Ulrichs Spieltisch

  • Hallo an alle,


    mein erster Beitrag in diesem tollen Forum hier, vielen Dank an die Betreiber :-up:
    Inspiriert von Dulzian (super Faden, vielen Dank!) fange ich grad an, gebrauchte Orgelklaviaturen zu bearbeiten (Dank hier an Offenbass für die Vermittlung!). Bisher habe ich erst die vier Manuale, das Pedal und die Bank gereinigt, von Mottenfraß und ähnlichem befreit, sowie zerfressene Filzteile ersetzt und nun kann es eigentlich losgehen.
    Nach einigem rumexperimentieren frage mich grade, ob es ein natürlicheres Spielgefühl gäbe, wenn die Druckpunktsimulation einen gewissen Leergang hätte (1-2mm?), bei dem nur die Kraft der Bleigewichte wirkt, bevor der Druckpunkt erreicht wird?


    Bei meinem Versuchsaufbau (ähnlich Dulzian... ) mit anziehendem Magneten sitzt die Taste stramm bis der Druckpunkt überwunden wird (Leergang 0 ). Das kommt mir ein wenig unnatürlich vor. Ich habe aber leider fast keine Erfahrung auf echten Pfeifenorgeln bisher :-( und würde mich über Eure Erfahrungen freuen.


    Liebe Grüße, Ulrich

  • Ja Ulrich...zu dem Kauf kann man wirklich gratulieren.
    Olaf schwört auf diese kleinen Hallsensoren. Dem würde ich nachgehen. Ich hatte es dazumal mit Reedkontakten probiert...zwar günstiger ... aber sauschwer einstellbar.
    mit Druckpunkt und Rückstellung kannst du dich auch an unseren Mitbruder Stephan wenden. Der hat da auch ziehmlich gute Tips.
    Ansonsten ist Olaf's Bau ja eine prima Geschichte.


    LG
    Martin

  • Hallo Ulrich,


    auch von mir Glückwunsch zu den erstandenen Orgelmanualen. Sieht so aus, dass Martin (Offenbass) es schafft, mehrere Leute mit sowas glücklich machen zu können - toll!


    Bzgl. Druckpunktsimulation gebe ich dir recht. Die mechanischen Orgeltrakturen, mit denen ich zu tun habe, haben alle ein mehr oder weniger großes Spiel, bevor der Druckpunkt einsetzt. Bei manchen ist das Spiel aber so gut wie kaum da, vielleicht nur ein halber Millimeter oder vielleicht noch weniger, bei manchen schlackert es mehr und es sind ein paar Millimeter.
    Die Druckpunktsimulation in der Form, dass die Magnet/Schraubekombination unterhalb der Tasten sitzt, führt unweigerlich dazu, dass der Druckpunkt bei Null einsetzt. Das führt zu einem sehr "knackigen" Spielgefühl. Ich finde aber, man kann sich sehr gut daran gewöhnen, und es ist trotzdem keine große Umgewöhnung, wenn man an Kirchenorgeln spielt.
    UHT hat wohl ein Patent auf eine andere Art: hier sitzt die Magnetkonstruktion an der Stirnseite einer Taste, sodass der Druckpunkt durch die Überwindung sich abstoßender Magnete erzeugt wird, wenn ich es richtig gelesen habe. Auf diese Weise kann man den Druckpunkt so legen, dass er nicht bei Null ist. Ich habe diese Tastatur nie unter den Händen gehabt, glaube aber, dass diese Art auch gravierende Nachteile hat: um die Taste wieder zurückzubekommen, muß ja genauso wieder die Abstoßungskraft überwunden werden. Also, entweder die Taste geht ganz lasch dadurch hoch, oder es muß irgendwie anders (Federn, keine Ahnung?) dabei sein, um auch den negativen Druckpunkt, den eine Taste beim Hochgehen bei einer echten mechanischen Orgel hat, wieder zu simulieren. Wie gesagt, man sollte beide Varianten mal spielmäßig vergleichen, was einem wichtiger ist.


