Posts by -RF-

    Wenn man allerdings sagt, Regeln interessieren mich nicht, und 6-2*3 ist 12 (weil man der Punkt-vor-Strich-Regel nicht folgt), muss man sich nicht wundern, wenn man auf dem untersten Niveau bleibt.

    Erinnerst Du dich noch an deine Schulzeit?
    In der 1. Klasse war die Lösung von 2-5 noch "geht nicht", weil die aktuellen Regeln nur positive Zahlen erlaubten.

    In der 2. Klasse war die Lösung von 5:2 noch "geht nicht", weil die aktuellen Regeln kein Teilen mit Rest kannten.

    In der 4. Klasse war die Lösung von 2:5 noch "0 Rest 2", weil die aktuellen Regeln keine gebrochenen Zahlen kannten.

    In der 10. Klasse war die Lösung von "Wurzel aus -1" noch "geht nicht", weil die aktuellen Regeln keine komplexen Zahlen kannten.

    In der 12. Klasse war die Lösung von "6-2*3" noch "-6", weil erst im Studium Ringe, Körper, Gruppen und andere Gruppen gelehrt werden, die es erlauben, die Rechenregeln selbst zu definieren.


    Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Die Erkenntnis, dass 1+1 nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit 2 ist kommt dann irgendwann nach dem Grundstudium.


    Und jetzt bin ich mal ganz böse: Wenn man die Regeln nicht bricht muss man sich nicht wundern, wenn man auf dem untersten Niveau bleibt. ;) Denn wenn in der Vergangenheit niemand Regeln gebrochen hätte und Neues ausprobiert hätte... wo wären wir dann? Irgendwo beim Klopfen mit Steinen?

    Und hier noch der Latry:

    Ich hatte das große Vergnügen, den Maestro im Dresdner Kulturpalast erleben zu dürfen, das war ein großartiges Konzert.

    Randanekdote: Mit einem Dresdner Arbeitskollegen und dessen Freundin war ich in der Frauenkirche zum Orgelkonzert. Danach saßen wir bei reichlich Alkohol zusammen und ich meinte "Die Orgel in der Frauenkirche klingt schwachbrünstig. Die füllt den Raum einfach nicht aus, die dringt nicht durch, die ist so, wie sie da steht, eine Fehlkonstruktion. Eine Orgel musst Du im Tutti, im richtigen vollgriffigen Tutti spüren. In den Ohren, und im Bauch." Mein Kollege konnte das nicht verstehen, was ich damit ausdrücken wollte. Nachdem wir aus dem Kulturpalast gingen meinte er nur zu mir: "Jetzt verstehe ich, was Du damals gemeint hast."

    Ach ja die Toccata in D-Moll, ich würde sie ja gerne mal spielen, alleine schon weil ich D-Moll unheimlich mag. Aber wir haben hier nur romantische Orgeln wo ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen kann dass es hier wirklich gut klingt. Ich glaube eines der Werke wo die Orgel entscheidend für die Wirkung ist.

    Zieh dir mal die Version von Olivier Latry rein. Vergiss die barocken Werkeregeln. Hör die die Orchestrierung von Stokowsky an. Und dann bastle das an deiner romantischen Orgel. Registriere bei den Echoläufen ein Crescendo. Hab Mut zum Registrieren, Du hast ein Orchester unter deinen Fingern! :-)

    Also doch abhängig von offiziellen Bestätigungen.

    Ja dann, viel Spaß bei der Wunst.

    Nö, überhaupt nicht abhängig. Das ist für mich nur die Bestätigung, dass das, was mir gefällt, auch anderen gefällt.


    Aber ich muss mir auch keinen drauf abkeulen, dass meine Improvisationen stets 100% irgendwelchen Regeln gehorchen, die Leute, die schon längst tot sind, für andere Leute, die auch schon längst tot sind, aufgestellt haben.


    Und zum Thema Wunst: Da muss ich immer an ein Konzert im Freiberger Dom mit insgesamt 5 Organisten denken. Die Künstlerin aus Japan konnte den Bach ganz exakt spielen. Da war kein Fehler drin, keine Schwankung, kein nix. Mechanisch runtergespielt. Hätteste ein Metronom nach stellen können. War das jetzt Wunst oder Kunst? Als das letzte ihrer Stücke verklang war die Erleichterung im Dom jedenfalls groß. Insbesondere unter den anwesenden Organisten.

    (wobei Wagner das in der Ouvertüre im Rheingold minutenlang nicht macht, aber das ist etwas anderes)

    Das ist es, was mich immer wieder nervt. Die Regeln sollen schön immer für alle gelten, außer für die gaaaaaanz großen. Bei denen ist das was anderes. Ein Musikschüler imitiert Helikoptergeräusche beim Spielen? Soll er gefälligst lassen. Außer er heißt Stockhausen, dann ist das was anderes. Eine Improvisation dreht sich mehrere Minuten nur über die Tonika? Kernschrott! Außer es ist Wagner, dann ist das was anderes. Eine Taste an der Orgel klemmt? Sofort reparieren! Außer es ist John Cage, dann ist das was anderes. (Gilt übrigens auch in anderen Bereichen, da erinnere ich mich noch an meine Schulzeit. Schachtelsätze waren bööööööse! Sowas durfte man nicht! Niemals nie nicht! Außer man heißt Heinrich Böll, dann fabulieren die Deutschlehrer stundenlang darüber, wie schön verschachtelt die Sätze sind!)


    Dieser Thread hier zeigt mir mal wieder sehr schön, warum es richtig war, mich damals gegen ein Musikstudium zu entscheiden. Die Musiktheorie sitzt nach wie vor in ihrem Elfenbeinturm, schaut auf alle herab, die es "nicht können" und wundert sich dann, warum sich keiner für sie interessiert.


    Ich klinke mich hier aus - ich hab vom KMD ganz offiziell die Bestätigung, dass meine Improvisationen gut sind. Und der Gemeinde gefällt es auch. Und jetzt geh ich bei einer Jazzimprovisation über ein Thema von PDQ Bach Wolfsquinten greifen, die klingen so schön.

    Man muss ja nur mal in die Geschichte schauen um zu erkennen, woher das Verbot von Quint und Oktavparallelen kommt.


    Die Harmonielehre, wie wir sie heutzutage kennen, entstand im Barock und basiert seit 300 Jahren auf dem Generalbass. Und was kam vorher? Alte Zöpfe! Quintparallelen, Oktavparallelen, wohin man nur schaute! Schaut euch nur mal die Musik aus dem Robertsbridge Codex an. Zwei Stimmen, und sie sind dauernd nur eine Quinte auseinander. Den Menschen damals müssen die Ohren geblutet haben, schließlich sind Quintparallelen verboten! (Ok, ich dramatisiere hier etwas).


    Aber wie kann man man nun verhindern, dass die Musik, die man schreibt, alt klingt? Assoziationen mit der Vergangenheit weckt? Am Ende gar für etwas Altes gehalten wird? Ganz einfach! Das, was man über Jahrhunderte getan hat, wird zum Teufelszeug erklärt und verboten. (OK, ich dramatisiere hier etwas).


    Von daher sind die Regeln der Harmonielehre und der Stimmführung für mich etwas, das man im Kontext der Zeit sehen muss. Möchte ich einen Satz im Stile des Barock setzen darf ich keine Quint- und Oktavparallelen einbauen. Glücklicherweise möchte *ich* eher selten einen Satz im Stile des Barock... oder eine Improvisation im Stile des Barock... von daher sind mir diese Regeln relativ egal. Ich bin mir jetzt unsicher ob die Jazzharmonik überhaupt vergleichbare Regeln kennt. Und schlimmer noch, ich setze solche Parallelen sogar als Stilmittel ein, ich schlimmer Finger!


