Midifizierung eines pneumatischen Orgelspieltisches

  • Guten Tag,

    ich stelle mich erstmal vor da ich neu im Forum bind.


    Bin Bernd aus Koeln, Habe nach ca 40 Jahren der Abstinenz nun wieder begonnen mir eine Orgel aufzubauen. Ich hatte leider nie Gelegenheit richtig Klavier/Orgel zu lernen, wollte aber schon als Schüler unbedingt Orgel spielen da ich dieses Instrument unglaublich gerne höre. Habe vor 40 Jahren bereits zwei Orgeln gebaut.....amüsante Geschichte wenn man die heutigen Techniken sieht. Angeregt durch den Klavierunterricht meiner Tochter habe ich nun wieder begonnen zu spielen. Bei der Gelegenheit habe ich im Internet rum gesucht und Grandorgue und ähnliche Programme entdeckt. Habe mir das Programm auf einem Laptop installiert und erstmal angehört wie das klingt.......Ich bekam Gänsehaut.

    Der Entschluss stand rasch fest , dass ich einen MIDI-Spieltisch brauche. Nach einigen Suchereien.....Überlegung ob gebraucht kaufen, selber bauen...midifizieren bekam ich die Gelegenheit einen ca 100 Jahre alten Spieltisch einer pneumatischen Orgel zu bekommen.

    Kurz gesagt, habe bereits erfolgreich gestartet mit der Midifizierung .

    Habe die Bauschritte auch mit Fotos dokumentiert, falls Interesse besteht berichte ich auch über den Bau und hoffe auf Eure Erfahrungen und Tipps.


    Viele Grüße aus Köln

    Bernd

  • Willkommen, Bernd, hier im Forum! Selber ziemlich unbeleckt in elektronischen Themen, wünsche dir viel Spaß und Erfolg. Etliche ähnliche Projekte wurden hier ja schon diskutiert, da wird dir bestimmt jemand bei Fragen weiter helfen können.

    Gruß, Oliver

  • Hallo Bernd,


    herzlich willkommen im Forum der MPS Orgelseite.
    Ich habe der Übersichtlichkeit halber zunächst mal Dein Thema hier her in einen neuen, eigenständigen Faden verschoben.


    Freut mich, dass Du wieder zur Orgel gefunden hast. Ja, ich kann es gut nachvollziehen, es war auch mein unerfüllter Jugendtraum mal Orgel zu spielen, den ich mir dann erst im vorangeschrittenen Alter mit ähnlichem "Gänsehauteffekt" verwirklichen konnte. Dank der virtuellen Orgeln braucht man dazu nun noch nicht mal den Zugang zu einer echten Pfeifenorgel. Aber es lohnt sich doch, danach zu streben mal an ein Original zu dürfen, wenn man dann etwas geübt hat. Da bekommt man nochmal eine andere Gänsehaut. :)

    Wir sind natürlich alle daran interessiert, mehr über Deinen Umbau zu erfahren und würden uns über weitere Bilder und Berichte von Dir freuen. Der Spieltisch sieht ja schon sehr schön aus. Inwieweit hast Du ihn denn schon modifiziert bzw. midifiziert?

    Gruß Michael

  • Hallo Michael

    danke für das Verschieben, wusste nicht wo ich das reinschreiben sollte.

    Spielbar ist die Orgel bereits, ich habe Bilder von den einzelnen Schritten gemacht die ich bei Interesse gerne hier einstelle. Jetzt kommen die Register dran.....

    Bei mir kommen mehrere Interessen hier zusammen.

    Zum ersten: Interesse an alten Dingen, Möbel--Oldtimer--Technik. Ich restauriere gerne solche Schätzchen

    zweitens. Liebe zur Orgel als Instrument. In der Tat ist das Spiel auf einer echten Orgel natürlich unerreicht

    drittens. Technik- Elektronik interessiert. Wie gesagt bereits vor über 40 Jahren waren meine ersten Tasteninstrumente selbst gebaut.