    Zudem warte ich soooo sehnsüchtig darauf, dass Forenmitglied Niederrheiner eine Studentenarbeit anstößt, wie angekündigt, um das Kraft-Weg-Diagramm von echten mechanischen Orgeltasten bei verschiedenen Registereinstellungen aufzunehmen, beim Drücken und beim Loslassen. Das würde viel helfen, die optimale Variante zu finden!


    Falls du Bezugsquellen haben möchtest für Elektronik/Magnetkram oder andere Fragen, vielleicht kann ich da was beitragen.

  • Quote

    Original geschrieben von Dulzian
    Sieht so aus, dass Martin (Offenbass) es schafft, mehrere Leute mit sowas glücklich machen zu können - toll!


    Ja. Da ich damals mit mehreren Orgelbauern in Kontakt stand wußte ich die Adresse noch. Als Ulrich mich anschrieb hab ich sie natürlich gern weitergegeben.
    Damals hatt ich dafür diesen Faden aufgemacht. Daß die nun natürlich noch da waren ist prima.
    Aber ich fürchte daß das die letzte Adresse war. Ulrich hat also mehr oder weniger Glück gehabt.


    Und ich hab wieder eine gute Tat vollbracht. :-up:


    LG
    Martin

  • Danke für Eure Antworten!
    Ich schätze mich wirklich glücklich, daß ich das feine Material ergattern konnte :D
    Wie Dulzian würde ich auch gerne alle aufkommenden Fragen und Entwicklungen hier in einem Faden bündeln, auch wenn die Themen viellfältig werden:


    - Druckpunktsimulation
    - Reed oder Hall
    - midi-hardware oder e-Pausch
    - Materialquellen
    - usw...


    zunächst Druckpunktsimulation


    Falls es die Leerweg-0-Variante wird, würde ich die mit einer Maschinen-Stahl-Schraube am Tastenende realisieren, die direkt im Holz sitzt. Unten wo sie rauskommt dann der bewährte 6x3mm Scheibenmagnet (dank Dulzian) einfach per Magnetkraft an der Schraube befestigt, welcher direkt die untere Tastenauflageschiene aus Eisen anzieht. Dazu müßte ich in den Auflagefilz (4mm dick) Löcher stanzen, damit die Magnete nah genug an die Eisenschiene rankommen.


    Vorteil:
    - feinste Einstellbarkeit des Druckpunkts
    - geräuschlos
    Nachteil: Leerweg 0, falls es denn ein Nachteil ist...
    Aufwand mittel


    Versuche mit Reedschaltern:
    Ich habe mal ein paar bestellt, deren Glasröhrchen nur 10mm lang sind. Dadurch kann man die quer einbauen und der gemeinsame Auslösepunkt sollte durch eine verschiebbare Schiene recht einfach einzustellen sein.
    Auch werde ich mal versuchen, die direkt mit dem Druckpunktmagneten zu betätigen. Sobald sie hier sind gehen die Experimente los :-)


    Was mir für beide Themen noch Sorgen bereitet: Die Eisenschiene wird sich durch die Magneten vermutlich mit der Zeit selbst magnetisieren und das wird vielleicht eine häufigere Nachjustierung erfordern, bis alles im Gleichgewicht ist, oder?
    Und die reeds würde ich als normal geschlossen betreiben. Da ist auch die Frage, ob die sich mit der Zeit magnetisieren, wenn sie ständig im Magnetfeld sind und dann irgendwann nicht mehr öffnen^^ ?



    Derzeit warte ich auch noch auf ein Angebot der Firma Laukhuff (danke erneut an Dulzian) was Bleigewichte angeht.
    Statt deren 40mm, 50g-Klötzchen, bräuchte ich eher 50- 55mm um durch Blei auf eine anständige Haltekraft zu kommen. Dazu müßte ich die dickeren, vorhandenen Gewichte und ein Laufhuff-Klötzchen übereinander montieren.
    Beim Manual I sind im Moment nur mini-Gewichte dran (Foto).


