Posts by Haralder

    Übrigens: Nach meiner- sicher widerlegbaren Ansicht- zeigt sich der gute Orgelbauer auch in der hohen Kunst der Fertigung des ohrenfreundlichen Zweifußregisters.

    Ich vermute, die Bezeichnung Ohren-freundlich und Ohren-feindlich wird jeder anders sehen. Sofern es nicht am Geld der Gemeinde oder Fähigkeiten des Erbauer gelegen hat, dann wird der Klang aus welchen Gründen auch immer so gewollt sein. Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem alte Orgeln heute schrecklich klingen, da unsachgemäße und unfähige Personen ihre Unfähigkeit dort zur Schau gestellt haben. Wenn jemand die Pfeifen unsachgemäß stimmt oder aufarbeiten, dann kommt nicht selten schreckliches dabei raus.

    An unseren Orgeln sind mir die Obertöne zu gering, eine Eigenschaft die ich bei vielen romantischen Orgeln nicht so mag. Ich möchte klar definierte und knackige Höhen und nicht so wie bei uns. Hier klingt es so als ob jemand bei einem Equalizer die Höhen eliminiert hat. Das Gegenbeispiel sind dann aber diese Orgeln, wo die Höhen einfach nur schrill und klirrend sind...

    Der Pfeifenbau und die Intonation sind eben eine Kunst für sich, die nicht jeder Orgelbauer leisten kann. Die Quinte der Petersilien Orgeln rühre ich z.b nicht an, da sie einfach überall grässlich klingen. So richtig wie ein schlechter Metal Eimer, der versucht musikalisch zu sein. Anderen hingegen gefällt das wohl...

    (Auch mir geht der technische Bau, und das Schwafeln darüber, leichter von der Hand. Richtig ÜBEN ist nun mal das geistig Anstrengendste und Schwerste, oder?)

    Sagen wir es mal so: Über eine Mendelssohn Sonate zu reden oder zu schreiben ist zumindest einfacher als diese auf Konzertreife zu bringen durch Üben :)

    Außerdem ist es ja auch so, dass andere immer und grundsätzlich besser spielen als man selbst :)

    Kann mir nicht erklären, warum er selbst nie darauf übt und nur ab und an seine orgelspielenden, irgendwie scheuen Gäste in dieses wunderbare Zauberreich führt. 🤔

    Das ist so ein Symptom der Freaks :evil: Ich habe hier auch eine gute Harmonium Auswahl. Druckwind, Saugwind, Kunst und Pedalharmonium. Trotzdem spiele ich die so gut wie nie und man kann die Tage im Jahr, die ich sie spiele an der Hand abzählen. Die Instrumente sind alle in Top Zustand, in vielen Wochen Arbeit sauber saniert und ich hatte immer den Vorsatz dann auch darauf zu spielen. Aber irgendwie sind die Instrumente in meiner Wohnung ab dem Moment wo sie fertig sind total uninteressant. Da laufe ich liebe ins Gemeindehaus um dort ein altes Harmonium zu spielen...

    Warum? Man hört sich spielen und nicht den gewaltigen Großklang im halligen Raum einer Konzertorgel

    Ja, beides hat seinen Reiz. Ich möchte manchmal klare und direkte Töne, gleichzeitig ist es aber auch toll im großen Gewölben Mal so richtig Lärm zu machen. Es ist beides toll und vermutlich macht diese große Spanne von ganz kleiner Truhenorgel bis zur gigantischen Konzertorgel diesen besonderen Reiz aus.

    Damit sind die Quinten jeweils richtig in der Teiltonreihe besetzt. Ist die Quinte 1 1/3' zart intoniert steht sie bei ungeteilter Spielweise richtig im Teilton und klingt wie eine kleine Mixtur

    Daran hatte ich jetzt überhaupt nicht gedacht, aber du hast recht. Diese kleinen Orgeln sind schon eine gewisse Herausforderung. Eine geringe Anzahl an Register führt dazu, dass man sich intensiver damit befassen muss um möglichst viel herauszuholen. Ich kann jetzt leider nicht beurteilen wie die Orgel im Raum klingt. Direkt vor der Orgel sind die Register recht Schrill und im Tieftonbereich ist wenig Substanz. Auf der Aufnahme die am anderen Ende der Empore entstanden ist klingt es aber ganz anders. Leider war niemand da, der hätte spielen können, während ich im Kirchenschiff war. Dort wird es sich auch noch einmal ganz anders anhören. Als Spieler kann man das leider nie so genau einschätzen.

