Kirchenorgelmanuale: Restaurierung, Kopplung?, Druckpunktsimulation, Midifizierung

  • Das ist sicher ein guter Einwand - auf der anderen Seite kann man ja vorbohren. Das Holz ist ziemlich massiv, und noch ein Eisenwinkel dran. Die Schrauben werden wohl auch nicht sehr groß sein müssen. Aber vielen Dank für den Hinweis, werde drauf achten!

  • Quote

    Original geschrieben von Offenbass 32'
    Man bedenke daß durch die Bleigewichte etwa geschätzte 3,6 kg auf dem tastenbalken aufliegen...dreht man jetzt 56 Schrauben in den Tastenbalken ist das wie ein langer Keil...das Ergebnis könnte ein langer Riß sein der dann durch die Auflagegewichtskraft von ~ 35.32 N verursacht wird.


    Ich habe nochmal drüber nachgedacht, denke aber schon, dass das Risiko eines langen Risses sehr reduziert werden kann durch
    a) sehr großes Vorbohren (z.B. bei einer 5mm Schraube bis zu 4.5mm vorbohren, die Schraube hat ja nicht viel zu halten, optimalen Vorbohrdurchmesser kann ich durch Versuche herausfinden)
    b) geringfügiges Versetzen der Bohrlöcher bei Ober - und Untertasten. Da die Obertasten sowieso nach hinten versetzte Waagebalkenstifte haben, ist es sogar vorteilhaft, wenn die Schrauben wenige Millimeter auch nach hinten versetzt sind, und damit nicht alle in einer Reihe sind.


    Aber ich habe festgestellt, dass es gar nicht einfach ist, Eisenholzschrauben zu bekommen - Messing, Edelstahl, eloxierte gibt es in jedem Baumarkt, aber magnetisch geeignete Eisenholzschrauben nicht. Ich bin bei einer Stelle fündig geworden, Gott sei Dank: http://www.kunstbeschlag.de

  • Den Vorbohrdurchmesser kann man auch Tabellen entnehmen.


    http://www.google.de/imgres?im…0&ndsp=24&ved=0CC8QrQMwAA


    Bei einem ordentlichen Schraubenhändler / Lieferant bekommt man für jede Schraubenart so eine Tabelle.


    Wenn die Schraube nicht sehr hohen Kräften ausgesetzt ist, kann man auch den Innendurchmesser der Schraube nehmen. (Schraubengrund). Das funktioniert eigentlich auch fast immer.


    Viele Grüße


    Michael

  • Quote

    Original geschrieben von Niederrheiner
    Wenn die Schraube nicht sehr hohen Kräften ausgesetzt ist, kann man auch den Innendurchmesser der Schraube nehmen. (Schraubengrund). Das funktioniert eigentlich auch fast immer.


    Ja, so sehe ich das auch in diesem Fall - die Schraube ist sehr geringen Kräften ausgesetzt, eben der Druckpunktkraft. Es würde reichen, wenn man sie mit der Hand drehen kann, denke ich mal, von daher darf wohl der Vorbohrdurchmesser ziemlich groß sein.


    Aber dazu noch eine andere Frage:
    Bei dem ausfindig gemachten Händler gibt es z.B. Eisensenkkopfschrauben (DIN97) 5,0x30mm
    Diese haben einen Kopfdurchmesser von 9,2mm, was mir ganz gut gefällt (deutlich größer als der angepeilte Magnetdurchmesser von 6mm). Leider gibt es die Schrauben nur mit 30mm Länge, und gehen damit komplett durch das Holz durch (und auf der Unterseite ist ein Eisenwinkel, der dann auch magnetischen Einfluss hat). Also entweder ich schneide die Schraubenspitzen ab oder nehme die nächstkleinere Schraube, die es dort gibt in z.B. 4,0x20mm oder 4,0x25mm. Hat immer noch 7,5mm Kopfdurchmesser.


    Jetzt die große Frage: ist die Magnet-Anzugskraft stark abhängig davon, ob die Eisenschraube kleiner oder größer ist? Ich möchte nicht groß experimentieren müssen mit den Schrauben, die gibt es nur in größeren Gebinden.