    Es gibt noch viel zu tun und zu bedenken, ich freu mich drauf.
    Danke für Eure Anteilnahme und Unterstützung :-up:


    LG, Ulrich

  • Das Thema Druckpunktsimulation bin ich bei meiner Lösung komplett anders angegangen: bei den zweiarmigen Klaviaturen habe ich ganz normal Abstrakten am Tastenende eingehängt. Diese sind nur kurz und reichen nur bis knapp unterhalb des Klaviaturblocks. Am unteren Ende hängt die Abstrakte direkt an einer Feder, welche für den Tastenwiderstand zuständig ist. Am oberen Ende sitzt nur die Regulierschraube auf dem Tastenende.
    Damit kann ich jede Taste auf einfachste Weise sehr genau einstellen und ebenso der "Traktur" einen kleinen Leerweg geben (wo nur die Bleigewichte wirken) bevor die Miniaturtraktur gespannt ist.
    Ich bin mit dem Spielgefühl sehr zufrieden, weil es doch dem mechanischen Aufbau in der Orgel am nächsten kommt und damit sehr natürlich wirkt.


    Grüßle,
    Bertram

  • Hallo Bertram,


    das klingt ja sehr elegant, so hast Du die Ventilfedern gleich mitsimuliert. Hast Du auch noch Magnete verbaut, um den Ventilluftdruckwiederstand zu simmulieren? und wie hast Du die elektrische Kontaktierung gelöst?
    Leider habe ich keine Abstrakte zur Verfügung, hab grade bei meiner Quelle nachgefragt, ob er sowas noch rumliegen hat.


    LG, Ulrich

  • @ Bertram: finde ich auch spannend!
    Aber bitte erkläre nochmal, wie da der Druckpunkt zustandekommt, der ja bei einer mechanischen Orgel nicht durch Abstrakte oder Federn, sondern durch die Ventilöffnung (beim Runterdrücken der Taste) und Ventilschließung (beim Hochkommen der Taste) entsteht, das habe ich noch nicht verstanden.


    rizos :
    1) ich würde an deiner Stelle als erstes mal festlegen, was du als Niederdruckgewicht und als Druckpunktgewicht haben möchtest, separat für jedes Manual (denn ein Brustwerk hat normalerweise viel niedrigere Schwere als ein Hauptwerk).
    Richtschnur der BDO-Norm: 80g Niederdruckgewicht + zusätzliche 40g Druckpunkt (also insgesamt 120g beim Herunterdrücken). Viele Hauptmanuale liegen dadrüber (auch z.B. neue Fatar-Tastaturen- ca. 140g bei mir gemessen). Ich würde lieber etwas höher gehen als 120g - auch wenn ein paar Register mehr gezogen werden an der Kirchenorgel, erhöht sich der Kraftaufwand, von gekoppelten Manualen ganz zu schweigen.


    Ich für mich sehe Leerweg 0 nicht als großen Nachteil an. Gerade auch bei 4 Manualen muß man den Aufwand in erträglichen Grenzen halten, und wie gesagt, es fühlt sich "knackig" an, fest und präzise. Ein A-Musiker hat auf der Orgel gespielt und hat sich begeistert gezeigt vom Spielgefühl. Der Punkt, an dem man den Ton hört, habe ich so hoch wie möglich eingestellt, vielleicht max. 1mm Tastenweg. Weil dies ja mit dem Druckpunkt zusammenhängt. Auch bei einer mechanischen Orgel, wenn man die Taste gaaaanz langsam runterdrückt, kommt der Ton nicht bei der max. Kraft am oberen Ende, sondern eben da, wo sich das Ventil zu öffnen beginnt. Das passt schon so ganz gut zusammen.


    2) statt 6mm Durchmesser, 3mm dicken Neodym-Magneten in Verbindung mit einer Eisenschraube (nicht Stahl) würde ich doch lieber zu 8mm Durchmesser, oder 6mm Durchmesser und 4mm dicken Magneten tendieren im Nachhinein. Weil sich der Druckpunkt einfacher einstellen lässt, es sind nicht nur 10-tel Millimeter, sondern etwas mehr. Daran denken: Filze drücken sich ein mit der Zeit - nachstellen nötig. Je kleiner die Magnetkraft, desto kürzer der Abstand zur Schraube, desto knackiger zwar der Druckpunkt (was realitätsnah ist), jedoch desto schwieriger einzustellen. Das sind jedenfalls meine Erfahrungen. Es geht wohl beides.


    3) zu Hall/Reed später nochmal was separates.