    Ich habe die letzten Monate viele kleine Instrumente im Bereich 4-10 Register gespielt. Diese kleinen Instrumente sind meiner Meinung nach die perfekten Instrumente zum üben. Normal habe ich hier große Orgeln in Gewölben und da schleichen sich dann immer wieder Ungenauigkeiten ein, die man überhaupt nicht hört. An so einer kleinen Orgel hört man jede Ungenauigkeit aber gnadenlos.

    Ich war mal wieder in der Region Hildesheim unterwegs die Orgeln zu erkunden. In einer kleinen Gemeinde nahe Hildesheim (Harsum) habe ich in der Evangelisch-Lutherische Gemeinde die kleine Orgel spielen können. Diese stammt aus dem Jahre 1955 und wurde zuletzt 1976 "Renoviert" vom Orgelbauer Schmidt & Thiemann Hannover.

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    Das besondere an dieser kleinen Orgel ist jedoch die geteilte Schleife. Dies bedeutet, dass es ähnlich wie beim Harmonium eine Manualteilung beim mittleren C gibt. Alle Register sind sowohl für den Bass wie auch Diskant vorhanden. So ist es zum Beispiel Möglich im Bass ein Gedackt 8 zu registrieren und im Diskant zusätzlich eine Rohrflöte oder umgekehrt. Damit ergeben sich auf einem Manual viele kreative Spielmöglichkeiten. Es kann aber auch ziemlich fies klingen, wenn der Spieler nicht weiß was er da macht :)

    Die Orgel hat im Manual 5 Register:
    - Gedackt 8"
    - Rohrflöte 4"
    - Nasat 3"
    - Prinzipal 2"
    - Larigot 1 1/3"

    Pedal:
    - Subbass 16"
    - Bordun 8"
    - Oktave 2"
    - Koppel

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    Klanglich ein schönes Instrument für den kleinen Kirchenraum sehr angemessen. Hier eine kleine Aufnahme: 22. Mai, 18.53_.mp3

    Ich bitte die kleineren Fehler zu entschuldigen, war nicht vorbereitet und spontan. Dazu stehe ich mit dem Pedal in Norddeutschland auf dem Kriegsfuß. Während wir in Thüringen die Pedalanordnung C unter C haben, ist es im Norden üblich das D unter dem C zu haben. Diesen Ton liegt man dann doch schnell mal daneben. Habe ich mich daran gewöhnt, dann liege ich in der Heimat wieder daneben 8o

    Also auf einem Pedal hast du ja das C der großen Oktave als tiefsten Ton (genau so auf dem Manual). Dies wäre bei deiner Bezeichnung das C1 bzw. der Midi KeyCode 36. C0 wäre der Midi KeyCode 24, aber diese Taste gibt es auf der Orgel nicht.

    Dann musst du noch beachten, dass es bei einem älteren Midi Standard bei anderen KeyCodes beginnt.

    Kann es sein, dass GO die Aufnahme an einigen Stellen Normalisiert hat? Ich habe das bei meinen Aufnahmen auch in GO. Die Pegel sind in Ordnung, beim Spielen hört sich alles normal an, die Aufnahme ist aber Murks weil diese Normalisiert wurde und die Lautstärken dann schwanken.

    Lässt sich dieses Verhalten eigentlich abstellen?

    Geht es eigentlich schlechter als die Demo Orgel in GO :/ Klar für die paar Megabyte die sie braucht eine beachtliche Leistung, aber spielbar ist die nun wirklich nicht. Selbst für einen Raspberry Pi mit 1GB Ram gibt es bessere Alternativen.

    natürlich ist ein 25er Pedal nicht so toll - aber wesentlich besser als diese Heimorgeltypischen StummelPedale...

    Reicht doch um Normalfall. Wenn du von c zwei Oktaven hast, dann bist du im Durchschnitt der historischen Orgeln. Die gehen meist ja auch nur bis zum c oder d. Ich hatte selbst lange Zeit nur von c-c mit 24 Töne. Es gab eigentlich nichts, was ich damit nicht spielen konnte. Davon abgesehen sind die Töne ganz außen eh unbequem zu spielen und ich nehme die meist im Manual mit.

    Diese Orgel wäre doch ein perfektes Objekt zum midifizieren. Ich würde da alles alte rauswerfen 😅

    Man darf auch nicht übersehen dass sich die Programme HAUPTWERK und GO bereits in der Installationsgröße gewaltig unterscheiden (ich habe zwar Hauptwerk nicht weiß aber dass es sich im Gigabyte-Bereich bewegt, während es bei GO "nur etwa 150MB" sind. Selbstverständlich ist somit Hauptwerk überlegen und hat mehr Optionen...

