Definition "Hausorgel"

  • Meines Erachtens unterscheidet sich eine Hausorgel von einer Kirchenorgel primär nur durch den Aufstellungsort. Die selbe Orgel kann im Prinzip beide Aufgaben erfüllen. In einer Kirche, bzw. einem großen Saal aufgestellt, herrschen natürlich andere akustische Verhältnisse. Im Besonderen sind zunächst die Nachhallzeiten deutlich länger als in einem kleineren Raum, bzw. in einem Haus. Die sehr trockene Akustik des kleinen Raums mit wenig Nachhall und großem Anteil an frühen Reflexionen der Schallwellen, ist für die meisten Menschen sehr ungewohnt und häufig sogar befremdlich. Man ist eben eher den Pfeifenorgelklang aus der Kirche gewohnt.


    Definition "Hausorgel" auf Wikipedia


    Bei der Gesellschaft der Orgelfreunde (GdO) gibt es eine spezielle Untergruppe, die sich mit allen Belangen der Hausorgel beschäftigt und regelmäßig Publikationen herausgibt:


    Arbeitskreis Hausorgel der GdO

  • Stimmt. "Hausorgel" ist kein Größenbegriff. Ich kenne Hausorgeln, die könnten in einer Kirche stehen. Was aber schon notwendig ist, daß die Hausorgel von der Intonation und Pfeifenmensur her auf ihren Aufstellungsort angepasst ist. Viele sind der Meinung, daß Hausorgeln sich auf 8' und 4' beschränken sollten. 2', oder gar Aliquoten oder Mixturen seien gänzlich für einen kleinen Raum ungeeignet. Diese Meinung teile ich nicht! Ich kenne einige Hausorgeln, die ganz tolle Klangkronen und Aliquoten haben. Ob sie in den Raum passen ist nur eine Frage der Intonation.

  • Es gibt natürlich schon noch ein weiteres Kriterium, was eine Pfeifenorgel mehr oder weniger gut geeignet als Hausorgel oder als Kirchenorgel unterscheidet. Je größer ein Raum, bzw. eine Kirche ist, umso lauter muss natürlich auch die Orgel sein. Um dies zu erreichen, sind dann größere Winddrücke erforderlich. Dieser größere Winddruck erfordert aber gleichzeitig einen größeren sogenannten "Aufschnitt" der Pfeifen. D.h. das Labium sitzt dann höher über dem Kernspalt, erkennbar an der deutlich höheren Öffnung zwischen Kernspalt und Labium.


    Manch einer hat sich da schon verkalkuliert, wenn er eine kleinere Kirchenorgel als Hausorgel umfunktionieren wollte, bzw. ein Register einer solchen in einer Hausorgel einsetzen wollte. Mit dem nötigen niedrigen Winddruck für den Hausgebrauch (<= 50 mm WS) sind diese Pfeifen dann nämlich nicht mehr vernünftig zum Sprechen zu bringen. Das Einzige was dann helfen kann, ist das Labium aller Pfeifen nachträglich tiefer zu setzen um damit den Aufschnitt zu reduzieren, was bei unsachgerechter Ausführung mitunter schnell in übler Murkserei ausarten kann.


    Außerdem haben die Pfeifen größerer Kirchenorgeln häufig auch recht weite Mensuren, also eher dickere und damit voluminösere Pfeifen, die den eher beengten Platzverhältnissen einer Hausorgel widersprechen. Hier sind sicher eher Register einer Neobarocken, also enger mensurierten Orgel geeignet.

  • Hinsichtlich der Mensur stimme ich Dir zu. Mit der Aufschnitthöhe reguliert man aber eher das Verhältnis Oberton-Grundton. Je tiefer der Aufschnitt ist, desto obertöniger wird der Ton.
    Eine gute Info über die Parameter, welche den Klang beeinflussen, findet sich hier: http://www.orgel-info.de/HejaSoft/Pfeifen.pdf
    Ich kenne die Orgel von Hajo Stenger ( http://www.zimbelsternstenger.de ). Sie besteht ausschließlich aus ehemaligen Kirchenorgelpfeifen. Hajo Stenger hat sie bestens intoniert: Sie klingen in dem etwas größeren Wohnzimmer hervorragend.

  • Die zitierte Abhandlung über Intonation von Orgelpfeifen von Reiner Janke kenne ich schon länger. Diese verwende ich auch als Grundlage für Intonationen an meiner eigenen Hausorgel.


    Es stimmt, dass mit der Aufschnitthöhe das Verhältnis von Obertonanteil zu Grundtonanteil beeinflusst wird (siehe Punkt 26. Intonation Reiner Janke). Allerdings ist der sich ändernde Parameter weniger der Pegel des Obertonanteils, der so gesehen eher vergleichsweise gleich bleibt, sondern viel mehr der Pegel des Grundtonanteils. Und damit eben auch die Grundtonlautstärke und auch wie gesagt ganz stark der Windverbrauch einer Pfeife. Bei weniger Grundtonanteil und ähnlich bleibendem Obertonanteil ist die Pfeife dann zwar leiser, aber eben auch im Verhältnis wesentlich obertonreicher und damit in einer Hausorgel nicht gut einzusetzen, da einen dann die Obertöne erschlagen und man unterhalb einer bestimmten Windstärke kaum noch eine Ansprache erreichen kann.


    Die Lautstärke lässt sich natürlich auch durch andere Maßnahmen reduzieren um eine Pfeife "Wohnzimmertauglich" zu machen - aber bei Pfeifen mit hohem Aufschhnitt hat man eben grundsätzlich schonmal schlechtere Karten für diesen Zweck.


    Das komplizierte bei der Intonation einer Pfeife ist ja auch, dass es praktisch keinen Parameter gibt den man verändern kann, ohne dass sich gleich wieder andere Parameter ebenfalls mit verändern.