    Gruß
    Olaf


  • Der Druckpunkt kommt dadurch zustande, dass auf dem ca. ersten mm Gang der Taste sich erst einmal die Traktur spannt. Erst dann kommt der (Druck)Punkt an dem der Widerstand (Luftdruck auf Ventiloberfläche + Ventilfeder) überwunden werden muss, wenn sich das Ventil beginnt zu öffnen.
    Bei meiner Lösung habe ich das analog nachempfungen, dass sich meine Kurztraktur auf diesem ersten mm der Taste erst einmal spannt. Dann setzt erst der Widerstand der (Ventil)Feder ein.
    Deshalb kommt dann genau am Druckpunkt auch der Ton. Und aus meiner Sicht ist deshalb ein Tastenleerlauf unbedingt erforderlich, weil sonst keine Kontrolle über den Ansprechpunkt des Tones erfahrbar wird. Meine elektrischen Kontakte sind genau auf diesen mechanischen Druckpunkt einreguliert.


    Mit unterschiedlichen Druckpunktgewichten wäre ich auf den unteren beiden Manualen vorsichtig. Es sei denn, man will grundsätzlich immer nur mit Samplesets spielen, bei welchen das HW immer auf dem 1. bzw. 2. Manual ist. Aber das wechselt erfahrungsgemäß häufig genug.


    Ingesamt würde ich die ganze theoretische Diskussionen um den idealtypischen Druckpunkt nicht überbeanspruchen, sondern versuchen eine sich angenehm spielende Klaviatur (wie z.B. bei einem guten und professionellen elektrischen Spieltisch) zu erzielen. In der Praxis gestaltet sich der Druckpunkt doch von Orgel zu Orgel ziemlich unterschiedlich. Manchmal ist er überstark, manchmal gar nicht wahrnehmbar. Ebenso der Tastenwiderstand. Da hab ich schon Orgel gespielt, da musste ich mich auf die Vorderkante der Orgelbank setzen um mit ganzem Körpereinsatz die Tasten runter zu bekommen und dann hab ich mechanische Orgeln erlebt, da reicht es nur an die Taste zu denken und schon geht sie los. Zudem gäbe es ja auch noch die (zuschaltbaren) Gewichte von Koppeln etc. zu berücksichtigen.
    Deshalb rate ich mit Weitsicht zu einer pragmatischen Lösung zu finden. Hauptwerk ist eben nur eine Orgelsimulation und wird es immer bleiben, egal wieviel man dafür investiert. Für die perfekte Lösung gibts eben nur eine echte Pfeifenorgel.

  • Quote

    Original geschrieben von rizos
    Leider habe ich keine Abstrakte zur Verfügung, hab grade bei meiner Quelle nachgefragt, ob er sowas noch rumliegen hat.
    LG, Ulrich


    Im Spieltisch arbeitet man am einfachsten mit Metallabstrakten. Das sind nur Metalldrähte von ca. 2mm Dicke. Gibts natürlich z.B. bei Laukhuff, aber wohl auch in Metallhandlungen.

  • Quote

    Original geschrieben von Bertram
    Der Druckpunkt kommt dadurch zustande, dass auf dem ca. ersten mm Gang der Taste sich erst einmal die Traktur spannt. Erst dann kommt der (Druck)Punkt an dem der Widerstand (Luftdruck auf Ventiloberfläche + Ventilfeder) überwunden werden muss, wenn sich das Ventil beginnt zu öffnen.
    Bei meiner Lösung habe ich das analog nachempfungen, dass sich meine Kurztraktur auf diesem ersten mm der Taste erst einmal spannt. Dann setzt erst der Widerstand der (Ventil)Feder ein.
    Deshalb kommt dann genau am Druckpunkt auch der Ton. Und aus meiner Sicht ist deshalb ein Tastenleerlauf unbedingt erforderlich, weil sonst keine Kontrolle über den Ansprechpunkt des Tones erfahrbar wird. Meine elektrischen Kontakte sind genau auf diesen mechanischen Druckpunkt einreguliert.


