Walcker, Doesburg

  • Ja - so ist das Leben - hart aber ungerecht. :D
    Die Sauer hat sowas Analytisches - fast wie eine Barockorgel - nur halt mit anderem Klang. Da kommt bei mir das gewisse Gefühl einfach nicht auf. Für die Walcker passt halt Bach auch nicht so sehr, obwohl es schon möglich ist. Perfekt passt da meiner Meinung nach Max Reger. Diese tragisch melancholischen, dissonanten Läufe und Wendungen die sich mit chromatischen Harmonien kreuzen und in einem Rausch von finstersten Klangstrukturen münden, lassen mich erahnen, wie Reger am Rande von Depressionen zwischen Diesseits und Jenseits auf der Orgelbank sitzt und seinen neben ihm an der Orgel weilenden schwarzen Pudel Melos um Rat fragt, ob das soeben ersonnene Klangkonstrukt wohl für die Menschheit tauglich sei und dieser nur leise winselnd mit seinen dunklen Augen rollt um seinem Herrchen nicht die Illusion des martialisch Übersinnlichen zu rauben. ( Was für ein Satz - gell? 8) )

    Das alles kann ich beim Spielen mit der Doesburg so nachvollziehen. Man muss es natürlich mögen. Ging bei mir auch nicht gleich von heute auf morgen. Dazu habe ich auch mal die eine oder andere romantische Walcker Orgel live im Konzert gehört und den Gänsehautfaktor erlebt, der davon ausgeht.

  • Wenn ich jetzt DER Reger-Spieler wäre, oder hier Konzertorganisten wie bei JGlebe konzertieren würden, dann würde ich die Doesburg kaufen. Aber um die op. 135a, op. 65 und noch zwei andere Teile zu spielen, muss ich nicht durchdrehen und die 852€ aus dem Fenster werfen. Da ist mir das Geld einfach zu schade.

    Das hebe ich mir dann lieber für einen neuen HW-Spieltisch oder Noten-Tablet o.ä. auf. Wenn man ein paar große Orgeln hat, dann fällt der Verzicht nicht sooo schwer ;-)

    Die ganz kleinen Reger-Werke kann man auf jeder zweimanualigen Orgel spielen. Aber es wäre mal ein Versuch Wert, diesen dumpfen Klang mit einem meiner Sets zu reproduzieren...

  • Ich habe eine Bettdecke geopfert und passend für die Boxen zugeschnitten. Das ist romantischer Klang pur! Danke für den Tipp! Kann ich jedem empfehlen :D


    Ich habe die Hereford für den Versuch verwendet. Bei Lavender-Audio kann man nicht genau sehen, wieviel Koppeln diese Orgel eigentlich hat.

    Im Midi-Panel kann man schon eher erkennen, welches Monster man da vor sich hat. Wahnsinnig viele 16er-Koppeln. Jedes Manual hat eine Suboktav-Koppel. Damit ist für genug Wumms und Gebrumme gesorgt.

    Man schaue sich das mal genauer an:

    • Im IV. eine Sub 16'
    • im III. eine Sub 16'
    • im II. eine Sub 16' plus I. 16', II 16', III 16'
    • im I. eine Sub 16' plus III 16', IV 16'
    • im Pedal kann man das ganze Ge'sub'se 16' von I. - IV Koppeln.

    Damit kann man das ganz gewaltig brummen lassen. In jedem Manual gibt es genug 16' und 8' für die Grundtönigkeit. Den letzten Schliff kann man sich mit einem geeigneten IR geben. Da fehlt mir noch etwas ganz Halliges. Am besten von einer Kathedrale mit genügend Breite, damit sich der Klang frühzeitig mischen kann.


    Kurz gesagt: Damit kann ich zufrieden sein. Doesburg wäre nett, ist aber bei dieser fetten Hereford-Disposition (XL67-Variante) zu verschmerzen.

  • Nach längerer Abwesenheit - und da ich gerade viel regere - schalte ich mich auch mal wieder ein, um meinen Senf zu Doesburg abzugeben. Ich habe vor Jahren mit dem Gedanken gespielt, mir Doesburg zu kaufen, ich habe die Demo gespielt und je öfter ich das Set gespielt / gehört habe, umso synthetischer kam mir der Klang vor. Dagegen kommt mir die neue Sauer-Orgel von SonusParadisi um Welten natürlicher vor, noch besser finde ich die Furtwängler von Pipeloops und die Walckerin von Organartmedia. Ich traktiere den Reger auf dem Dudelange-Set, das sich eigentlich für deutsche Romantik besser eignet als für französische; nur ist das Sample um Welten zahmer als das Original, deshalb habe ich stundenlang Voicing betrieben.

    Wenn es um Preis/Leistung geht, würde ich eindeutig die Furtwängler-Orgel von Pipeloops empfehlen, die mag auf den ersten Blick etwas kleiner erscheinen, aber dafür lässt sich Barockmusik noch wirklich gut spielen, die Registerfarben blenden wunderbar, und die Sampleaufnahme ist von allerbester Qualität. Zudem entspricht der Stil der Furtwängler (oder auch der Walcker) eher den Dispositionsvorstellungen Regers als Doesburg.

    Ich finde, dass die Instrumente dieser Größe oft unterschätzt werden; wenn man sich in der deutschen Orgelromantik umschaut, dann gibt es relativ kleine Instrumente von E.F. Walcker, auf denen aufgrund ihrer Qualität viel mehr (und viel schöner) dargestellt werden kann als auf den Riesenorgeln zu Beginn des 20. Jhdts (wie z.B. die Walcker-Orgeln in Schramberg, Neuhausen, ...)

