und nehmt euch zu Herzen, was Basspfeife richtig darlegt.


    Michael

  • Und genauso gilt das auch für andere Teile der Improvisation, man braucht genauso eine feste Form wie auch Ideen, was man variieren könnte etc etc.

    Einfach nur drauflosspielen und einen "schönen" Klang suchen, ist halt sehr kurz gegriffen

    Ich mag Quintparallelen und spiele sie gerne. Verbote interessieren mich nicht, wenn's meinem Ohr gefällt.

    Wenn man es nicht beherrscht, dann gibt es nur einen Ort, wo man es tun sollte: Zuhause. Oder dort, wo keine Zuhörer gequält werden.

    Normalerweise erkennt man es recht schnell, ob einer sein Handwerk beherrscht. Selbst wenn es recht schräg ist und einem nicht gefällt, kann man feststellen, ob das einem bestimmten Muster folgt bzw. eine bestimmte Struktur hat. Andernfalls liegt der Verdacht nahe, dass der Spieler nicht genau weiß, was er tut...

    Deswegen wundert mich etwas, dass du Quintparallelen und Handwerk zusammenwirfst. Letzteres sollte ersteres eigentlich verhindern.