Empfehlung für ein Sampleset mit romantischer Disposition gesucht

  • Hallo zusammen!


    Neben meinen beiden Samplesets Waltershausen und Zöblitz, die ich vornehmlich für Barockwerke und Mendelssohn verwende, möchte ich mir nun EIN (nicht mehrere...!) Sampleset mit romantischer Disposition zulegen, welches für einen 3-manualigen Orgeltisch mit einem Schwellerpedal geeignet ist (verwende HW, Sets dürfen bei mir verschlüsselt sein). Ich will mit diesem Set insbesondere auch die Arbeit mit einem Schweller üben, und spätromantische Orgelwerke incl. Reger.


    Bisher habe ich 3 Samplesets in der näheren Auswahl (mit abnehmender Präferenz):
    1) OrganArtMedia - Ladegast: gefällt mir vom Klang her außerordentlich gut, die Registeranzahl ist für mich ausreichend. Mein Problem und Frage an Samplesetnutzer dieses Sets: Das Schwellwerk hat nur 4 Register. Hat das Schwellerpedal da einen großen hörbaren Einfluss?


    2) OrganArtMedia - Sauer: Erstaunlicherweise ziemlich ähnliche Disposition wie Ladegast, Pedaldispo ist nahezu identisch. Gefällt mir klanglich auch ganz gut. Das Schwellwerk verspricht aufgrund der 9 Register stärkere Gestaltungsspielräume für das Schwellpedal (und das ist ein wichtiger Punkt für mich)- kann das jemand bestätigen?


    3) SonusParadisi - Brasov: Wenn ich die 4 Manuale per Floating divisions so auf meine 3 Manuale verteile, indem ich ich die beiden schwellbaren Manuale nur Entweder-oder verwende, käme ich mit meinem Orgeltischaufbau klar. Mir gefällt der dunklere und sehr sonore Klang des Sets auch ziemlich gut


    Welche Erfahrungen habt ihr mit diesen Sets, oder evtl. andere Vorschläge?

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    Original geschrieben von Dulzian


    1) OrganArtMedia - Ladegast: gefällt mir vom Klang her außerordentlich gut, die Registeranzahl ist für mich ausreichend. Mein Problem und Frage an Samplesetnutzer dieses Sets: Das Schwellwerk hat nur 4 Register. Hat das Schwellerpedal da einen großen hörbaren Einfluss?

    Ladegast Wernigerode hatte ich mir leichtsinniger Weise damals unbesehen zum Einführungspreis bestellt. Ich muss sagen ich war ziemlich enttäuscht als ich das Set dann hatte.


    Vom typischen romantischen Ladegast-Klang keine Spur. Wahrscheinlich gefällt Dir der Klang deshalb so gut, weil die Orgel von der Intonation her eigentlich Barock klingt und Du ja offenbar wie ich, auch eher der Barock-Typ bist. Ich wollte aber damals schon auch gern den romantischen Klang haben und nicht nur eine romantische Disposition. Nun denn, ich spiele trotzdem hin und wieder mit dem Set, habe aber kaum Stücke, die nicht auf einem meiner anderen Sets letztlich doch besser klingen. Gegen die technische Ausführung des Sets gibt es aber nichts zu meckern - die ist OAM-typisch recht gut. Aber für meine Begriffe eben das falsche Original ausgewählt. An die guten Ladegast-Orgeln wird man sicher auch nur schwer zum Sampeln heran dürfen.


    Das Schwellwerk mit seinen 4 Registern ist schon sehr sehr leise. Einzig die Oktave 4´ bringt noch etwas Druck mit. Ganz geschlossen kann man problemlos Pianissimo spielen. Ich halte es für eine kleine Dreingabe einer eigentlich eher 2-manualigen Orgel.


    Zur Sauer-Orgel von OAM kann ich selbst nicht so viel sagen. Einige loben das Set sehr. Den Demos nach, ist es eben auch etwas arg trocken. Für mich sollte ein romantischer Klang auch nicht zu wenig Hall haben.