    Ich habe immer noch nicht verstanden, worin in deiner Lösung die Druckpunktsimulation besteht. Weil der Widerstand einer Feder bedeutet für mich keinen Druckpunkt (der in einem ganz kurzen Bereich wirkt, und der überwunden werden muss), sondern einen Widerstand, der mehr oder weniger dann über den gesamten weiteren Bereich beim Runterdrücken wirkt, also Auswirkungen auf das Niederdruckgewicht hat (um in der Terminologie der BDO-Norm zu bleiben). Also ich verstehe nicht, womit bei deiner Anordnung der Ventildruckpunkt, simuliert wird?


    Ein Ventil bewirkt doch, dass beim Öffnen ein mehr oder weniger großer Widerstand überwunden werden muß ( der in entgegengesetzter Richtung offenbar auch beim Schließen wirkt), Die BDO-Norm geht da von einem Richtwert von 40g aus. Ab dann geht es leichter, und man hat nur noch das Niederdruckgewicht, was bei einer mechanischen Orgel durch die Ventilfeder, die Reibungen, evtl. auch noch zusätzliche Bleigewichte etc. entsteht.
    Ist das bei deiner Anordnung auch so?

  • Ich versuche mal eine Abwägung, pro und cons:


    1) Hallsensoren
    Was wir brauchen für die Erkennung einer gedrückten Taste, sind digitale Hallsensoren, also Hallsensoren, die nur Zustand 1 oder 0 ausgeben, und kein analoges Signal der Magnetfeldstärke. Betriebsbewährt ist z.B.:
    http://www.reichelt.de/TLE-490…TLE+4905L&SEARCH=TLE4905l
    Pro
    - Montage/Justage: Man kann den Magnet so an die Taste kleben, dass die Unterkante des (vorzugsweise quaderförmigen, z.B. 10x4mm xDicke 1mm Magneten) genau an die Oberkante des Hallsensors, der auf einer vorgefertigten Leiste angelötet ist, anstößt. Damit hat man sehr präzise Gleichgängigkeit bei den Tasten. Wenn dann die Leiste parallel verschoben wird, bleiben die Abstände erhalten - weiß nicht, ob ich das verständlich ausgedrückt habe
    - Hallsensoren machen überhaupt kein Geräusch und sind praktisch unkaputtbar.


    Con:
    - Preis 0,60€ pro Stück, vielleicht kriegt man es irgendwo billiger. Schließlich brauchst du vermutlich ja 4x56 = 224 Stück (nur für Manuale, kommt noch Pedal dazu?)
    - o.g. Hallsensor hat nur sehr geringe Hysterese. Dies bedeutet, es sind wenige 10-tel Millimeter Tastentiefgangunterschied zwischen an- und ausgehen in beide Richtungen. Dies führt dazu, dass es ein Prellen gibt, wenn die Auslösung nahe 0 mm Tastendruck erfolgt. Weil die Taste federt. Man hört es nicht mal unbedingt, aber man sieht es mit einem Midieventtool. Man sollte das Prellen vermeiden, und man sollte es daher kontrollieren.
    - o.g. Hallsensoren brauchen, glaube ich, ca. 1.6mA Strom, egal bei welcher Versorgungsspannung, und ob die Taste gedrückt ist oder nicht. Hört sich nach wenig an, aber bei 4x56 Sensoren macht das 360mA Dauerstrom (ist aber zu verschmerzen).


    2) Reed
    Pro:
    - Preis, nur mal bei Reichelt geguckt, aber mit Sicherheit gibt es sowas irgendwo billiger:
    http://www.reichelt.de/KSK-1A6…rtnr=KSK+1A66&SEARCH=Reed
    - ich habe es nicht nachgemessen, aber ich glaube, dass die Hysterese größer ist. Das würde geringere Prellneigung bewirken (hat das jemand mal nachgemessen, ob dem wirklich so ist?)
    - je nach Anschluss braucht man wenig Strom für den Betrieb, hängt von den Eingangsimpedanzen der Midielektronik ab


    Con:
    - Montage/Justage: es ist schwerer, die Reedrelais auszurichten, da sie rund sind und da man die Drehung beachten muss
    - Reedsensoren klackern ganz leicht, kaum hörbar, aber immerhin
    - sie funktionieren nur, wenn das Vakuum intakt ist. So wie alte Röhren im Laufe der Jahrzehnte Luft ziehen können, befürchte ich, kann das auch bei Reedsensoren der Fall sein. Insbesondere wenn man in der Nähe des Glases den Draht biegt.