  • Handregister- Setzerkombination


    So, meine Berichte über den Bau folgen bald.

    Jetzt habe ich erstmal eine Frage.

    Habe begonnen die Registerzüge zu midifizieren, Reed-Relais auf einer Diodenmatrix. Hier muss ich noch etwas Feintuning machen da die Reedrelais unterschiedlich ansprechen.

    Meine eigentrliche Frage bezieht sich aber auf die Registerkombinationen.

    Bei der Pfeifenorgel gibt es (zumindest bei den neueren) ja die Möglichkeit von Handregistrierung auf entweder freie oder feste Kombinationen umzuschalten und auch wieder zurück zu schalten auf die Handregistrierung.

    Bei elektronischen analogen Orgeln lässt sich sowas auch gut realisieren (vor 40 Jahren mit Relais)

    In Grandorgue habe ich die Setzerkombinationen gefunden . Hier kann ich 50 verschieden Registrierungen speichern und per MidiBefehl abrufen. Das heißt ich kann Tasten oder Schaltern diese Funktion zuweisen. Einen Rückweg zur Handregistrierung wie an der herkömmlichen Orgel habe ich aber nicht gefunden.....

    Bei Midi-Ox kann ich sehen dass die Befehle jeweils mit on und off geschaltet werden. Witzigerweise werden die Register als Noten , also "c4 on" usw übertragen. Das macht der Funktion aber keinen Abbruch.

    WEnn ich das alles richtig verstehe, und bitte korrigiert mich falls nicht, dann müssen bei den Setzerkombinationen alle Register mit on oder off gewählt werden. Eine Rückkehr zu den Handregistrierungen , welche als Zug oder Wippe ja noch auf "On" stehen, per MIDI aber abgeschaltet wurden ist nicht möglich. "Oder?"

    Das heißt meine Wippen stehen in einer Position die gar nicht aktiv ist und müssten erst alle zurückgestellt werden und neu angewählt.

    Sind diese Schlussfolgerungen richtig?, Wie handhabt ihr das oder gibt es eine Lösung die ich noch nicht erkannt habe?

    Fragen über Fragen...Ich bin mir sicher , ihr habt schon irgendeine Lösung dafür gefunden.

    Gruß

    Bernd

  • Hallo zusammen

    Ich habe nochmals über meine Fragestellung gegrübelt. Hatte noch keine Zeit es praktisch zu prüfen.

    Letztendlich geht es ja darum, Grandorgue dazu zu bringen beim Drücken des Rückstellpistons erneut die Schalter abzufragen. Dies müsste bei Verwendung einer Diodenmatrix doch durch Reset für einen Takt mit "Off" beantwortet werden und danach eine neues "on" Signal bei gestztem REgister.

    Frage an die ganzen MIDI-Spezialisten und Elektroniker...stimmt diese Überlegung?

    Gru

    Bernd

  • Es gibt bei der Register-Steuerung verschiedene Systeme. GO entspricht am ehesten einer mechanischen Registertraktur, die mit Setzer ergänzt wurde - davon bietet GO verschiedene Systeme an (1000 Kombinationen Setzer, Divisionals, Banked Generals - immer mit der Möglichkeit des Setzen eines Scopes).


    GO ermöglicht das Senden des Register-Zustandes per MIDI - deine Hardware muss das aber auch unterstützen.

  • Mit meiner Fragestellung zu den Einstellungen für die Kombinationen bin ich weiter gekommen.

    Hatte letztes Wochenende mal Gelegenheit mir die Hardware anzuschauen.


    Nochmals mein Wunsch

    ich möchte vom Handregister auf die Kombinationen umschalten können und beim Löchschen der Kombination wieder das Handregister aktiv haben.


    Also:

    Handregister

    freie Kombination

    freie Kombination

    freie Kombination

    freie Kombination

    Und wieder Zuück!