    Brasov kann ich nur zum Demo-Set urteilen. Mir gefällt der dumpfe Klang ganz gut, aber ich habe den Eindruck, dass sie eben nicht an Doesburg herankommt.


    Walcker Doesburg habe ich und habe ich sehr sehr lieb :-) Kann ich nur empfehlen, selbst wenn man keinen so großen Spieltisch hat lässt sich da sehr viel damit anfangen. Es gibt einfach eine riesige Auswahl an wunderschönen romantisch klingenden Registern. Pianissimos sind bezaubernd und Tuttis hauen einen um.


    Bei einem nur 2-manualigen Spieltisch würde ich das z.B. einfach so betrachten, dass man mit diesem Set eben mehrere Sets hat, die eine wählbare Untermenge aller Möglichkeiten der Gesamtorgel darstellen. Bei 3 Manualen kann man schon ohne allzu große Einschränkungen die gewaltigen Klangfähigkeiten ausnutzen.


    Ansonsten wäre vielleicht Utrecht noch eine Möglichkeit, aber die hat schon sehr sehr viel Hall.
    Und die Caen ist auch wunderschön, aber eben eine reine französisch Romantische.


    Gruß Michael

  • Vielen herzlichen Dank, Michael, für die ausführliche Einschätzung!


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    Original geschrieben von Mikelectric
    Das Schwellwerk mit seinen 4 Registern ist schon sehr sehr leise. Einzig die Oktave 4´ bringt noch etwas Druck mit. Ganz geschlossen kann man problemlos Pianissimo spielen. Ich halte es für eine kleine Dreingabe einer eigentlich eher 2-manualigen Orgel.


    Das ist schon alleine für sich das k.o. Kriterium für mich; mein Ziel ist es, vorrangig das Spiel mit Schwellerpedal zu üben. Und wenn das bei den 4 Registern kaum was bringt, dann hilft mir das auch nicht weiter.


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    Original geschrieben von Mikelectric
    Zur Sauer-Orgel von OAM kann ich selbst nicht so viel sagen. Einige loben das Set sehr. Den Demos nach, ist es eben auch etwas arg trocken. Für mich sollte ein romantischer Klang auch nicht zu wenig Hall haben.


    Naja, mein "Use Case" ist ein anderer: ich möchte in allererster Linie das Set zum Üben haben. Und als Übeset will ich ein Set eher zu trocken als zu hallig haben wollen. Z.B. das Trost-Set: viele empfinden es als sehr trocken. Mir geht es anders herum - ich finde es schon deutlich hallig. Ich will meine Übesets lieber trockener haben als ich es später in der Kirche habe - so herum fällt es in der Kirche leichter als anders herum. Und z.B. die Stadtkirche in Minden (mit romantischer Disposition) ist m.E. nur wenig halliger als die Sauer-Orgel.


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    Original geschrieben von Mikelectric
    Walcker Doesburg habe ich und habe ich sehr sehr lieb :-) Kann ich nur empfehlen, selbst wenn man keinen so großen Spieltisch hat lässt sich da sehr viel damit anfangen. Es gibt einfach eine riesige Auswahl an wunderschönen romantisch klingenden Registern. Pianissimos sind bezaubernd und Tuttis hauen einen um.


    Bei einem nur 2-manualigen Spieltisch würde ich das z.B. einfach so betrachten, dass man mit diesem Set eben mehrere Sets hat, die eine wählbare Untermenge aller Möglichkeiten der Gesamtorgel darstellen. Bei 3 Manualen kann man schon ohne allzu große Einschränkungen die gewaltigen Klangfähigkeiten ausnutzen.


