Sauer-Orgel opus 846, Essen-Katernberg

  • Hallo,


    als bekennender Fan von Wilhelm-Sauer-Orgeln möchte ich hier auf das Projekt der Restaurierung der Sauer-Orgel opus 846 in Essen-Katernberg aufmerksam machen: http://www.sauerorgel-bergmannsdom.de/


    Ich finde, dass solche Projekte größere Aufmerksamkeit und vor allem Mithilfe auch finanzieller Art verdienen. :-help:
    Die Restaurierungsarbeiten werden komplett über Spenden finanziert, was in Anbetracht des sehr armen Stadtteils Katernberg im Essener Norden besondere Hochachtung verdient :-respect:; der Name "Bergmannsdom" spricht für sich...


    Ich durfte in der lezten Woche auf dem teilrestaurierten Werk spielen. Das Schwellwerk ist schon komplett fertig und wenn der Rest der Arbeit genauso gut verläuft, gibt es wieder einen weiteren gehobenen Orgel-Schatz! :A

  • Eine interessante Geschichte. Und was für ein großes Glück, dass noch ein paar der originalen Sauer´schen Register in der Orgel eingelagert waren.


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    Original geschrieben von Subbass


    Ich durfte in der lezten Woche auf dem teilrestaurierten Werk spielen. Das Schwellwerk ist schon komplett fertig und wenn der Rest der Arbeit genauso gut verläuft, gibt es wieder einen weiteren gehobenen Orgel-Schatz! :A

    Hattest Du auf dem Instrument auch vorher schon mal gespielt, als es noch die Disposition von 1965 hatte? Schon erstaunlich wie sich der Musikgeschmack über die Jahrzehnte doch geändert hat. Und jeder war sich sicher, das Instrument jetzt endlich durch die jeweiligen Umbauten vervollkommnet zu haben. Hoffentlich bereut man nicht in einigen Jahren, dass man die kostspieligen Umbauten von damals nun wieder für viel Geld zurückgebaut hat, denn nach der Renaissance der Romantik kommt dann bestimmt irgendwann die Renaissance des Neobarock :D


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    Original geschrieben von Orgeljonas


    Nur frage ich mich, wieso diese neobarock Veränderungen (größtenteils) mit rekonstuiert werden ... :/


    So wie ich das sehe, werden ja die Sauer´schen Werke (Manual I + II + P) wieder originalgetreu hergestellt. Damit sollte das Klangbild von damals wohl weitestgehend auferstanden sein.
    Die Idee, dann das zusätzliche Werk (Manual III + 3 Register im Pedal) der Euler´schen Neobarockorgel bestehen zu lassen und intonatorisch anzugleichen finde ich eigentlich nicht so schlecht. So bleiben doch auch einige der erweiterten Möglichkeiten vorhanden, in die man früher mal investiert hatte. Man kann diese ja nutzen oder auch nicht.


    Was ich im Text nicht gefunden habe, aber wohl annehme: Bleibt die Stimmtonhöhe nun auf 440 Hz oder will man auch auf die originalen 435 Hz zurück gehen? damit müssten sicher eine große Anzahl von Pfeifen wieder verlängert werden. Ich denke auch der elektrische 3-man. Spieltisch wird wohl so übernommen werden?!

  • Hallo,
    leider habe ich zu der Stimmtonhöhe noch keine Informationen.


    Ich habe die Orgel in der letzten Woche zum erstenmal gesehen und gespielt, daher weiß ich nicht, wie sie vor den ersten Restaurierungsschritten geklungen hat.


    Ich denke auch, dass das Konzept sehr schlüssig und sinnvoll ist.
    Auf der einen Seite entsteht eine Restaurierung, bei der versucht wird möglichst genau an den Originalklang zu kommen - bis hin zur Rekonstruktion von Registern durch Klangvergleiche mit erhaltenen Geschwisterinstrumenten.
    Auf der anderen Seite wird die Ergänzung anderer Orgelbauer dadurch gewürdigt, dass sie zusätzlich erhalten bleiben und durch Angleichen der Intonation sogar sinnvoll in den "Sauerklang" integriert werden können (Betonung liegt auf "können").


    Der dreimanualige elektrische Spieltisch wird zwar renoviert, aber technisch nicht wieder auf die Pneumatik zurückgeführt (das würde jeden finanziellen Rahmen sprengen); das ist zwar schade, aber ich denke, damit kann man leben und das Geld lieber in klanglich relevante Arbeiten stecken.


    Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht: als nächstes soll das Hauptwerk fertig gestellt werden, danach das Pedal und damit wäre die Sauer-Orgel schon komplett.