    Spannend ist übrigens auch, dass andere Generalbassregeln einen anderen Hintergrund haben. Das Verbot der Terzdopplung kommt aus der Erkenntnis, dass die doppelte Terz bei einer nicht reinen Stimmung komische Frequenzen in den Klang bringt.


    P.S.: Und jetzt holt Fackeln und Mistgabeln, ich warte 8o:D

    Die Kombinatiosorgel klingt gut.

    Die Computerregister sind in Ahlborns ehemaliger BAC-Technik ausgeführt. Ahlborn ist zum Samplingverfahren übergegangen.

    Bei BAC wurden Pfeifen digital aufgenommen und der Klangsynthese nach Fourier unterzogen. Die einzelnen Teilfrequenzen wurden gespeichert und beim Aufrufen eines Tones aus diesen zusammengesetzt. Das spart Speicherplatz, erfordert aber Rechenkapazität. Die Folge ist, dass der Rechenprozess mit mehr zugezogenen Stimmen längere Zeit benötigt. Das bedeutet, dass bei schnellem Spiel und vielen Registern die Elektronik den Pfeifen hinterherkleckert.

    Für den Gottesdienst reicht das gut aus.

    Das klingt sehr spannend!


    Ich sehe wenig Aussicht auf eine Terminzusage, kann aber gerne nachfragen.

    Und wenn nicht, dann nicht. Von mir aus auch gerne 2022 oder so, wenn erwartbar ist, dass man halbwegs mit Sicherheit planen kann.

    Wir sind mit Organisten gut bestückt und decken den Bedarf mit klassischen Konzerten selbst ab.

    Wie gut, dass ich keine klassischen Konzerte spiele ;) Hier mal ein paar Programmheftinnenseite:


    Filmmusik (1):


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    Filmmusik (2):

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    Jazz:


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    Best of (aus 10 Jahren):


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    James Last:

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    (Ost)Rock:

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    Grüße,

    Rico


    (Oh je, wir schweifen gewaltig ab!)

    Mal ganz forsch gefragt... kann ich bei euch mal vorbeikommen und ein Konzert spielen?

    (Um beim Threadthema zu bleiben: Wäre auch Jazzimprovisation dabei :S)

    Die Bach-Orgelwerke werden allgemein eher als mittelschwer eingestuft. Im Vergleich dazu empfinde ich dann eher die Franzosen wie Guillmant oder Widor als schwer.

    Das kommt wohl auch auf die persönliche Ausrichtung an. Bachsche Toccaten oder Fantasien sind für mich ja noch ganz ok, aber mit den Fugen kannst Du mich echt jagen. Also, so generell kannst Du mich mit Fugen, also, ARGH, hör ich mir gerne an aber schmeiß ich ganz schnell wieder vom Notenständer. Mein Kopf und meine Hände kommen einfach nicht damit klar, dass da 3 oder 4 Stimmen relativ unabhängiges Zeugs machen. Dann lieber schön akkordisch aufgebaute Orgelstücke über deren Takte man am Besten noch die Akkordsymbole schreiben kann, dann ist das für mein Gehirn schon wesentlich entspannter. Gerne auch mit Kreuzen und so abstrusen Dingen wie verminderten Nonen und Undezimen. Findet sich im Jazz ja eh überall, solches Zeugs.

    Alle Veränderungen muss man stückweise und sehr behutsam betreiben und die Gemeinde heranführen bis es der Letzte in der Gemeinde annimmt.

    Richtig. Dann ist aber der Lohn für die Sache umso größer. Hier mal eine beispielhafte Konversation aus dem vergangenen Jahr:

    Ältere Dame am Ausgang: "Ihre Vorspiele waren heute wieder sehr gewagt."

    Ich: "Ja, ich hatte mal wieder Lust ein bisschen abwegig zu improvisieren."