    Frage: Kann man bei Walcker Doesburg den Hallanteil selber bestimmen (das Surround-Set nehmen und für die Stereovariante zwischen Front- und Rear stufenlos justieren)? Oder ist das nicht dafür gedacht? Auf der anderen Seite, wenn ich nur die Front-Channel nehme, finde ich den Hall schon fast optimal. Die Demos mit Benutzung der Front-Channels klingen für mich auch wunderbar.
    866€ finde ich aber auch schon wahnsinnig viel Geld für ein Sampleset, und ich kann leider bei mir nur 3 Manuale und max. 56 Register gleichzeitig bedienen.
    Weitere Frage zu Walcker Doesburg: Welche Manuale sind schwellbar mit Schwellerpedal? Wirkt das Schwellerpedal da sehr gut?


    Wie es ausschaut, tendiere ich wohl erstmal zur Sauer-Orgel. Sie würde mir von der Größe her auf jeden Fall langen, und offenbar kann man Reger da auch gut drauf darstellen.


    Es soll auch eher eine deutsch- romantische als französisch-romantische Orgel sein (habe da aber auch noch keine gefestigte Meinung).


    Vielen Dank schon mal für den Input!
    Gruß Olaf

  • interessant wären hier sicher auch die Sample Sets von Inspired Acoustics. Zum einen eine Rieger-Varga Orgel von 1927 französisch-romantische Disposition und dann noch eine 4-manualige neue symphonische Orgel, auch aus dem Hause Rieger, welche sich für modernere Kompositionen wie die Werke von Max Reger in jedem Fall gut eignen.


    Nachtrag: Ich war eben nochmal auf der Seite von IA ... beide Sets lassen sich als Demoversionen herunterladen. Von der Kispest weiß ich das, bei der symphonischen Orgel war ich mir nicht sicher. Man kann also nix verkehrt machen. ;)


    Noch eine Anmerkung: Natürlich sind die frühromantischen Instrumente Friedrich Ladegast´s in der Disposition, bezogen auf das Schwellwerk leiser und mit sehr viel weniger Registern.
    Die Schaffensperiode von Ladegast lag zwischen 1850 bis 1905. Von daher eignet sich die Notenliteratur von Max Reger für diese Instrumente eher nicht.


    Erst mit Wilhelm Sauer entstanden die ersten deutsch-romantischen Orgeln mit ihrem gewaltigen, symphonischen Klang. Sauers Schaffensperiode dauerte bis 1916.


    Viele Instrumente Ladegasts wurden von W. Sauer verändert und umdisponiert, was schade ist. In Leipzig, an unserer Nikolaikirche hat man einen Kompromiss gefunden. Die alte Disposition von Ladegast wurde soweit wie möglich wieder hergestellt. Dazu kommt jetzt ein weiteres Manual mit den symphonischen Registern W. Sauers. So wird man beiden Erbauern und deren jeweiliger Schaffensperioden gerecht und hat ein Instrument, was das Spielen vielfach gefächerter Notenliteratur ermöglicht

  • Vielen Dank, Regal und Prolix, für die Hinweise auf die Sets von Grabowski bzw. Inspired Acoustics!


    Habe mir alles soweit angehört von den Demos. Aber irgendwie, meine derzeitige Präferenz ist wohl OAM/Sauer.
    Ich brauche eigentlich auch keine riesige Registeranzahl, aber ein 3-manualiges (zur Not auch 4-manualiges) Set sollte es schon sein.


    Hat jemand Erfahrung, ob das Schwellerpedal beim OAM/Sauer-Set gut wirkt und den "Kasten gut abdichtet" bei geschlossener Wippe?


    Gruß
    Olaf

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    Original geschrieben von Dulzian


    Frage: Kann man bei Walcker Doesburg den Hallanteil selber bestimmen (das Surround-Set nehmen und für die Stereovariante zwischen Front- und Rear stufenlos justieren)? Oder ist das nicht dafür gedacht?

    Die Surround-Kanäle sind dafür eher nicht gedacht. Ich habe es nicht probiert, gehe aber davon aus, dass es unschöne Interferenzen geben wird.


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    Auf der anderen Seite, wenn ich nur die Front-Channel nehme, finde ich den Hall schon fast optimal. Die Demos mit Benutzung der Front-Channels klingen für mich auch wunderbar.

    Ich benutze nur die Front-Samples und das klingt für mich wunderbar. Die Klänge sind einerseits sehr präsent wie bei einer spieltischnahen Position zu erwarten und andererseits ist noch genügend langer Nachhall im Hintergrund wahrnehmbar, der den Eindruck einer großen Kirche vermittelt und so den Klang veredelt.


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    866€ finde ich aber auch schon wahnsinnig viel Geld für ein Sampleset,

    Das ist zweifellos viel Geld. Allerdings kostet ein Set mit der halben Registeranzahl wie die OAM Sauer oft auch schnell 400 Euro und mit zwei Stück liegt man demnach wieder auf ähnlichem Preisniveau, hat dann aber "nur" zwei kleine Orgeln mit je entsprechend weniger Möglichkeiten und bei Doesburg eben mal eine wirklich große Druckvolle, an die man vielleicht auch im Original nur selten ran kommt.


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    ...und ich kann leider bei mir nur 3 Manuale und max. 56 Register gleichzeitig bedienen.

    Das 4. Manual ist ein Echowerk, dass man zwar gut haben kann, aber nicht haben muss. Mit einer orgeleigenen Koppel kann es ans 3. Manual gekoppelt werden. Mit den HW eigenen Koppeln oder über Floating Manuals natürlich auch sonst beliebig genutzt werden. Empfehlenswert sind sicher ein oder zwei Touchscreens um alle Register und Optionen bestmöglich nutzen zu können. Es gibt diverse Absteller, Festkombinationen und Oktavkoppeln usw.


    Das Besondere an der Orgel ist auch, dass alle Register-Samples noch eine Oktave über den eigentlichen Tonumfang der Manuale herausreichen. D.h. es gibt nach oben eine Oktave mehr an Pfeifen, damit auch bei gezogenen Oktavkoppeln in der obersten Oktave keine Klangbrüche auftreten.


    Dies ist ein enormer Mehraufwand gegenüber vielen Orgeln, der sich allerdings auch im Speicherbedarf für die Samples und letztlich auch in der Polyphonie niederschlägt.
    Man bräuchte eigentlich m. M. n. einen unwahrscheinlich starken Rechner (12-Core?) mit mind. 64 GB RAM, wenn man wirklich alle Optionen im Tutti bei schnellem Spiel ohne Klangaussetzer inkl. der Surround-Kanäle nutzen wollte. Allerdings habe ich auch "nur" einen Quadcore mit 32 GB und das Set macht trotzdem riesen Laune, dann eben nur in Stereo. Mir reicht das gut.



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    Weitere Frage zu Walcker Doesburg: Welche Manuale sind schwellbar mit Schwellerpedal? Wirkt das Schwellerpedal da sehr gut?

    Die Manuale 2, 3 und 4 sind über die orgeleigenen Schwellpedale schwellbar. Das geht jeweils gefühlt von 100% bis auf etwa max. 20 % Lautstärke herunter. Ich wüsste jetzt spontan keine Orgel die noch wesentlich leiser geschwellt werden kann. Besser kann ich das jetzt nicht ausdrücken.


    Außerdem gibt es natürlich noch die Creszendo-Walze. Es wäre also demnach schon gut wenn man wenigstens zwei Schwellpedale oder ein Pedal und eine Walze im Spieltisch hat. Aber alles geht halt meist auch nicht ;)


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    Wie es ausschaut, tendiere ich wohl erstmal zur Sauer-Orgel. Sie würde mir von der Größe her auf jeden Fall langen, und offenbar kann man Reger da auch gut drauf darstellen.

    Von der Größe passt das Sauer Set sicher gut auf Deinen Spieltisch. Und es braucht natürlich wesentlich weniger PC Ressourcen.