    Gruß
    Olaf

  • Hallo Dulzian,


    ich habe die genauen Gegebenheiten nicht vor Augen, daher ist meine Antwort etwas spekulativ:


    Die Schraube wird dann einen umso größeren magnetischen Effekt haben, desto näher sie am Magneten dran ist.


    Wenn der Magnet am Schraubenkopf wirkt, würde ich mir nicht so viele Gedanken bezüglich der größeren Länge machen. Wenn der Magnet aber auf der Seite wirkt, an der die Schraube mit der Spitze fast oder sogar tatsächlich aus dem Holz ragt, könnte es ein Problem sein.


    Soll die Schraube denn einen magnetischen Effekt haben oder wäre das eher störend?


    Wenn die Schraube keinen magnetischen Einfluss haben sollte, kannst du einfach Edelstahlschrauben (V2A oder V4A) nehmen. Die sind zwar etwas teurer, dafür rostfrei und vor allem nicht magnetisch.


    Wenn du Zugang zu einem industriellen Fachhandel hast, sind dort Schrauben übrigens meist erheblich preiswerter und in viel größerer Auswahl vorhanden. Da bekommst du dann auch deine gewünschte Größe in Edelstahl.


    Ich kenne so einen Laden in Duisburg (Schrauben Werther, Sittartdsberger Allee 130, 47249 Duisburg 0203 700672). Weiß daher nicht, ob dir das was nützt. Das Geschäft sieht aus wie eine Garage, im Internet gab es da bislang nie irgendetwas, aber man kann praktisch jede Art von Schraube bekommen. War bei allen Vergleichen auch immer günstiger als jeder Baumarkt, wobei ich da schon länger nicht mehr war. Ob die Liefern / Versenden weiß ich nicht.


    Ggf. findest du auch so etwas bei dir vor Ort. Sonst bleiben halt nur die großen Versender / Händler auf den üblichen Seiten.


    Viele Grüße


    Michael

  • Nein, die Sache ist etwas anders:


    Die Schraube soll magnetischen Effekt haben, sie ist das Gegenstück zum Magneten. Also sollte sie wohl aus Eisen sein. Der Magnet soll in den Tastenhebel eingebaut werden (entsprechend eingefräst). Die Schraube soll in das Holz (wo der Tastenhebel am Ende aufliegt) eingelassen werden. Ich glaube auch nicht, dass die Schraubenlänge einen großen Unterschied macht, wohl aber vielleicht der Schraubenkopfdurchmesser?


    Die Anzugskraft will ich eben justieren durch den Abstand Schraube-Magnet. Zielwert ist vielleicht ca. 1,5mm.


    Was ich mich frage, ob es einen großen Unterschied macht, ob ich für 6mm Durchmesser Magneten eine 4mm- oder 5mm Schraube nehmen soll. Also ob die Anzugskraft sehr abhängig ist vom Durchmesser (vielleicht auch Masse?) der Schraube. Wie gesagt, es gibt 4,0x 20mm Schrauben, haben immerhin 7,5mm Kopfdurchmesser. Die 5mm Schraube hat 9,2mm Kopfdurchmesser. Gibt es aber nur etwas zu lang, ich müsste etwas abschnippeln.


    Jetzt ist die Frage, ob es eine 4mm Schraube auch tut? Wie ist die Abhängigkeit Magnetkraft zur Gegenmasse? Will nicht so viel Versuche machen, wegen großer Gebinde.

  • Hallo Martin,


    vielen Dank für den Link in zweifacher Hinsicht - zum einen hatte ich diesen Shop noch nicht im Blick (er ist aufgrund der Mengenpreisstaffelung sehr interessant), und zum anderen kann man direkt die Haftkraft-Diagramme berechnen!


    Zwar wird dort immer mit einer Eisenplatte (in verschiedenen Dicken) als Gegenpol gerechnet, aber man kann verschiedene Plattendicken eingeben. Es hat keinen sehr großen Effekt, ob die Platte 1mm oder 100mm dick ist. So hoffe ich, dass es bei den Schrauben auch keinen so großen Unterschied macht, welcher Schraubendurchmesser und Eisengewicht.