    Für mich überwiegt das Argument der wunderbar einfachen, aber supergenauen Montagemöglichkeit der Hallsensoren. Wenn man über 200 Sensoren ausrichten muss, wird man das zu schätzen wissen. Von daher, wenn es preislich machbar ist, vote ich für Hallsensoren. Die Wahl ist aber schwer, denn bei den Reedrelais erwarte ich (habe es nicht nachgemessen) etwas größere Hysterese, die wir gut gebrauchen können - weil damit die Auslösung sehr nahe an Tastentiefgang 0 gelegt werden kann. Und Reedrelais sind billiger.

  • erst noch mal zu den Tastenkräften:


    danke Olaf und Bertram (hättest Du mal ein Foto von Deiner Mechanik? das wäre super!!), das ermutigt mich doch zu der knackigen Variante, mechanische Traktur, perfekt eingestellt :-)
    Bleibt noch der fehlende Federanteil der "Ventilfedern". Aber das würde mir doch eher zu aufwändig, da ich keine Federn in Reichweite habe... oder hat hier jemand welche abzugeben? Schenkelfedersets für 58 Tasten?


    Grade gemessen:


    Maual I: mit 150g Blei käme ich auf eine Haltekraft von 90g
    Manual II: mit 110g Blei - Hk 70g
    Manual III: mit 75g Blei - Hk 47g
    Manual IV: mit 75g Blei - Hk 51g


    Evt bei Manual III auch noch extra 35g-Klötzchen, mal sehen...
    (Manual III und IV sind eh noch Luxusvariante für mich als F-Organist ;-)
    Aber ich möchte den schönen Block ungern zerteilen, wo da so schön alles aufeinander abgestimmt ist...)


    Wäre auch schön, solche gerundeten Bleiteile zu verbauen, die schon drauf sind (siehe Foto), weis jemand eine Bezugsquelle? Die Laukhuff sind ja so eckig ;-)


    Mit meinen Stahlschrauben (M5, 16mm lang) als Magnethalter (Magnete 6mm Durchmesser, 3mm Dicke) komme ich mit der Eisenschiene (oder auch Stahl?) als Gegenpol auf:
    110g Druckpunkt@ 1,3mm Abstand
    53g Druckpunkt@ 2,3mm Abstand


    Justierung ist sehr fein machbar, da die Schrauben Maschienengewinde haben. Und das, ohne die Tasten auszubauen. Die alten Filze sind sehr hart (~50 Jahre alt), vielleicht behalte ich die dran, um häufiges Nachjustieren zu vermeiden.


    Zum Fingertraining peile ich dann einen Druckpunkt von 50-70 g an...?


    Soweit von hier, LG, Ulrich

  • Das mit dem Fingertraining finde ich gut. Habe aber bei mir bemerkt, dass anfängliche Druckpunkte, die sich nicht so stark anfühlten bei einer Einzeltaste, wie z.B. 70g, dann bei der Orgel im laufenden Betrieb doch sehr dominant sind. Zumindest für meinen Geschmack sind 40-50g Druckpunktkomponente ein ganz guter Querschnitt von den verschiedenen Orgeln, wo ich dran war und nachgemessen hatte.


    So richtig habe ich kein Foto zu bieten, wo die Mechanik komplett zu sehen ist.
    Ich finde deine Idee sehr gut, eine metrische Schraube in die Taste zu drehen und den Magneten auf dem Auflageholz zu haben (es ist doch ein Auflageholz?). Ich hatte die Magneten in der Taste und eine Holzeisenschraube im Auflageholz und muss zum Justieren die Taste rausnehmen. Allerdings habe ich im Laufe der Zeit gelernt, welche Auswirkung eine Vierteldrehung der Holzschraube hat, sodass die Anzahl Iterationen geringer geworden ist. Aber deine Variante ist besser - mach es so!