    Die Überlegung kann ich nicht nachvollziehen. Die Installationsgröße sagt wenig über die Funktion eines Programms aus. Der reine kompilierte Programmcode wird sich von der Größe nur in wenigen Kilobyte unterscheiden, alles was Größe ausmacht sind solche Dinge wie Grafiken, Bibliotheken und so weiter. Alleine das iLok was mitkommt hat einige hundert Megabyte und trägt nun zur reinen Funktion des orgelspiels in keinster Weise irgendwie bei.

    Aber die Stücke sind ja eher kurz und passen vermutlich alle auf je eine Seite - oder?

    Die Stücke sind alle sehr unterschiedlich, da ist alles dabei von drei Stücke auf einer Seite und Stücke die über Sechs Seiten gehen. Das Blättern klappt aber für, da in der Regel am Ende eine Pause oder Registerwechsel steht. Von daher für machbar.


    Manche Organisten scheinen überhaupt keinen Sinn für Ästhetik zu besitzen und meinen ständig ihre akrobatischen Fingerfertigkeiten durch überaus schnelles Spiel unter Beweis stellen zu müssen.

    Das ist leider heute so. Die Kirchenmusik ist ein Leistungsfach, wo nicht mehr die Liturgie im Mittelpunkt steht, sondern die Person, die Leistung erbringt. Die Musiker profilieren sich gerne mit ihren Fähigkeiten. Natürlich sei es jedem der es kann gegönnt seine Fähigkeiten zur Schau zu stellen, aber die Liturgie ist nicht der passende Ort für so etwas. In einem Konzert kann das gerne gemacht werden. Vielen ist wohl nicht bewusst (und auch in der Ausbildung ist das kein Thema) dass der Orgelspieler ebenfalls an der Verkündigung mitwirkt. Während der Pfarrer mit Worten Predigt, Predigt der Spieler mit seinem Instrument.

    Davon abgesehen wäre es absurd anzunehmen, dass die Stücke früher auch so schnell gespielt wurden. Auch wenn "Experten" sagen, dass z.B Bach dieses Tempo wollte, es konnte mir noch keiner erklären wie dies damals den umgesetzt werden konnte. Wir haben hier einige Orgeln aus der Zeit von Bach. Ein paar wenige sind noch im originalen Zustand. Ein Exemplar ist besonders. Diese eine Orgel wurde im Zuge der Sanierung zurückgebaut. Technische Dinge wie der Barkerhebel wurden entfernt, da dies nicht dem ursprünglichen Bau entspricht und nachträglich eingebaut wurde. Nun hat man dort eine Orgel die technisch auf dem Stand ist wie zu Zeiten von Bach. Naja und nun spielt dort keiner mehr, weil die Tasten einen Druck von etwa 300 Gramm benötigen. Mit Koppel ist man bei knapp einem Kilo. Früher war dass ja auch mechanisch nicht anders machbar und wer versucht einen Bach im heutigen Tempo dort zu spielen, der wird mit gebrochenen Finger heimgehen. Man kann dort spielen, aber nur ganz langsam.

    Naja und ein anderer Punkt macht schnelles Spiel damals auch unwahrscheinlich. Als es noch keinen Strom gab, da war die Zeit zum üben an der Orgel sehr gering. Eine Person wie Bach wird es wohl möglich gewesen sein mal ein oder zwei Stunden an einer Orgel zu üben, der normale Spieler hätte aber selbst für Helfer sorgen müssen um überhaupt Wind zu haben. Daher war die Übezeit damals auf ein Minimum reduziert und geübt wurde wenn vorhanden an einem Pianoforte. Nur ist ein Pianoforte eben keine Orgel. Daher waren die normalen Musiker wohl überhaupt nicht in der Lage fachlich sowie technisch diese Leistung zu bringen.

    Nachdem ich jetzt alle Bände durchgespielt habe, möchte ich noch ein paar Worte zu der Registrierung und dem Temp schreiben. Es gibt hier keine wirklichen Angaben, außer dem Tempo. Ekkehard Koch merkt in seinem Vorwort jedoch an, dass die Tempis für heutige Verhältnisse wohl zu langsam sein werden und man als Grundschlag Halbe statt Viertel nehmen sollte. Er merkt ebenfalls an, dass dadurch die vorliegenden Stücke erst ihren Charakter und ihre Schönheit erhalten.