    ÄD: "Das klang gut, das können Sie ruhig öfter machen."
    Ich: "Na da bin ich ja froh, dass Ihnen das gefällt."

    Sonst passieren einem die Fehler paralleler Quinten und Oktaven in der Stimmführung. Parallel-Führung ist in der klassischen Harmonielehre verboten.

    Ich gebe hiermit offen zu, dass mich das zuletzt im Studium gekümmert hat, als ich auf die Choralsätze Noten bekommen hab.


    Ansonsten gebe ich dir aber Recht, die Harmonielehre sollte man drauf haben, zumindest in den gängigen Tonarten. Deshalb macht man ja auch Fingerübungen, den Hanon rauf und runter, Tonleiterspielübungen, damit die Finger dann spielen können, ohne dass der Kopf groß denken muss.


    Da bin ich mir tatsächlich nicht so ganz sicher.

    Gibt man zum Beispiel einem Kind die Aufgabe, nur mit den schwarzen Tasten am Klavier zu spielen, dann könnte man das schon Improvisation nennen, frei von jeglicher Ahnung einer Tonart. Manchmal kommen dann vielleicht sogar Wohlklänge zufällig zustande. Das spielende Kind weiß weder von einer Tonart etwas, noch hat eine Vorstellung von Pentatonik. Warum sollte es also nicht gehen, nur weil wir (oder zumindest die meisten von uns), die wir improvisieren, von einer klassischen Tonalität ausgehen? Wäre mal ein spannendes Forschungsfeld...

    Nun ja, der Sinn des Improvisierens ist ja, bewusst Wohlklänge zu erzeugen - und dies gerade nicht dem Zufall zu überlassen. Klar, wenn ich lange genug auf das Klavier einschlage kommt irgendwann etwas schönes raus (oder ich nenne es halt alternativ "zeitgenössische Musik").

    Zwischendurch hatte ich zusätzlich ein paar Stunden Klavierunterricht bei einem Konzertpianisten. Er sagte mir allerdings, dass Improvisieren ohne Kenntnisse der Harmonielehre nicht möglich ist. Ein Freund von mir, der Konzertgitarrist ist, sagte das auch.

    Ist halt Handwerkszeug. Du solltest auch kein Haus bauen, wenn Du nicht weißt, auf welcher Seite Du den Hammer anfasst.

    Der meisten Leid, des Organisten Freud ist im Moment das Singeverbot im Gottesdienst. Da darf ich mich bei den Chorälen mal richtig austoben - sehr zur Freude von Pfarrer und Gemeinde :)


    Und die sind mir auch überhaupt nicht böse, wenn ich anfange zu jazzen, so entstand am 2. Feiertag u.a. diese Impro:

    Sehr schön! Hätte mich mein Orgellehrer sowas damals spielen lassen, ich hätte sogar geübt!


    So stellst Du mich jetzt vor ein Problem... mit der Dorischen bin ich noch lange nicht durch, nebenbei hab ich noch Lidóns "Sonate im 1. Ton" auf der Orgelbank liegen, jetzt spielst Du hier einen Bach den ich zufällig auch hier rumliegen hab (Liebe Edition Peters, warum packt ihr eigentlich vor die 56 Choralvorspiele ein unvollständiges Inhaltsverzeichnis? Ihr Pfeifen!) und am 03. Mai gehen hier wieder die Gottesdienste los. Wie soll ich das alles schaffen? 8o

    Größere Kathedralen hatte für ich dieses Jahr auch auf der Liste. Die letzten beiden Jahre hab ich eher Züge angeschaut, dieses Jahr wollte ich auch mal ein paar Orgeln einplanen...


    Wobei das vor zwei Jahren in Inverness ganz spontan funktionierte :-D


    Die Orgel ist digital, den Orgelbauer habe ich nicht herausfinden können. Aber die Prospektpfeifen sind erhalten und im Orgelgehäuse findet sich jetzt ein Arbeits- und Besprechungszimmer.