    Ich glaube, ich starte mit Versuchen mit 4,0x25mm DIN97-Eisenschrauben und Neodym-Scheiben 6mm Durchmesser und mache Tests mit den Dicken 1-4mm (sowohl für die Druckpunktsimulationsmagnete als auch für die Hall-Sensor-Magnete).
    Habe vor, für die Tests statt der echten Tasten mir eine Holzwippe zu bauen, einfach einen Nagel in ein Holz hauen als Waagebalkenstift, und dann ein anderes Holz mit entsprechenden Tastatur-Längenerhältnissen und Langloch für diesen Waagebalkenstift draufstecken. Und dann mit den verschiedenen Scheibendicken und Eisenschraube experimentieren und die richtige Scheibendicke herausfinden, bei der so ca. 60g Druckpunkt bei 1-2mm Abstand zur Eisenschraube entsteht (vermutlich so bei 2mm Scheibendicke).


    Und an der Stirnseite kann ich dann dasselbe testen bzgl. Hall-Sensoren. Dies ist insofern auch tricky:
    Eigentlich ist ja der Druckpunkt hier direkt beim Tastendruck, also Tastendrucktiefe 0mm. Man braucht aber einen gewissen Abstand, bis der Hall-Sensor anspricht. Außerdem gibt es eine Hysterese - d.h. der Hall-Sensor öffnet später, als er schließt. Und so wird sich die minimal mögliche Tastendrucktiefe daraus ergeben, dass der Hall-Sensor mit Sicherheit wieder öffnet, wenn man die Taste ganz loslässt. Schätze mal, dass man die Hall-Sensoren bei ca. 2mm Tastendrucktiefe schließen lässt. Muß eben auch getestet werden. Es darf ja auch nicht prellen!

  • Habe nun Magnete zum Testen bekommen für die Druckpunktsimulation - habe Scheiben 6mm Durchmesser in den Dicken 1,2,3,4mm bestellt (alles in der Güte N45). Als Schrauben habe ich eine Eisenschraube M4 verwendet (DIN97)


    Hier ist der Testaufbau, habe dazu eine Hilfstaste gebaut mit den Dimensionen der Untertasten von Manual 3:


    Werde dasselbe nochmal mit Manual1-Dimensionen (8cm längere Tasten, evtl. geringfügig andere Hebelverhältnisse) durchführen zur Sicherheit.


    Die Messergebnisse:
    6mm x 1mm Scheibenmagnet 1mm Schraubenabstand = 20g Niederdruckgewicht
    6mm x 2mm Scheibenmagnet 1mm Schraubenabstand = 65g Niederdruckgewicht
    6mm x 2mm Scheibenmagnet 1,5mm Schraubenabstand = 15g Niederdruckgewicht
    6mm x 3mm Scheibenmagnet 1mm Schraubenabstand = 87g Niederdruckgewicht
    6mm x 3mm Scheibenmagnet 1,5mm Schraubenabstand = 32g Niederdruckgewicht


    habe daraufhin den Versuch abgebrochen, da mir Scheibendicke 3mm optimal vorkommt, um auf 65g Druckpunktgewicht zu kommen.


    Hier das Bild vom Schraubenabstand zum Magneten, wenn ich damit 65g Druckpunkt eingestellt habe (das ist das Gewicht, was auf dem oberen Bild zu sehen ist, die Schraube+Mutter als Gewicht):


    Bei den richtigen Tasten würde ich dann dünnes Filz über die Magnete kleben, damit die Magnete niemals an die Schrauben klacken können.


    Wenn ich die Eisenschrauben in der richtigen Länge bekommen habe, werde ich das nochmal wiederholen, ebenfalls mit den Dimensionen für Manual 1.


    Aber es sieht so aus, dass ich mit Scheiben 6mm Durchmesser, 3mm Dicke, meinen gewünschten Druckpunkt sehr gut einstellen kann (fühlt sich auch gut an).


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  • Der Tastenabstand der Kirchenmanuale an der hinteren Stirnseite für die Midifizierung beträgt 13.6mm.


    Da ich eine Rasterplatine (Rastermaß 2.54mm) genommen habe für das Auflöten der HALL-Sensoren (Typ TLE4905L), ist im worst-case Fall der Abstand 3-er benachbarter HALL-Sensoren je 12.7mm.


    Also habe ich Tests gemacht bzgl. gegenseitiger Beeinflussung der Magnete von Nachbartasten beim Abstand von 12,7mm und weiterhin den möglichen Tastenweg gemessen, bei dem der HALL-Sensor eingeschaltet ist (Midifizierung mit Schließerfunktion angestrebt).


    1) Neodym-Scheibe 6mm Durchmesser 1mm Dicke: Einschaltweg ca. 8mm. Der HALL-Sensor spricht in etwa an, wenn die Außenkante der Scheibe erreicht ist


    2) Neodym-Scheibe 8mm Durchmesser 2mm Dicke: Einschaltweg ca. 11mm. Der HALL-Sensor spricht in etwa an, wenn etwas mehr als die Außenkante der Scheibe erreicht ist. ABER: diese Scheiben haben schon so kräftigen Magnetismus, dass gegenseitige Anziehungskräfte der Scheiben da sind - dies könnte sich ggfs. auf das Niederdruckgewicht auswirken


    Fazit für Auswahl:
    1) Selbst bei 8mm Durchmesser Scheiben erfolgt keine gegenseitige Beeinflussung benachbarter HALL-Sensoren! Da der HALL-Sensor erst anspricht, wenn in etwa die Außenkante einer Scheibe erreicht ist, kann man sogar den HALL-Sensor zwischen 2 Scheiben bewegen, und er schließt nicht
    2) Da der Tastentiefgang etwa 11mm betragen soll, und der HALL-Sensor möglichst früh schließen soll, ist selbst eine 8mm-Scheibe sehr knapp, denn bei 11mm Einschaltweg ist Schluß - keine Reserve da, wenn man die Taste krätig in den Filz drückt . Geht also nicht!
    3) Der horizontale Abstand des HALL-Sensors zum Magneten ist erstaunlich unkritisch, im Bereich 1-5mm
    ziemlich egal
    4) vielleicht nicht allgemein bekannt: nur eine Seite der Magnete funktioniert mit dem HALL-Sensor TLE4905L, man muß also auf die Polarität achten.


    Schlussfolgerung für Auswahl:
    Statt Scheibenmagnet lieber Quadermagnet nehmen. Z.B. gibt es bei http://www.supermagnete.de einen Quader 10mm x 4mm x 1mm (Dicke). Dies ist ein schwacher Magnet (gegenseitige Beeinflussung benachbarter Tasten sowieso ausgeschlossen), aber vor allem sind ca. 13mm Einschaltweg zu erwarten, man hat also genügend Reserve.


    Gedanken zur Justage der Miidifizierung:
    Ich habe inzwischen die HALL-Sensoren für ein Manual auf die Streifenleiterplatinen gelötet, dazu erstmal den Abstand für das Löten in der Rasterplatine festgelegt, siehe hier:


    Danach die HALL-Sensoren aufgelötet, siehe hier:


    Als nächstes trenne ich die Streifenleiterplatinen auf die erforderliche Breite auf und klebe sie auf ein stabiles Alu-Rechteckprofil. Dort will ich Langlöcher anbringen, sodass dieses Rechteckprofil insgesamt im horizontalen und vertikalen Abstand zu den Magneten justiert werden kann.


    Ich habe vor, KEINE individuelle nachträgliche Justagemöglichkeit der HALL-Sensoren vorzunehmen. Stattdessen will ich die Sensorplatinen so an die Stirnseite der Tastatur legen, dass ich den jeweiligen Magneten genau Kante auf Kante an den entsprechenden HALL-Sensor auf die Taste klebe. Damit stimmen die Abstände ganz genau. Zum Schluss wird nur die komplette Alu-Schiene so justiert, dass die Tasten beim gewünschten Tiefgang auslösen.
    Da sowohl die HALL-Sensoren als auch die Magnete jeweils aus einer Charge stammen, gehe ich fest davon aus, dass sie ziemlich gleichsinnig ansprechen werden. Und da die Magnete individuell so ausgerichtet sind, dass sie zu den gelöteten HALL-Sensoren zusammenpassen, sollte das so funktionieren. Im schlimmsten Fall könnte man noch an den HALL-Sensoren herumbiegen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass dies nicht nötig sein wird.