    Ich habe nochmal Demos von der Sauer und von Doesburg verglichen. Es kommt mir so vor, als ob die Sauer deutlich weniger hohe Tonanteile in den Samples aufweist und dadurch weniger brillant klingt als Doesburg. Die dunklen, schummrigen Klangfarben beherrschen beide Orgeln recht gut, wobei eben bei der Doesburg bedingt durch die Registerfülle und den starken labialen 32´ doch deutlich mehr Druck aufgebaut werden kann.


    Doesburg ist eben eine wirklich große Orgel, die wohl uneingeschränkt auch für die großen Reger tauglich ist, während es sich bei der Sauer Dortmund Dorstfeld doch um eine eher kleinere Sauer-Variante handelt, womit man bei Reger mitunter schon eher Kompromisse eingehen muss.
    Leider ist das Original wohl auch nicht mehr zugänglich, da m. W. die Kirche stillgelegt wurde.


    Tja - solche Entscheidungen sind eben meist nicht so leicht zu treffen. Qualitativ kommen die Sets von Insipired Acoustics in meinen Augen leider überhaupt nicht mit, als dass ich sie als wirkliche Alternative ansehen würde.


    Wie wäre vielleicht noch das Set Haverhill? Ist allerdings eine englisch romantische Orgel. Aber sehr schön, bei kurzem Nachhall und wenig Rechnerbedarf.

  • Ganz großes Dankeschön nochmal für die ausführliche Darstellung! :-up:


    Als erstes habe ich die Entscheidung getroffen, neben dem inzwischen bereits eingetroffenem Schwellerpedal (hervorragende Qalität, Bezugsquelle hier ) mir auch noch eine Walze zuzulegen. Da in meinem "Einzugsbereich" eine Orgel mit diesen Spielhilfen da ist, könnte mir das Üben mit Walze auch zugute kommen.


    Von daher scheidet dann schonmal ein Set aus, was keine Walze hat. Also keine OAM/Ladegast oder SonusParadisi/Brasov.


    Ja, die Front-Channel von Doesborg hören sich von den Demos auch für mich an als optimale Akustik zum Üben - einerseits rel. direkt, und trotzdem im Hintergrund noch dezenter, aber langer Hall.


    Das Doesburg einen "starken labialen 32' Druck" aufbauen kann, wundert mich allerdings schon. Wenn ich das richtig gelesen habe, ist das 32' eine akustische Transmission (einfach das 16' Contrabass-Register zusammen mit 10 2/3 Quintbass geschaltet), also etwas, was man bei kleineren Orgeln wie OAM/Sauer auch realisieren kann. Die Doesburg hat also weder ein eigenständiges gedacktes 32' Labialregister, geschweige denn ein 32' offenes Labialregister (nur ein 32' Lingualregister).


    Ganz davon abgesehen, bringt mit ein 32' Register zumindest in der tiefen Oktave mit Lautsprechern nix mehr, es hört (erstaunlicherweise ziemlich genau) bei meinen Lautsprechern beim 16' tiefen Pedal-C und höchstens Kammerton 430 Hz auf, darunter kommt nur noch heiße Luft (mit Kopfhörern etwas besser).


    Die Frage ist, ob ich stattdessen auch erstmal abwarte, bis OAM/Annaberg herausgekommen ist, Diese Orgel klingt zumindest im Original mit der CD mit Schmeding/Brahms wunderbar. Und diese Orgel hat sogar ein 32'Prinzipal (wie sonst z.B. nur Brasov).


    Werde wohl erstmal meinen Schweller und die kommende Walze an meinem Spieltisch montieren und dann weitersehen....

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    Original geschrieben von Dulzian


    Als erstes habe ich die Entscheidung getroffen, neben dem inzwischen bereits eingetroffenem Schwellerpedal (hervorragende Qalität, Bezugsquelle hier ) mir auch noch eine Walze zuzulegen.