    P.S.: Oder hätte ich das Video im "Improvisation"-Thread verlinken sollen? :-)

    Hallo,

    Allerdings kommt mir der Klang ein wenig dumpf vor (ist vielleicht en Merkmal dieser romatischen Orgeln)

    den Eindruck habe ich bisweilen auch. Ohne jetzt die Doesburg ausprobiert zu haben - die romantischen Orgeln, die ich unter den Fingern hatte, waren immer irgendwie... dumpf. Da habe ich immer irgendwie die Klangkronen der barocken Orgeln vermisst. Und nach deiner Beschreibung brauche ich da auch die Doesburg nicht auszuprobieren. In der Größe bin ich da eher bei bei der PAB (ja, ich wiederhole mich^^) oder bei der Rotterdam, die auch sehr schöne helle Klangkronen hat und mehr spuckt als die PAB.


    Die eher dunkle Klangfarbe merke ich auch bei meinen Dorforgeln. Die romantisch disponierte Eule (1911) hat im Hauptwerk 3 8', dazu Oktave 4' und 2', im Oberwerk auch 3 8' und einen 4'. Während meine eher barock disponierte Geißler (1890) mit 16' und Mixtur im Hauptwerk aufwarten kann.


    Grüße,

    Rico

    Da kommt ne Sicherheitswarnung vom Browser...

    ja, die ist prinzipiell berechtigt, die kannst Du aber an der Stelle ignorieren, bzw. "ich kenne das Risiko, mach mal" klicken.

    Bezgl. Generalbaß - vielleicht ein notwendiges Übel auf dem Weg des Improvisieren Lernens, aber ein gangbarer Weg, seine theoretischen Grundkenntnisse über die praktische Anwendung ins Hirn zu bekommen. Mal sehen, wieviel Geduld ich dazu aufbringen kann

    Sammel dir mal ein bisschen Geduld, das lohnt sich durchaus :-) Du musst ja gar nicht zu tief einsteigen.

    So sechs gängige Tonarten kann man ja mal durchackern, 3 Moll, 3 Dur, aber wie gesagt, versaue mir bloß nicht den Spaß an der Sache!

    Ein paar Dinge wirst Du üben müssen, aber ich denke, die meisten kannst Du schon. Wenn da "G" steht, G im Bass und G, H, D im Diskant spielen. Kurz, Akkorde kennen, das ist ganz wichtig. Da solltest Du nicht mehr viel Nachdenken müssen. Umkehrungen genauso. Dann Vorhalte üben, also so ein kleiner Quartvorhalt C 4-3 G. Noten findest Du bei den Generalbassregeln ;-) Das mal üben, und zwar in der Form "Ich will am Ende bei C sein, welchen Akkord muss ich als Vorhalt spielen?" Während Du dich bei den Septimakkorden im Quintenzirkel in die eine Richtung bewegst, machst Du das mit solchen Vorhalten in die andere Richtung. Und ja, auch Septimakkorde mal üben. Also, ja, ganz ohne stupides durchackern wird es nicht gehen, aber das kann man ja in Grenzen halten. Wir werden uns ja auch kaum in Schessmoll wiederfinden.


    Um nochmal auf den Choral da oben zurückzukommen, hier mal noch wie ich die ersten Takte unter Missachtung der vorgegebenen Basslinie intonieren würde:

    Choralsatz2.jpg

    Dort habe ich stundenlang gespielt und improvisiert. Das war wirklich aus dem Nichts heraus, keiner Melodie folgend, einfach die Tasten spielen lassen.

    Diese Fähigkeit musst Du jetzt nur noch in ein bisschen Theorie gießen, und fertig.


