UHT-Klaviaturen selbst reparieren?

  • Hallo zusammen,

    an meinem Hauptwerk-Spieltisch (alias Johannus Sweelinck) zeigt sich bedingt durch intensive Nutzung ein deutlicher Verschleiß einiger Tasten der UHT-Klaviaturen (Serie 40, 16 Jahre alt). Einige Holztasten haben erhebliches seitliches Spiel und klappern. Manchmal verhaken sie sich sogar ineinander. So schön das auch sein mag im Sinne einer möglichst realistischen Simulation einer historischen Orgel;): besser wird es nicht und irgendwann fallen vielleicht einzelne Tasten komplett aus. Natürlich gerade dann wenn das Instrument für Übezwecke akut benötigt wird.

    Natürlich könnte ich bei UHT wegen einer Reparatur nachfragen. Die Antwort wird wohl lauten: bitte ausbauen und einsenden. Genau das möchte ich vermeiden. Ich hatte schon darüber nachgedacht, das nicht betroffene obere Manual gegen das untere auszutauschen. Das ist nur eine Lösung auf Zeit. Oder nur die defekten Tasten innerhalb des unteren Manuals an eine andere (wenig benutzte) Stelle zu versetzen. Das erschien mir aber beim Anblick der Mechanik zu fummelig.

    Daher meine Frage: hat jemand von Euch schon ein ähnliches Problem gehabt und konnte dies in Eigenregie lösen?

    20231028_152353A.jpg

    Gruss,

    Peter

  • Na klar, das ist die einfachste Lösung. :thumbup:Manchmal braucht es einen Anschub von außen - danke dafür!

    Der Grund für mein Zögern war, daß ich vor langer Zeit Herrn Herrmann auf der Musikmesse Frankfurt begegnet war und ihn als nicht sehr kundenorientiert erlebte. Dieser bleibende Eindruck hielt mich nicht davon ab, die Johannus mit UHT-Tastaturen umrüsten zu lassen. Eine gute Entscheidung, denn nicht nur das Spielgefühl, auch die Qualität stimmt - nach 17 Jahren häufigen Gebrauchs darf schon mal etwas verschleißen. Die Fatar-Tastaturen, die zuvor in der Johannus eingebaut waren, hielten nicht einmal 2 Jahre durch und einige der Silkonmatten mußten zweimal ersetzt werden. Dabei spiele ich doch nicht so kraftvoll !:/

    Ich habe jetzt an UHT eine Mail geschickt mit einem Video der wackelnden Tasten, und keine 20 min später meldete sich Herr Luck persönlich am Telefon. Die Eigenschaft nett und hilfsbereit kann ich hiermit voll bestätigen. Man muß die Tastatur nicht einschicken, es kann auch ein Techniker vorbeikommen wenn dieser mal wieder in der Gegend ist.

  • Update: der Service von UHT ist wirklich Klasse! Ich mußte nur noch ein Foto vom Unterbau der Manuale machen (gute Gelegenheit, im geöffneten Orgelgehäuse die Staubschichten zu entfernen=O) und ziemlich schnell kam die Enddiagnose von Herrn Luck:
    "Die Reparatur würde so aussehen, dass wir die Vorderstiftleiste austauschen. Da sind dann Ovalstifte drin. [Momentan sind Rundstifte verbaut. Falls mal wieder Tasten seitliches Spiel aufweisen, läßt sich der Stift etwas drehen] Bei der Gelegenheit schauen wir uns noch die betreffenden Garnierfilze an, die wir ggf austauschen. Filze werden noch imprägniert und müssten dann über Nacht trocken. Am nächsten Tag alles wieder einbauen. (Filze tauschen nur wenn nötig)."

    20231030_140855a.jpg

    Die Kosten hierfür sind in Relation zum Wert der Tastaturen überschaubar.

  • Hört sich nach einem normalen Verschleiß an, so wie er auch in Kirchenorgeln auftritt. Allerdings sind dort die Ovalstifte m. W. schon seit ein paar hundert Jahren der Standard und es wundert mich, dass UHT die nicht von vornherein drin hatte. Muss die Klaviatur eingeschickt werden, oder macht das ein Servicemitarbeiter vor Ort?

  • Das erledigt Herr Luck, wenn er hier mal wieder in der Region ist. Könnte in Kürze der Fall sein. So lerne ich nebenbei den Geschäftsführer von UHT persönlich kennen.

    UHT verbaut seit vielen Jahren nur noch die Ovalstifte. Meine Tastaturen sind halt historisch…;)

  • Ist zwar schon recht lange her, aber der Vollständigkeit halber möchte ich hier doch kurz berichten:


    Herr Luck von UHT kam im Dezember wie angekündigt persönlich vorbei, nachdem er aufgrund von Fotos eine Ferndiagnose erstellt hatte. Die Tastaturen hatte ich bereits ausgebaut, um den Aufwand in Grenzen zu halten.


    Die Tasten hatten deswegen seitliches Spiel, weil UHT damals (2006) noch Stiftleisten verbaut hatte, auf denen runde Druckguß-Stifte befestigt waren, die produktionstechnisch einen winzigen Grat aufwiesen (siehe Bild). Herr Luck hat dann die Manuale gegeneinander getauscht und neue Stiftleisten montiert, auf denen hochglanzpolierte Edelstahl-Ovalstifte verbaut sind. Das dürfte den Rest des Orgellebens duchhalten.
    Nebenbei erfuhr ich ein paar interessante Anekdoten über die Firma UHT, und beim Zusammenbau der Orgel hatten wir mächtig Spaß, da ich beim Ausbau der Tastaturen zwar die zahlreichen Kabel beschriftet hatte, aber halt doch nicht so konsequent...
    Nach dem try-and-error Verfahren haben wir es letztlich geschafft, der Orgel wieder Klänge aus dem richtigen Manual zu entlocken. Insgesamt ein unterhaltsamer Vormittag, und die Kosten für die Aktion hielten sich in Grenzen.

    DSC01028a.JPG

  • Zur Ehrenrettung von UHT sei gesagt, daß die Druckguß-Stiftleisten ja schon sehr lange nicht mehr verbaut wurden. Selbst Herr Luck mußte sich kundig machen, da er nur die Leisten mit ovalen und hochglanzpolierten Stiften kennt. Und dafür, daß die Tastaturen stark beansprucht werden, hielten sie sehr lange durch! Beim Kauf der Orgel (2004) waren noch Fatar-Kunststoff-Tastaturen mit Silikonmatten eingebaut. Die haben schon nach zwei Jahren den Geist aufgegeben, und nachdem sie kurze Zeit später schon wieder defekt waren, hatte ich mich für den Einbau von UHT-Tastaturen entschieden.

  • UHT und Herr Luck sind schon sehr in Ordnung. Habe nur aller beste Erfahrungen mit ihm gemacht. Sowohl mit meinen uralten in meiner Orgel zu Hause als auch beim Kauf von 4 Manualen für unseren Hochschulspieltisch. Was 2004 war, kann ich nicht beurteilen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass eine Fatar von 2004, die viel benutzt wurde noch irgend eine Reparatur sinnvoll macht.