    Eine Sache wird gerne übersehen: es geht nicht ohne eine Prall-Leiste. Wenn du Bleigewichte dran hast an den Tasten, hüpft die Taste sonst nach oben beim Spielen wegen der Massenträgheit. Hier ein Bild, wie ich es gelöst habe - einfach eine Aluleiste mit Filz über die hinteren Ende aller Tasten, das funktioniert sehr gut:


    Moderator-Edit: Bilder-Links von Dropbox auf anderen Server geändert

  • Hall - Reed:
    danke Olaf für Deine Überlegungen.
    Ich kenne Deinen Ansatz ja aus Deinem Faden, weis also genau, was Du meinst (hatte ich erwähnt, daß ich den super finde und er mich überhaupt erst hierzu inspieriert hat? :-pray: )


    Mein Ansatz mit Reedschaltern (10mm lang, 2mm Durchmesser) wäre, die untere Stahlschiene als Referenz und Befestigung zu benutzen und die Reedschalter waagerecht einzusetzen. Dadurch sollte eine globale Justage auch einfach sein. Die sind wegen ihrer Winzigkeit aber auch nicht billig. Die günstigste Quelle, die ich bisher fand, will 59ct/Stück schon mit Mengenrabat...
    Gerne würde ich bei ungedrückten Tasten den Schalter geschlossen haben, mit midi-hardware-Teilen kein Problem, glaube ich. So würde je nach Innenwiederstand der Module auch ein Ruhestrom fließen. Ich muß nur leider erst die Probe-Lieferung der ersten mini-Reeds abwarten und dann mal etwas experimentieren, halte Euch auf dem Laufenden...


    zu meiner Druckpunktsimulation stell ich mal eine Zeichnung hier rein (endlich geschafft^^):



    der Magnet haftet also direkt an dem Eisen/Stahl-Vierkant, der als hintere Auflage der Tasten dient...


    Pedal muß auch noch midifiziert werde... Da macht eine Druckpunktsimulation wohl weniger Sinn, oder hat das mal wer gemacht? ;)


    - Prallleiste:
    kann ich mir für die unteren Manuale eventuell sparen, da bei maximalem Tastenanschlag die übereinander befestigten Bleigewichte von Maual I nur 3-4mm von einer soliden Querleiste des Manual II entfernt sind. Wenn ich da 4mm Filz drauf packe, sollte das als Prallleiste tun, muß ich probieren. Ist auf jeden Fall ein Thema...


    LG, Ulrich

  • Hallo Ulrich,


    erst mal noch herzlich willkommen auf der MPS Orgelseite !


    Und Glückwunsch zum Kauf dieser tollen Klaviaturen.



    Bist DU Dir schon sicher, dass Du wirklich eine Druckpunktsimulation brauchst? Ich hatte mir damals auch kurzzeitig überlegt diesen Klaviaturblock selbst zu kaufen, aber dann war mir der Aufwand doch zu groß, zumal ich eigentlich mit Orgeln auch schon reichlich versorgt bin.
    Ich hätte dort nur die Tastenkontakte für Midi angebracht und evtl. die Bleigewichte auf das notwendige Maß erhöht. Ein Großteil der originalen Orgeln hat ja auch keinen Druckpunkt. Vor allem gerade viele größere Orgeln mit 4 oder mehr Manualen haben häufig sowieso elektrische oder pneumatische Trakturen, ebenso wie viele kleinere Orgeln der jüngeren Zeit.


    Das heißt, da liegst Du dann mit dem Anschlag deutlich weiter entfernt vom Original als ohne Druckpunktsimulation.
    Abgesehen vom enormen Aufwand des Umbaus, kommt auch einiges an Mehrgewicht zusammen, dass der Spieltisch tragen muss, oder ggf. Du bei einem Umzug tragen musst. Es besteht auch die Gefahr, lauter Sollbruchstellen ins Holz einzubauen, wenn in die schmalen Holzleisten Schrauben eingedreht werden oder gebohrt wird. Muss man also schon ziemlich sorgfältig dabei arbeiten wie der Dulzian.
    Aber ich will es Dir auch nicht ausreden, wenn es für Dich wichtig erscheint. Vielleicht nicht übertreiben wie es Bertram auch sagt, wäre auch meine Empfehlung. Möglichst oft das Original benutzen ist immer kein Fehler ;)


    Gruß und noch viel Freude am Basteln


    Michael

  • 4 x 56 Abstrakten muss man auch erst mal im Spieltisch unterkriegen und entsprechend lagern, selbst wenn sie nur kurz sind. Bei zwei Manualen vielleicht noch leichter machbar als bei vier.