    Diese Funktion habe ich in der Software, also Grandorgue nicht gefunden. Dazu brauche ich erneut ein Signal vom MIDI-Decoder mit "Key on". Dieses wird erst gesendet wenn der Key als "off" erkannt wurde und wieder aktiviert wurde.

    Hardwareseitig werden die Schalter (Reed-Relais) über den Demultiplexer 74HC138N in einer 8-er Matrix abgefragt. Es wird eine negative Logik benutzt.

    Also: 0 auf den Clock-Leitungen getaktet über die Schalter und Diodenmatrix auf die Datenleitung welche im Ruhezustand 1 (5V) hat. Setze ich die Datenleitung auf 1 wird das MIDI-Signal "Key off" gesendet und bei Loslassen der "Löschtaste" erneut das Signal "Key on". Damit lässt sich auf jeden Fall die Hardware dazu bringen Die gezogenen Register erneut abzufragen.

    Möglichkeiten: Diodenmatrix zum Löschen aller 8 Datenleitungen.

    Noch besser über die "Enable"-Eingänge des Demultiplexer diese Leitungen kurzfristig auf 1 Setzen.

    Noch genauer geht dies sicher unter Einbeziehen der Adressleitungen womit auch ein Teilweises Rücksetzen von Teilen der Dioden Matrix möglich sein müsste über eine entsprechende Logik-Schaltung mit Nand-Gattern. (Ich habe die Hälfte für das Pedal, die andere Hälfte für Stops benutzt).

    Letztere Lösungen muss ich noch in der Praxis testen, ich bin aber optimistisch über eine zusätzliche Platine meine Wünsche umsetzen zu können.


    Grüße aus Köln

    Bernd

  • Hier ein paar Bilder der Orgel im Zustand ind dem sie zu mir kam.

  • MIDI-Hardware,

    Parallel zu dem Auseinandernehmen des Tisches musste ich mich für die Elektronische Ausstattung entscheiden.

    Es gibt ja eine Reihe Anbieter. Ich musste rasch feststellen dass einige Anbietergute Lösungen anbieten, leider manchmal nicht für jeden Einsatz...zumindest nicht so wie ich mir das vorstellte. Nachdem ich endlich wusste welches mir am besten passte musste ich erfahren, dass wesentliche Teile gerade nicht lieferbar und krankheitsbedingt erst wieder in einigen Wochen. Ich entschloss mich dann zumindest die gewünschte Hardware für das Pedal zu bestellen. Zusätzlich einen MIDI-Merger sodass ich mal der Orgel Töne mit meinem Keyboard entlocken kann.

    Die erste Komponente war also das Pedal.


    Fortsetzung folgt

  • Midifizierung des Pedals


    Zunächst wurde das Pedal selbstverständlich erstmal gereinigt. Anschließend die Federn sauber installiert (klemmten teilweise).


    Montage der Reedkontakt-Platinen auf einer Holzleiste und Anschluss über ein MIdi-modul an den Midimerger und der Magnete an das Pedal.

    Somit konnte ich unter Verwendung meines alten Keyboards schon mal Orgelklänge erzeugen

  • Aufarbeiten der Klaviaturen


    Es handelt sich um zwei Manuale à 54 Tasten mit zweiarmigen Tasten , gewichtet, mit einer Stahlfeder über die die pneumatischen Ventile geöffnet wurden.

    Die Tasten, die ich zunächst für grob verschmutzt hielt zeigten tiefgehende Verfärbungen welche nicht einfach nur gründlich gereinigt werden mussten. Garnierungen fehlten teilweise. Zunächst stand die Reinigung im Vordergrund. Der Rahmen und die Tasten wurden zunächst von Schmutz von vielen Jahren gereinigt.

  • Die Tasten wurden gründlich aufgearbeitet, teilweise mit der Polierscheibe gereinigt, bei tiefergehenden Verschmutzungen musste ich auch Autopolitur verwenden um die Oberfläche wieder weiß zu bekommen