    Ich hoffe für den Organisten und die Gemeinde sehr, dass sich weitere Spender und/oder Orgelpaten finden, damit das Projekt möglichst bald weitergeführt werden kann!!

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    Original geschrieben von Mikelectric
    denn nach der Renaissance der Romantik kommt dann bestimmt irgendwann die Renaissance des Neobarock :D


    lach mich nicht aus, aber ich bin mir da 100% sicher.. Hab vor 2 Jahren mit einem Prof. gesprochen, der mich in der Annahme bestätigt hat, dass der Neobarock wiederkommen wird. Pepping und Ahrens sind schon wieder am aufsteigenden Ast, meinte er - ich musste schmunzeln, hatte ich doch einen Ahrens in der Tasche mitgebracht. ;)


    Finde die Restaurierung auf jeden Fall stimmig - wenn man das Man. III schon hat, kann mans ruhig weiterverwenden und dann die ersten beiden umso konsequenter zurücksetzen auf Romantik, da man ja dann keine Rücksicht auf Universalfunktionalität nehmen muss. =)

  • Liebe Orgelfreunde,


    zunächst einmal meinen Dank an den Threadersteller, der unser Katernberger Projekt hier vorgestellt und mit wohltuenden Worten gewürdigt hat.


    Zu einigen Fragen bzw. Äusserungen hier im thread möchte ich kurz Stellung nehmen.


    Stimmung des Instrumentes


    An eine Rückführung der Orgel auf 435 Hz Stimmtonhöhe ist nicht gedacht. Der schon jetzt mit schätzungsweise 260.000,-€ anzusetzende Gesamtaufwand der Restaurierung/Rekonstruktion würde damit um alles denkbare überschritten.


    Klang der neobarocken Disposition aus 1965


    Ich verweise auf Aufnahmen meines Vorgängers aus dem Jahr 1991.


    http://www.sauerorgel-bergmannsdom.de/downloads/


    Neben deutlich neobarocken Klängen ist auch noch viel "Sauer" auszumachen. Die Aufnahme lag uns leider nur noch als MC vor; die Digitalisierung ist verständlicherweise nicht überzeugend gelungen.


    Integration des Eulerwerkes von 1965


    Die geplante Beibehaltung bzw. Integration des neobarocken Euler'schen Taschenladenwerkes in die ursprüngliche Sauer-Orgel war in der Tat, auch seitens des Landeskirchenamtes recht umstritten.


    Da das Eulerwerk einerseits als wichtiges Dokument der orgelbaulichen Entwicklung im 20. Jahrhundert einzustufen ist, und andererseits baulich bedingt vollkommen separat im Orgelgehäuse untergebracht ist, ist der Erhalt zu rechtfertigen. Zudem mag zukünftig jeder für sich entscheiden, ob er puristisch nur "Sauer" registriert, oder neobarock kontrastiert, erweitert oder mischt.


    An dem technisch in durchaus ordenlichen Zustand befindlichen Euler-Werk dürfte nicht viel zu restaurieren sein.
    Unser Hauptaugenmerk richten wir auf die intonationstechnisch herausfordernd schwierige klangliche Anpassung/Intonation an die Sauerorgel.


    Quote

    Schon erstaunlich wie sich der Musikgeschmack über die Jahrzehnte doch geändert hat. Und jeder war sich sicher, das Instrument jetzt endlich durch die jeweiligen Umbauten vervollkommnet zu haben. Hoffentlich bereut man nicht in einigen Jahren, dass man die kostspieligen Umbauten von damals nun wieder für viel Geld zurückgebaut hat


    Sehr gut beschrieben! Ähnliche Gedanken plagen mich häufig, insbesondere wenn ich an meinen Vorgänger denke, der mit viel Herzblut den neobarocken Um- Erweiterungsbau 1965 betrieben hat. :-afraid:


    Ich schliesse meine ersten Beitrag hier im Forum mit einer herzliche Einladung an alle, die sich vielleicht selbst einmal vor Ort einen Eindruck verschaffen möchten. Kontakt hier, oder über meine Orgelseite.


    beste Grüße
    Lothar



  • Hallo Lothar,
    der Dank gilt aber vor allem Dir und Deiner Initiative und Engagement für das Sauer-Projekt!
    Danke auch für Deine Informationen hier aus "erster Hand"!


    Ergänzend möchte ich darauf hinweisen, dass man die Klänge der Orgel in der "Sauer-Orgelwoche" vom 20. bis 25. April in abendlichen Andachten und in der "Orgelnacht" am Samstag, 25. April erleben kann.
    :-organ: