Kirchenorgelmanuale: Restaurierung, Kopplung?, Druckpunktsimulation, Midifizierung

  • Ui, das ist ja ein ganz besonderes Schätzchen. Bestimmt nicht so einfach da mal dran spielen zu dürfen. Da würde mich natürlich ein kurzer Bericht freuen, wie Du die Orgel anschließend einschätzt und was Dir das Üben im Vorfeld mit Deinem neuen historischen Pedal zuhause gebracht hat.

  • Ui, das ist ja ein ganz besonderes Schätzchen. Bestimmt nicht so einfach da mal dran spielen zu dürfen. Da würde mich natürlich ein kurzer Bericht freuen, wie Du die Orgel anschließend einschätzt und was Dir das Üben im Vorfeld mit Deinem neuen historischen Pedal zuhause gebracht hat.

    Ja, das ist wirklich eine schöne Orgel. Es hat vielleicht geholfen, dass ich den Organisten noch aus alten DDR-Zeiten kannte - aber bin mir rel. sicher, dass es auch ohne den Kontakt unbürokratisch gegangen wäre. Ich hatte den Kirchenschlüssel einen Tag vorher von der Küsterin abgeholt und nach dem internen Konzert einfach wieder abgegeben. Es sind auch einige Scheinchen in die Kollekte gewandert, aber das wäre auch so gegangen.

    Diese Peternell-Orgel ist trotz der lediglich 19 Registern und trotz "fehlender" Zungenregister dermaßen sonor und kräftig, dass da schon ordentlich Power herauskommt, und auch wunderschöne leise Register. Es ist eine reinrassige romantisch disponierte Orgel, und in gutem Zustand (was die Stimmung/Intonation angeht) - es werden da auch ab und zu Konzerte gespielt. GD ist nur noch einmal im Monat, wie in so vielen anderen Dörfern auch...

    Ansonsten ist das Pedal rel. schwergängig - das ist der Hauptunterschied in der Haptik zu meinem neuen Übepedal (die Tastenabstände waren vergleichbar). Als Konsequenz (weil ich das an einer anderen Orgel auch so erlebt habe), werde ich zusätzlich noch eine Druckpunktsimulation bei meinem historischen Übepedal einbauen, was gleichzeitig auch die Sache schwergängiger macht.

    Und das Pedal und die Tasten klappern ziemlich stark beim Loslassen. Das ganz leise Harmonica 8' im OW ist für sich alleine eigentlich nicht spielbar, die Klappergeräusche sind auch im Kirchenschiff lauter als der Pfeifenklang. Aber auch das habe ich schon bei mehreren hist. Orgeln genauso erlebt.


    Am nächsten Tag des Aufenthalts in Thüringen bin ich noch an der Orgel in Schlossvippach im Norden von Weimar, nahe Sömmerda, gewesen. Eine 2-manualige, aber unglaublich üppig disponierte historische Barockorgel - habe auf Organindex schonmal die Disposition und ein paar Bilder hochgeladen (es folgt noch eine Beschreibung der Wartungsarbeiten im 19./20.Jhd): Schlossvippach -St. Vitus.

    Wenn ich im Lotto gewonnen hätte, würde ich hier Geld reinstecken - so eine schöne Orgel in einer großen Kirche (da gibt es sogar noch eine weitere Chororgel). Habe da eine nähere Beziehung dazu, weil meine Eltern daneben begraben liegen. Die Orgel ist leider derzeit nur so gut wie unspielbar, wenige Register im HW gehen noch, Pedal so gut wie unbrauchbar, OW stillgelegt...


    Gruß Olaf

  • Hochachtung vor deinem tollen Bericht.

    Die Probleme mit den Magneten und den Reed-Relais habe ich jetzt bei der Midifizierung der Manubrien und Registerwippen. Werde möglicherweise auch auf Hallsensoren umsteigen.

    Gruß Bernd

  • Vielen Dank für den ausführlichen Bericht, lieber Olaf! Da wird mir ganz warm um's Herz, weil das ja auch die Heimatregion meiner Eltern und Großeltern ist. Es tut einem schon weh, wenn man zusehen muss, wie so schöne Orgeln in vielen Kirchen ein trauriges Dasein fristen und vor sich hin rotten.

    Das Geklapper der Tasten und Trakturen ist halt authentisch und unterscheidet dann eben vom weichgespülten Klang von Sakralorgeln. Wenngleich bei leisen Passagen natürlich in gewisser Weise nervig. Bei meiner Walcker zuhause klackern auch die Ventile ziemlich.


    Ich hätte nicht gedacht, dass man so gut an die Liszt-Orgel in Denstedt rankommen kann. Ich fürchte, dass das Interesse an Orgeln wohl in Zukunft immer weiter abnehmen wird. Kirche und Orgel wird wohl immer unpopulärer in der breiten Masse, bis auf einige Exoten wie uns.

    Ansonsten ist das Pedal rel. schwergängig - das ist der Hauptunterschied in der Haptik zu meinem neuen Übepedal (die Tastenabstände waren vergleichbar). Als Konsequenz (weil ich das an einer anderen Orgel auch so erlebt habe), werde ich zusätzlich noch eine Druckpunktsimulation bei meinem historischen Übepedal einbauen, was gleichzeitig auch die Sache schwergängiger macht.

    Was hast Du für einen Eindruck woran diese Schwergängigkeit liegt? Am Winddruck, der an den Ventilen anliegt? Dann wäre das mit der Druckpunktsimulation vergleichbar. Oder liegt es eher an mechanischer Schwergängigkeit? Dann müsste man das ja anders simulieren.

    Gruß Michael