    Und zum Abschluss noch ein Geständnis zu den Fähigkeiten... es passiert mir mindestens einmal im Monat, dass ich beim Improvisieren des Vorspiels nicht dort ankomme, wo ich ankommen wollte. Meistens lässt sich das durch eine elegant eingefügte Tonleiter noch retten, manchmal muss ich dann noch eine Improvisationsrunde drehen...


    In diesem Sinne, viel Spaß beim Improvisieren. Und wie schon der letzte Text ist dieser hier ohne viel Planung frei improvisiert entstanden...


    P.S.: Wer hat sich denn das mit der Beschränkung auf 10000 Zeichen einfallen lassen? :P

    Lieber Rico, da hast Du mir jetzt wirklich viele Infos gegeben. Vielen Dank, dass du einem geistig am Boden liegendenden, hilflosen Impro-Möchte-Endlich-Können-Mensch wieder auf die Beine hilfst ;-)

    Aber gerne doch :-) Wobei ich hier gleich sage: Ich bin an vielen Stellen Autodidakt, ich hab meinen D-Organisten und an der Uni als Nebenfach 4 Semester Tonsatz belegt. Der Rest ist "gucken, wie es geht und dann probieren, ob es gefällt". Mal noch den C zu machen schiebe ich jetzt seit 10 Jahren vor mir her.

    War der Weg steinig, wie alle anderen Wege auch, oder würdest du sagen, das ist der optimale (kürzeste) Weg das zu lernen?

    Jazz hat in meinen Augen den Vorteil, dass man den Respekt verliert - und das meine ich positiv. Vom Gefühl her legt der jazzorientierte Unterricht auch viel mehr Wert auf das freie Spielen und Improvisieren als klassisch orientierter Unterricht, der wohl erst sehr spät damit anfängt, mal nicht das zu spielen, was da auf dem Blatt steht. Und Jazz hat eine ganz eigene Harmonik, die auch viel mit enharmonischen Alternativen arbeitet. Das macht Spaß, sowas mal in einen Choralsatz einzustreuen...

    Jazz verstehe ich musikalisch nicht. Eine Welt, die sich mir trotz gutem Willen nicht erschließen will. Es gefällt mir nicht. So wie B. Dennerlein im einem Video sagt: Die Leute hören da "irgendein Gedudel" und können damit nichts anfangen. So geht's mir auch.

    Die Dennerlein fasziniert mit ihrem technischen Können. Aber wie kann man an so was Spaß haben? Ist mir ein Rätsel, ehrlich.

    Jazz kann man, oder Jazz kann man nicht. Ist beides voll ok. Mit Blick auf das wunderbare "Singt von Hoffnung" können die meisten Komponisten von NGLs Jazz nicht, versuchen es aber trotzdem. Und ich breche mir dann an der Orgel einen ab weil die Synkopen dermaßen weit weg vom Takt sind, dass es mir die Fußnägel hochzieht. Aber ich schweife ab.

    Nein. Ich möchte einen Choral auf unterschiedliche Art und Weise spielen/interpretieren können:

    Eigener Choralsatz, c.f. in den verschiedeen Stimmen oder Trio o.ä. Soweit das Können / Wissen eben reicht. Wenn's nur auf eine Art gelingt - auch gut.

    Ich kann da gerne meine Methoden und Erfahrungen teilen, gebe aber keine Garantie für Richtigkeit. Einen Choralsatz korrekt vierstimmig improvisieren kann ich nicht, das wird meistens so zwischen drei- und sechsstimmig, je nach Bedarf. Und natürlich mit Quint- und Oktavparallelen, aber dazu siehe oben, als "oller Jazzer" gefällt mir das sogar.