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  • Es ist wirklich sehr Interessant deine Entwicklungen zu folgen.
    Vielen herzlichen Dank für die ausführliche Dokumentation.
    Bin gespannt auf das Endergebnis.

  • Vielen Dank für die netten Rückmeldungen! :-)


    Heute bin ich (Fronleichnam sei Dank) wieder weitergekommen. Ich habe die Druckpunktsimulation und die Midifizierung für das 3. Manual gemacht. Ich werde wohl jedes Manual separat bearbeiten, und erst das 3. komplett fertigstellen incl. Verdrahtung, zur Seite legen und dann das nächste Manual angehen.


    Habe zuerst die Magnete für die Druckpunktsimulation (6mm Durchmesser, 3mm dick) in die entsprechend eingesenkten Tasten mit Heißkleberpistole eingeklebt. Habe dabei wegen der unterschiedlichen Hebeverhältnisse die Magnete für Ober- und Untertasten entsprechend versetzt, um möglichst im gleichen Kennlinienverlauf zu bleiben:


    Da ich die Schrauben für die Druckpunktsimulation möglichst genau unter dem entsprechenden Magnet platziert haben möchte, habe ich 6mm Dübelmarkierer (kenne nicht den genauen Begriff, ein Eisenteil mit Spitze), die zum Glück magnetisch sind, auf den Magneten getan und dann Taste für Taste entsprechend im Auflageholz markiert. Dann das Auflageholz mit 3.2mm vorgebohrt, die 4x25mm Eisenschrauben eingeschraubt und anschließend Taste für Taste eingesetzt und den Druckpunkt justiert.


    Das Niederdruckgewicht lässt sich mit den Schrauben wunderbar genau einstellen, das hat wirklich richtig Freude gemacht. Ich habe zu den 55g statischem Niederdruckgewicht für das 3. Manual weitere 55g Druckpunkt draufgepackt, sodass ich mit einem 110g Gewicht genau justieren kann, dass beim Erreichen der Tastenspitze die Taste heruntergeht. Da ich ja niedrige Magnetkraft und dafür kurzen Abstand Schraube-Magnet wollte (er liegt bei ca. 1.5mm), erscheint der Druckpunkt schön deutlich, aber keinesfalls zu stark.


    Anschließend habe ich die vorbereitete Alu-Leiste mit den HALL-Sensoren so fixiert, dass ich die Magnete für die Midifzierung (Quadermagnete 10 x 4mm, 2mm dick) Stoß auf Stoß an den entsprechenden HALL-Sensor ankleben konnte. Damit hoffe ich die Ungenauigkeiten der Tasten (die sind aber ohnehin erstaunlich gleichmäßig, tolle Qualität!) und vor allem der Lötungen auszugleichen. Da ja die Streifenleiterplatte im Raster 2.54mm ist, kann damit auch der Magnet genau zum Raster passend angelegt werden.
    Aufpassen muss man, dass man die Polarität der Midi-Magnete nicht vertauscht, denn sonst funktioniert der HALL-Sensor nicht. Dafür habe ich eine kleine Testplatine mit einem HALL-Sensor gemacht, oben links im Bild:


    Anschließend habe ich die Halterschrauben für die Alu-Leiste eingeschraubt und die Alu-Leiste erstmal so justiert, dass bei Tastendruck von ca. 1mm die Sensoren ansprechen. Hier sieht man die Dimensionen des HALL-Sensors und des Magneten bei vollständig gedrückter Taste - man erkennt auch, dass nach unten hin genügend Reserve da ist, wenn die Taste stärker gedrückt würde:


    Und hier schließlich die montierte Midi-Leiste:


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  • Habe nun noch die Verdrahtung für die Midifzierung des Manuals fertiggestellt.
    Auf dem Foto ist die Häflte verdrahtet, links sind die mittels Einpressbuchsen und Flachbandkabel von Reichelt vorbereiteten Kabel zu sehen. In der Mitte die Scanner-Platine, welche ich anschließend unter das Manual geschraubt habe. Damit bleibt die Elektronik und Mechanik eines Manuals zusammen:


    Ich habe nun vor, erst einmal dieses Manual an meiner bisherigen Orgel ausgiebig zu spielen (in einem Freiluftaufbau), um zu sehen, ob ich mit der Druckpunktstärke und Niederdruckgewicht so zufrieden bin. Da es das 3. Manual ist und meist die oberen Manuale von mechanischen Orgeltastaturen leichtgängiger sind, habe ich es bei 110g belassen. Will dann eben sehen, was ich nach den Tests für ein Niederdruckgewicht für das 2. Manual nehme. Falls es mit einer mechanischen Koppel nicht klappt, dann nehme ich vielleicht 125g für das 2. Manual und 140g für das 1. Manual (was dann das Hauptmanual würde). Falls eine mechanische Koppel realisierbar ist, belasse ich es vielleicht bei 110g oder so.


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  • Beim Probespielen mit den Orgelmanualen ist mir etwas aufgefallen:


    Beim Runterdrücken einer Taste bewirkt das Bleigegengewicht am Ende der Taste, das am Ende des Tastengangs die Taste hochgehoben wird und im mittleren Führungsstift hochspringt, wenn man die Taste schnell runterdrückt. Weil durch die Massenträgheit die Taste sich weiterbewegen möchte. Es ist zwar am Ende des sichtbaren Bereichs der Taste später eine Filzleiste, aber an dieser Stelle verhindert der Filz nicht, dass die Taste in der Mitte hochspringt.


    Dies ist möglicherweise beim Einsatz in einer mechanischenTraktur mit Abstrakten nicht nötig (sonst hätten die ansonsten hochwertigen Manuale dies), weil die Abstrakte hinten wahrscheinlich ein Hochspringen der Taste verhindern.


    Aber beim Einsatz von bleigewichteten Tastaturen in einer virtuellen Orgel fehlt da was. Auf vielen Bildern, z.B. von Laukhuff, sieht man eine Fangleiste, die über den mittleren Führungsstiften liegt.


    Ich denke, ich muss dies nachrüsten. Dachte an eine Hartholzleiste, eingefasst in ein Alu-U-Profil, welches beiderseitig der Tastatur rechts/links befestigt ist. Wo die Führungsstifte sind (sind ja für Ober- und Untertasten versetzt), werden ausreichend dicke gelochte Filzscheiben auf die Leiste geleimt, sodass die Tasten am Hochspringen gehindert werden, sich aber ansonsten frei bewegen können. Sieht so aus, als ob man um diese Aktion nicht herumkommt.


    Oder andere Ideen dafür?

  • Nein, keine andere Idee. Im Spieltisch meiner Walcker-Orgel sind auch solche Fangleisten eingebaut wenn ich mich recht entsinne. Ich werde aber in Kürze nochmal aufschrauben und ein Foto davon machen.


    Deine Ausführungen hier sind wirklich große Klasse :A


    Ich hatte mir schon öfter überlegt die Manuale meiner Walcker zusätzlich mit Hallsensoren zu versehen. Aber leider wird es so nicht ganz hinhauen wie bei Dir, da die Tasten hinten gabelförmig sind und dort die Gestänge zur Kontaktmaschine eingehängt sind. Aber durch die detaillierte Beschreibung der Hallsensoren und Quadermagnete in ihrem Zusammenspiel, kann ich vielleicht doch irgendwie eine Lösung finden.


    Hast Du die Quadermagnete auch einfach mit Heißkleber befestigt? Ob die auf Dauer alle an ihrem Platz bleiben werden? Aus dem Bauch heraus hätte ich auch vermutet, dass man um eine Einzeljustagemöglichkeit der Hallsensoren nicht herum kommt - so bin ich auch gespannt auf Deine praktischen Erfahrungen die Du mit dem dritten Manual jetzt sammelst.