    Ich persönlich teile diese Auffassung nicht so ganz. Gerade das langsame, sinnliche fließen lassen macht doch auch einen besonderen Reiz aus. Die Hektik vermeiden und ohne Eile den Zuhörer und sich selbst durch die Stücke tragen lassen. Gerade die fehlenden Angaben über Phrasen und Betonungen geben dem Spieler die Möglichkeit verschiedene Artikulationen zu probieren und auch einmal kleine Pausen einzulegen, oder andere Stellen doch noch etwas langsamer oder auch schneller zu spielen. Auch die eine oder andere Verzierung will ganz intuitiv einfach gespielt werden, auch wenn sie nicht notiert ist.

    Natürlich ist dies nur meine Meinung an unserenm Orgeln. Wenn ich an einer kleinen Orgel im klaren Raum diese Stücke spiele, dann würde ich auch tendenziell schneller spielen. Wer aber eine größere Orgel in einem klangstarken Raum spielt, am besten mit streichenden Klängen, der tut gut daran langsam zu spielen und den Tönen die Zeit zu geben sich zu entfalten. Eine Predigt oder ein Vater Unser wird ja auch nicht besser, wenn man es in doppelter Geschwindigkeit ausführt. Seltsam dass aber genau dies bei Musik immer angenommen wird.

    Insgesamt ist der lebendige Klang einer Orgel von der Disposition und hauptsächlich von der Intonation im Raum abhängig . Auch von der Architektur.

    Da scheint neben Normen und Erfahrungswerten auch die Meinung jedes einzelnen immer mal wieder zu seltsamen Ideen zu führen. Selten sind sich da auch die Orgelbauer und Fachwelt einig. Simples Beispiel Tremulant: Viele sagen dass Zungenstunden nicht mit Labialstimmen vermischt werden sollen beim Tremulant, andere sagen dann etwas anderes. Von der Logik würde es Sinn machen, da sich Zungenstimmen bei schwankenden Wind anders verhalten als Labial. Aber man steht als Spieler dann vor der Wahl einer Seite zu glauben oder nicht. Außer man hat beide Varianten einmal getestet und seine eigene Meinung dazu gebildet. Aber auch das sind Geschmäcker ja unterschiedlich. Der eine wird sagen genau dass was ich für meine Improvisation brauche, der andere wird es nicht mögen. Wer hat nun Recht? Vermutlich alle auf ihre Art.

    Ich weiß nicht ob das bei einem Tremulant passieren kann, aber theoretisch könnten andere Pfeifen die nicht aktiv sind in Resonanz gehen und auch klingen. Beim stimmen von unserem Pedal ist mir das beim Subbass aufgefallen. Wird z.b das tiefe c gespielt, dann klingt das c darüber mit, obwohl es keinen Wind bekommt und auf der anderen Seite steht. Er klingt nicht so wie er normal klingen würde, sondern leiser. Das hatte mich am Anfang irritiert, scheint aber auch bei anderen Register so zu passieren. Bei einem Tremulant könnten dann die benachbarten Töne eigentlich auch anfangen Töne zu erzeugen.

    Ich weiß nur nicht, ob dies tatsächlich hörbar wäre. Bei dem Beispiel Subbass ist mir das auch nur in der Orgel aufgefallen.

    Das ist tatsächlich höchst interessant. Es geschehen viele räumliche Beeinflussungen, die den gesamten Klang lebendig machen

    Ich kenne einige Orgeln in großen Gewölben, da ist es oft so mit Tremulant, dass die Töne in unterschiedlichen Frequenzen dann durch den Hall auf sich selbst treffen und eine Schwebung erzeugen, oft auch etwas dass sich wie ein vibrieren anhört und auch spürbar ist. Wir haben nur eine barocke Orgel mit Tremulant die in einer Konzertkirche steht ohne Hall. Da ist diese Wirkung nicht und es ist "nur" eine schöne Begleitung die der menschlichen Stimme etwas ähnelt und nicht so starr ist.

    dann ist es wahrscheinlich so dass man nur die einzelen Töne braucht, es sind in jedem register ca. 10 töne und im pedal ca. 5

    Was ist eigentlich das Problem beim Umwandeln? Streikt das Programm, weil keine Audiodateien für die Töne vorhanden sind? Wenn das der Fall ist, dann könntest du einfach leere Dateien mit den passenden Namen erstellen die leer sind, aber für das bauen der ODF verwendet werden können. Danach müsstest du aber die entsprechenden Abschnitte im ODF bearbeiten. Da ist jedoch meine Kompetenz am Ende :)