    Ich improvisiere üblicherweise einen Generalbass mit der linken Hand und dreistimmig mit der rechten Hand. Das liegt einfach an den letzten 10 Jahren als Organist, ich hab hier 7 Kirchen, in 4 davon behelfen wir uns mit einem Viscount Cantorum (3 Kirchen haben von Haus aus keine Orgel, die vierte - eine Jehmlich an der sich noch niemand vergriffen hat - ist noch so gut wie im Originalzustand, also... ohne Reparaturen), eine Kirche hat nur ein Positiv mit angehängtem Pedal und nur in 2 Kirchen hab ich wirklich 2 Manuale und Pedal.

    Versorge mich mit Schnipselchen, gib mir Ideen auf den Weg, für unterschiedlichste Anwendungen. wie ich von einer bestimmten Tonart in eine andere komme, erkläre mir was einen barocken Stil ausmacht - es gibt Software, die nach Bach oder Reger eine Melodie vierstimmig ergänzt. Was sind das für Regeln?

    Welche Theorie steckt dahinter? Sind das ein paar einfache "Geheimnisse", die mich weiterbringen können? Ohne dass ich hunderte Buchseiten studieren/lesen muss? Dann verrate sich mir bitte!

    Für den Barocken Stil gibt es den Generalbass. Der enthält auch alle Regeln die Du brauchst. Du musst sie nur lernen ;-)

    Ich bekomme immer das große Kotzen, wenn ich eine Anleitung sehe, wo fast leere Notensysteme mit ein paar Anfangsakkorden beginnen, die man dann fortführen soll. Oder eine Melodie, die ich vierstimmig vervollständigen soll. Damit bin ich zeitlich überfordert! Das macht keinen Spass und solche Hefte lege ich direkt wieder weg. Zu anstrengend. Zu aufwendig. Ich will keine Anleitungen, die für Studenten geeignet sind, die ihr ganzes Leben Zeit haben, ihr Können zu vervollständigen.

    Guck mal, ob Du irgendwie an "Herrmann Grabner - Generalbaßübungen" herankommst. Das haben wir damals im Studium genutzt - im Fach "Tonsatz" aus dem Studiengang "Musikwissenschaften". Wir hatten da einige Musiker, aber das war so 'ne generelle Veranstaltung in der sich ganz unterschiedliche Typen sammelten - das ging bei denen los, die gerade so die Aufnahmeprüfung bestanden hatten und jetzt nochmal lernen mussten, was eine Note ist bis hin zu den Leuten, die quasi seit Geburt Musik machten, aber nicht davon leben wollten. Und dann war da ich, der Informatikstudent, der sich seinen Notendurchschnitt mit einer leicht verdienten 1 aufbessern wollte.


    Als zusätzliches Heft hatten wir noch "Diether de la Motte: Harmonielehre". Da findest Du die ganzen Regeln nochmal ausführlicher, bis hin zu den romantischen Akkorden und der Zwölftonmusik. Das Heft ist nicht dick, da musst Du keine hundert Jahre studieren, aber am Ende kennst Du die Regeln, die aus einer Melodie einen Bach- oder eben einen Regersatz machen.


    Grabner stellt in dem Heft (recht knapp...) die Generalbassregeln vor, und fängt dann an mit den üblichen Schlusswendungen. Kurz: Wie beende ich so ein (barockes) Stück. Angefangen von dem ganz einfachen I-IV-V-I-Schluss in Dur und Moll bis hin zu ausgefalleneren Schlusswendungen mit Vorhalten. Und dann geht es schon los mit einfachen Chorälen, da hast Du Bass und Melodie und sollst Alt und Tenor ergänzen.


    Das ist übrigens vielleicht schon das erste, wichtige Rezept: Ausgangspunkt ist die Melodie. Dann wird der Bass dazu gesetzt. Dann die anderen Stimmen ergänzt. Bass und Melodie ergeben auch schon eine passable Gemeindebegleitung, vor allem wenn mal wieder alle 20 Strophen von Paul-Gerhardt gesungen werden sollen und so langsam alle Variationsmöglichkeiten durch sind.