    Gruß Michael

  • Quote

    Original geschrieben von Mikelectric Aber durch die detaillierte Beschreibung der Hallsensoren und Quadermagnete in ihrem Zusammenspiel, kann ich vielleicht doch irgendwie eine Lösung finden.


    Hast Du die Quadermagnete auch einfach mit Heißkleber befestigt? Ob die auf Dauer alle an ihrem Platz bleiben werden? Aus dem Bauch heraus hätte ich auch vermutet, dass man um eine Einzeljustagemöglichkeit der Hallsensoren nicht herum kommt - so bin ich auch gespannt auf Deine praktischen Erfahrungen die Du mit dem dritten Manual jetzt sammelst.


    Also Quadermagnete 10mm x 4mm, Dicke 1mm, haben aus meiner Sicht nach wie vor ideale Abmessungen für Manualmidifizierung mit Hallsensoren. Da die dünnen Magnete nur geringe Feldkraft haben, ist der Hallsensor nur aktiv, wenn die Außenkante des Sensors eine Seite des Quaders erreicht. Damit kann man den Hallsensor z.B. zwischen den Magneten 2-er Tasten beliebig bewegen, ohne dass er anschlägt. Damit kann es keine gegenseitige Beeinflussung geben. Auf der anderen Seite ist durch die Quaderlänge von 10mm garantiert, dass der Hallsensor über den ganzen Weg des Sensors an ist incl. Reserve.


    Habe die Quader mit Heißkleber befestigt. Das habe ich vor einigen Jahren bereits so mit der Midifizierung meines Pedals so gemacht. Daher habe ich Langzeiterfahrung, die Dinger bleiben an ihrem Platz. Hatte nur beim Pedal den Fehler gemacht, Rundmagnete 6mm Durchmessser, 4mm dick zu nehmen. Die Weglänge ist zu kurz, wenn ich das Pedal sehr kräftig trete (was man ja vermeiden soll, passiert aber in der Hitze des Gefechts manchmal), geht der Ton wieder aus, weil der Hallsensor wieder über dem Magneten drüber weg ist. Werde daher diese Magnete austauschen (geht einfach: Lötkolben auf den Magneten halten, dann wird der Heißkleber flüssig - Magnete dann wegwerfen, da Magnetismus nicht mehr gewährleistet ist) gegen Quadermagnete, dafür dann 20mm lang - habe ich bereits mit besorgt, will ich irgendwann später austauschen.


    Was die Einzeljustage angeht:
    Dadurch, dass ich die Hallsensoren incl. Leiterplatte mit einer verwindungssteifen Aluleiste verbunden habe, kann sich da nichts an der Lage ändern. Nachdem die Tasten justiert waren, habe ich die Magnete Stirn an Stirn mit den Sensoren an die Tasten geklebt. Dadurch hat man sehr exakten Bezug des Magneten zum entsprechenden Hallsensor, der auch bestehen bleibt, wenn die ganze Leiste mit den Hallsensoren dann an den richtigen Platz für den Toneinsatz versetzt wird. Ich bin mir sicher, dass man es durch Einzeljustage nicht besser hinbekommt, im Gegenteil, man hat Nachteile:
    a) es ist schwierig, den Toneinsatz messtechnisch genau zu justieren, auf ein paar Zentelmillimeter genau (auf das mein Verfahren kommt, denke ich)
    b) Einzeljustagen können sich lockern, man muß ggfs. nachstellen
    c) insgesamt kann man den Tonteinsatz nicht ändern, geht nur einzeln.
    In meinem Fall brauche ich nämlich nur die gesamte Leiste (die mit Langlöchern versehen ist), nach oben oder unten verschieben, und kann dadurch den Toneinsatz für alle Tasten ändern.
    d) es kostet schlicht mehr Zeit und Geld


    Diese Art der Montage, also ohne Einzeljustierung, habe ich in der Form auch bei meinem Pedal vor einigen Jahren gemacht. Durch die Quaderform der Magnete, die man so exakt an die Kante eines Hallsensors anlegen kann, ist m.E. die Genauigkeit für den Toneinsatz gegeben. In engen Grenzen könnte man aber auch einzeln justieren, denn die Hallsensoren können zumindest weiter weg oder näher dran an den Magneten gebogen werden - hat nur geringen Einfluss, aber hier würde es auch nur um sehr geringe Toleranzen gehen.