    Als Elektromichel würde ich auch eher einen ganz anderen Ansatz verfolgen, nämlich an jeder Taste einen Magneten anzubringen, der in eine Erregerspule eintaucht. (Prinzip Elektromagnet) Die ganzen Spulen dann Mikroprozessorgesteuert bestromen. Mit geeigneter Software kann man so alles Mögliche simulieren. Vom Totgang über unterschiedlichste Niederdruckkräfte, über Druckpunktsimulation bis hin zu Koppelkräften. Alles mit nur einer Spule und einem Magneten und einem Wegmeßsystem pro Taste. Die entsprechenden Tasten-Parameter könnte man dann gleich zusammen mit dem jeweiligen Sampleset abspeichern.


    Der Haken an der Sache ist nur, dass es für sowas schon bestehende Patente gibt, die aber m. W. noch nicht umgesetzt wurden.



    Nachtrag:
    Das von Ulrich favorisierte System mit der Stellschraube in der Taste, sieht mir auch verdächtig nach einem System eines Herstellers aus der schon ein Patent darauf hat - also ggf. Aufpassen !!

  • danke Michael, ich freu mich hier mit Euch aktiv zu sein!


    tja, ob ich so eine Simulation brauche weis ich eigentlich nicht recht...
    aber mich reizt das Basteln und ich hab auch schon alles Material hier.
    Ohne die Druckpunktsimulation bräuchte ich sonst Federn, um halbwegs in den BDO-Bereich zu kommen was die Tastenkräfte angeht. Wie gesagt, selbst zwei von den dicken Bleigewichten (wären dann 150g pro Taste, unten im Bild) übereinander bringen die Haltekraft nur auf 90g, wegen der kurzen hinteren Wippe....


    Sorgfältig arbeiten ist Pflicht, klar. Mit der Statik des Gesamtaufbaus mach ich mir keine großen Sorgen und es soll alles zerlegbar bleiben für einen eventuellen Umzug (hoffentlich nicht so bald... ;) )


    Der Spulenansatz mit Lagemeldung wäre natürlich der Königsweg, den überlass ich Dir :-)
    Ich meine gesehen zu haben, daß das mit dem Patent nix wurde wegen nicht bezahlter Gebüren.
    http://www.google.com/patents/EP1149376B1?cl=de
    ... ganz unten auf der Seite.


    Vielleicht mach ich erstmal 2 Manuale auf meine Art und dann mal sehen. Bis auf die Löcher hinten in den Tasten, ist das ja auch rückbaubar bei nicht Gefallen.


    Hab grad mal ein wenig im Patentgesetz nachgelesen (war doch etwas beunruhigt):
    § 11 sagt klar:
    "Die Wirkung des Patents erstreckt sich nicht auf Handlungen, die im privaten Bereich zu nichtgewerblichen Zwecken vorgenommen werden"
    ... also genau mein Fall :-up: vor einem etwaigen Verkauf wäre das Thema vielleicht doch noch genauer zu prüfen.


    Und von den Detaills her ist außer Magnetanziehung nicht so viel gemein mit zB Otto Heuss. Ich komme ja mit einer Schraube pro Taste aus. Der Tastenweg wird global über die Höhe des Stahlprofils eingestellt.


    Offene Fragen für heute:


    - Weis jemand eine Quelle für die hübschen abgerundeten Bleigewichte (auf dem Foto unten sind 75g und 35g zu sehen)
    - Weis jemand eine Quelle für Federsätze für die Klaviaturen, oder hat noch welche rumliegen?
    - gibt es neue Erfahrungen zur Firma midi-hardware? Das wäre meine bisher bevorzugte Quelle für midi Teile
    - weis jemand, ob Reedschalter lange (Jahre) im geschlossenen Zustand sein können (im Magnetfeld) ohne ihre Funktion zu beeinträchtigen? Ansatz: Taste drücken öffnet den Schalter...



    Danke Euch allen für Eure Beiträge, LG,


    Ulrich