    Und da kommen wir schon zum Bass und zum ersten Geheimnis... besorg dir mal ein Gesangbuch mit Akkorden. Ich hab so eine Ausgabe, bei der über der Liedzeile noch Akkorde stehen. Nennt sich bisweilen auch "LeadSheet-Ausgabe" oder "Gitarrenausgabe". Mit den Akkorden hast Du schon mal einen guten Anhaltspunkt für den Bass. Der wird zwar später noch mit Durchgängen, Terz- und Quintbass und anderen Raffinessen ergänzt, aber wir wollen ja erstmal anfangen. Also, Gesangbuch, mit Akkorden, und schon hast Du deinen Bass. Und darauf bauen wir jetzt mal einen Generalbass auf.

    Choralsatz.jpg


    Ja, der Scan ist grottig. Das ist die Nummer 1 aus dem Grabner, ich hab mal angefangen. Das ist nämlich gar nicht schwer, denn was musst Du tun? Folgendes:

    0) Steht da eine Zahl unter der Note? Nein! Also...

    1) Welcher Akkord gehört harmonisch zu dieser Note?

    2) Welche Töne fehlen noch?

    Also mal frisch ans Werk, von ganz vorne.

    1) F, also F-Dur. --> 2) A und C fehlen noch, F haben wir in Bass und Melodie.

    Also ergänzen wir C im Alt und A im Tenor.

    1) D, also d-moll. --> 2) A fehlt noch, F haben wir in der Melodie, D im Bass.

    Also ergänzen wir A. Jetzt haben wir aber nur eine Note ergänzt, was machen wir da? Wir könnten jetzt noch ein D oder ein F ergänzen, aber wir ergänzen D, denn sonst hätten wir die Terz des Akkordes verdoppelt, das dürfen wir nicht (sagen die barocken(!) Generalbassregeln). Deshalb: A in den Tenor, D in den Alt.

    Dann nochmal D, da passiert das gleiche, dann weiter.

    1) C, also C-Dur. --> 2) Es fehlt noch E, C haben wir im Bass, G in der Melodie.

    Also ergänzen wir erstmal das E im Alt, und dann noch das C im Tenor.

    1) F, also F-Dur. --> 2) Es fehlt noch das C, F haben wir im Bass, A haben wir in der Melodie.

    Also, ergänzen wir C im Tenor, und F im Alt.

    Und so weiter, ich hoffe, Du kannst hier meinen Ausführungen folgen.


    Dieser Prozess muss bei dir im Kopf irgendwann so ablaufen, dass deine Hände das automatisch machen.

    Ich begebe mich jetzt mal auf gefährliches Terrain, denn _ich_ improvisiere nicht barock oder romantisch, sondern relativ frei Schnauze. Aber ich kann dir trotzdem erzählen, dass ich vor allem nach den Akkorden des Gesangbuchs improvisiere. Und ich denke, über den Weg könntest Du auch Erfolg haben, was die Denkprozesse des Improvisierens betrifft. Nimm mal aus https://dev.musikpiraten-ev.de…im_Advent_-_Auflage_3.pdf das Lied "Als ich bei meinen Schafen wacht", da stehen ganz viele Akkorde drüber. Und jetzt spiel mal die Melodie und improvisiere den Bass dazu. Wie? Indem Du ganz einfach das spielst, was da steht. Also B, C, D, B, Es, F, B, G D S B Es F B. Undsoweiter. Zack, schon hast Du - ja, nach Vorlage - einen Bass improvisiert. Und jetzt geht es weiter, jetzt spiel mal den Bass, und zu jedem Basston den zugehörigen Akkord. Also B, c, d, B, Es, F, B, g, c, d, B, Es, F, B. Undsoweiter. Jetzt musst Du nur noch die passende Umkehrung spielen, mit Daumen, Zeige und Mittelfinger die Akkorde greifen und mit Mittel, Ring und kleinem Finger die Melodie spielen. Fertig, Generalbass in enger Lage.