  • Im 1. Manual waren Löcher vorhanden, wo ursprünglich Zugknöpfe drin waren für Manualkopplung usw.
    Leider waren diese Zugknöpfe nicht mehr drin, als ich die Orgelmanuale bekam.


    Da meine Setzersteuerung 16 Taster braucht und insgesamt 18 Löcher drin waren, habe ich die beiden zusätzlichen Löcher genutzt für den Gesamtstrom-Einschalter und den PC-Start/Shutdown-Knopf:
    Die vorhandenen Löcher waren in Gruppen angeordnet mit Abstand zwischen den Gruppen. Es hat aber gut so gepasst, dass die Wira-Setzersteuerung mit den Speicherplätzen 1-8, de Bänke A-C, rückwärts/vorwärts Taster und Store,Clear,Null jeweils eine Gruppe belegen und damit die Löchergruppierung für diese Setzersteuerung auch Sinn macht. Als Taster habe ich Marquardt-Kurzhubtaster genommen mit LEDs.




    Für die bereits erwähnte unbedingt notwendige Rückprall-Leiste habe ich eine andere Lösung gefunden. Viele Orgeln haben eine Rückprall-Leiste überhalb der Waagestifte.
    Bei meinen Orgelmanualen waren aber die Tasten hinten bereits mit Filzen belegt für die Manualtraktur. Dort war Platz, und die Rückprall-Leiste ist viel wirkungsvoller als über den Waagestiften. Habe daher eine Alu-Leiste so angebracht, dass beim Tastendrücken der Filz der Alu-Rückprall-Leiste berührt wird. Damit ist eine wirklich sehr gut funktionierender und darüber hinaus einfach zu realisierender Rückprallschutz entstanden:



    Als nächster Schritt wird eine Koppelmöglichkeit für das 2. Manual angegangen, und dann können die soweit fertig midifzierten und druckpunktversehenen beiden anderen Manuale aufgeschraubt werden.


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  • So, mittlerweile bin ich spielmäßig bereits umgezogen und spiele bereits auf den umgebauten Manualen. Jetzt kommt das Gehäuse für die Umkleidung der Manuale und der Midielektronik als nächstes dran. Wollte nur mal ein paar Bilder von der aktuellen Situation zeigen (bis auf die Registersteuerung, welche im Gehäuse ist, ist ansonsten alles spielfertig, incl. Setzersteuerung unterhalb des 1. Manuals:






    Wahrscheinlich werde ich den Unterteil des alten Spieltisches nur umbauen, ggfs. schwarz lackieren oder vielleicht sogar so lassen, weil er rel. robust ist. Dort will ich nur an der Seite eine ausschiebbare Schublade machen, wo das Motherboard+Netzteil+SSD drin ist.


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  • Hallo Dulzian,von mir auch danke für deine ausführliche Doku.Ich habe mir jetzt auch Halls bei Reichelt bestellt,und Zylindermagnete 2x2.Nach Fertigstellung der Prüfplatine bin ich mir jetzt nicht sicher welche Anordnung der Halls ich mit den Magneten wähle.Ursprünglich hatte ich mich beeinflussen lassen von der Dokumentation von Gregor Dvorzak.Dort sind die kleinen Magnete unten in die Tasten mit einer Schraube justierbar eingelassen.Geht die Taste nach oben schaltet der Hall aus.Das ist jetzt die Frage.Bei deinem System schaltet er ein wenn die Taste hoch geht.Was machen die Steuerungen mit den Signalen bei diesen unterschiedlichen Anordnungen?Oder ist das irgendwie egal.Vielleicht denke ich nur zu kompliziert als Nichtelektroniker.Ich möchte auch nicht unbedingt die Magnete in die 'Tonne schmeissen.
    LG Jürgen