  • Danke für Deine Einschätzung! Die Furtwängler höre ich zum ersten mal. Sie klingt prima, nur die Akkustik will mir im Moment noch nicht so gefallen (etwas zu viel). Ich habe gerade die Walcker von OAM auch angehört. Die klingt noch etwas kräftiger mit noch einen Tick mehr Akkustik als die Furtwängler, fällt aber mit einem Preis von fast 700 EUR bei mir durch Raster.


    Zurück zu den Demos der Chemnitz. Furtwängler Walcker/OAM klingen im Vergleich etwas feiner. Das liegt aber an der Mikrofon-Entfernung. Chemnitz klingt über die Distant/Diffuse-Kanäle auch weicher. Der Vorteil: Ich kann es einstellen, wie es mir beliebt.


    Furtwängler ohne die Rear-Kanäle wäre interessant zu hören. Einstellmöglichkeiten (Direkt/Ambient) sind vorhanden.

  • Ich helfe mir, wenn der romantische Klang zu präzise und scharf ist, indem ich die Boxen (ein Meter vor der Wand) umdrehe und gegen die Wand strahlen lasse. Der Klang wird milder und großräumiger durch die Wandreflexionen.

    Das ist nicht jedem möglich. Mein Raum ist groß genug.

  • Apropos OAM Dortmund.

    Wie realistisch fühlt sich die Simulation der Pneumatikverzögerung so an?

    Allgemein kann ich mir die romantischen Sets bei meinen Holztasten und der Druckpunktsimulation schwer vorstellen.

    Mir fehlen so ein bisschen die Zungen.

    Ich habe in Berlin in Herz Jesu Prenzlauer Berg die Eggert Orgel gespielt.

    Da gab es noch eine Oboe, Clarinette und auch für das HW eine 16´Zunge.


    Bei der Furtwängler fand ich die Demo auch sehr schön.

    Hatte ich unter HW 4 mal getestet.

  • Ich glaube, das Gefühl der Pneumatikverzögerung wird bei Samples nie völlig überzeugend gelingen, aber das Gleiche gilt ja auch für das Ansprechverhalten von Pfeifen bei mechanischer Kegellade (wenngleich ich gar nicht weiß, ob es davon überhaupt ein Sample gibt) oder auch bei klassischer Schleiflade. Ich habe Holztasten mit Druckpunktsimulation aus einer Kirchenorgel und es wird ein guter Druckpunkt simuliert, der in etwa dem einer mechanischen Schleiflade entspricht, aber dennoch fehlt das Ansprechverhalten der Pfeife. Von daher muss man wohl immer Abstriche in dieser Richtung machen.


    Zurück zu Sauer/Furtwängler/Walcker; ich denke, dass die Sauer sehr gute Abhörpositionen bietet, dafür aber von der gesamten Intonation und Konstruktion viel enger auf deutsche Romantik eingeschränkt ist als die beiden anderen. Die Furtwängler hat in der Tat eine riesige Akustik, was natürlich auch manchmal sehr schön ist, manchmal auch zu viel sein kann.

    Ich würde dir empfehlen, die Demo zu testen, bei der man die volle Orgel spielen kann mit periodischen Unterbrechungen (wenn ich es noch richtig weiß); entsprechend kannst du auch die Kanäle einstellen und testen.

  • Wenn ich jetzt DER Reger-Spieler wäre, oder hier Konzertorganisten wie bei JGlebe konzertieren würden, dann würde ich die Doesburg kaufen. Aber um die op. 135a, op. 65 und noch zwei andere Teile zu spielen, muss ich nicht durchdrehen und die 852€ aus dem Fenster werfen. Da ist mir das Geld einfach zu schade.

    Das hebe ich mir dann lieber für einen neuen HW-Spieltisch oder Noten-Tablet o.ä. auf. Wenn man ein paar große Orgeln hat, dann fällt der Verzicht nicht sooo schwer ;-)

    Die ganz kleinen Reger-Werke kann man auf jeder zweimanualigen Orgel spielen. Aber es wäre mal ein Versuch Wert, diesen dumpfen Klang mit einem meiner Sets zu reproduzieren...

    Wenn es nur um die kleinen Reger auf der Walcker-Doesburg geht, die kann man denke recht gut auf der 3 manualigen Extended Demo von Anton Heger spielen: https://www.pcorgel.nl/viewtopic.php?f=6&t=1298. Schau da doch mal rein...

  • Furtwängler installiere ich am Wochenende. Doesburg-Demo kurz angespielt, erster Ton im Bass, oh das hört sich wie ein Sample mit billiger Sample-Hardware an! Aber im Gesamtklang hört sich's gut an. Auch bei diesem Demo-Set sind wieder magische Kräfte gefragt, mit denen man die Demo-Register herausfindet...

    Da sieht man, dass die Hersteller eigentlich null Interesse haben, dass die Demo mit Begeisterung ausprobiert werden kann. Was soll's. Das Midi-Panel hatte ich bereits und habe gestern die Demo-Register hinterlegt. Werde ich am Wochenende ausprobieren.

    Die dreimanualige ODF habe ich ebenfalls installiert. Mal sehen. Ich habe den Blower nicht geladen. Kann das der Grund sein, dass die Demo nach ein paar Minuten stumm bleibt?

  • Doesburg-Demo kurz angespielt, erster Ton im Bass, oh das hört sich wie ein Sample mit billiger Sample-Hardware an!

    Kannst Du mir mal bitte die Töne und Register nennen, die sich Deiner Meinung nach billig anhören und die ggf. Waltharius als "synthetisch" bezeichnet? Das würde ich mir doch gerne mal mit eigenen Ohren anhören, sonst kann ich es kaum glauben.