    Das interessiert mich auch. Es gibt auch eine Walzenausführung mit Achse für 2 Schwellpedale. Ist beim Schwellpedal in der elektrischen Ausführung bereits ein Poti eingebaut um direkt an die Midi-Elektronik anschließen zu können? Bei der Walze gibt es wohl fürs Poti eine Zusatzhalterung, aber offenbar ohne dem Poti.


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    Ja, die Front-Channel von Doesborg hören sich von den Demos auch für mich an als optimale Akustik zum Üben - einerseits rel. direkt, und trotzdem im Hintergrund noch dezenter, aber langer Hall.

    Vor allem hört sich das auch über Lautsprecher noch sehr gut an, wogegen die OAM-Sets mir eher auf Kopfhörer hin optimiert scheinen.


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    Das Doesburg einen "starken labialen 32' Druck" aufbauen kann, wundert mich allerdings schon. Wenn ich das richtig gelesen habe, ist das 32' eine akustische Transmission (einfach das 16' Contrabass-Register zusammen mit 10 2/3 Quintbass geschaltet), also etwas, was man bei kleineren Orgeln wie OAM/Sauer auch realisieren kann. Die Doesburg hat also weder ein eigenständiges gedacktes 32' Labialregister, geschweige denn ein 32' offenes Labialregister (nur ein 32' Lingualregister).

    Das war mir jetzt beim schreiben meiner Zeilen nicht so bewusst, aber Du magst sicher Recht haben. Ich bin einfach nochmal im Hinblick auf Deine Set-Wahl an die Doesburg gesessen und habe nochmal geschaut welche Schweller sie hat und wo ich die Stärken und Schwächen sehe. Der Druck im Bassbereich war auch mehr auf die Registerfülle bezogen, als unmittelbar auf den (offenbar nur akustischen) labialen 32´. Vielleicht ist dieser auch gerade deshalb so druckvoll, weil ein 16´ Grundregister und ein 10 2/3´ je für sich genommen eben noch gut mit Lautsprechern in Wohnräumen realisiert werden können. Der akustische 32´ Ton bildet sich dann ja vielleicht erst im Kopf und muss nicht wirklich in den Raum passen. Bei den Demos des Sauer-Sets sind mir halt keine so druckvollen Aufnahmen aufgefallen.
    Schade eben, dass man die OAM-Sets nicht vorher wenigstens in einer Demo-Version testen kann.


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    Ganz davon abgesehen, bringt mit ein 32' Register zumindest in der tiefen Oktave mit Lautsprechern nix mehr, es hört (erstaunlicherweise ziemlich genau) bei meinen Lautsprechern beim 16' tiefen Pedal-C und höchstens Kammerton 430 Hz auf, darunter kommt nur noch heiße Luft (mit Kopfhörern etwas besser).

    Naja - die ganzen Diskussionen mit dem tiefen C eines 32´ bei 16 Hz halte ich eh für Haarspalterei. Was man hört sind überwiegend die Obertöne (auch an der echten Orgel). Aber spätestens eine Oktave höher macht es dann schon einen sehr deutlichen Unterschied ob man einen 32` (oder auch 10 2/3) gezogen hat oder nicht. Die ganze Basslinie ist dann eben viel satter zu hören und ermöglicht dann auch in den höheren Lagen viel üppigere Registrierungen ohne höhenlastig zu wirken.


    Was bei Doesburg eben auch gigantisch ist, ist die Dynamik-Bandbreite vom leisesten Register geschwellt bis zum zum Tutti. Ich wüsste sonst kein Set, dass dies so bietet. Allerdings sind damit übliche Audioanlagen und gängige Wohnräume auch total überfordert. Man kommt kaum umhin, dies dann mit dem Lautstärkeregler wieder zu kompensieren. Für so ein Set sollte man in der virtuellen Orgelsoftware eigentlich eine Dynamikkompression durchführen können.


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    Die Frage ist, ob ich stattdessen auch erstmal abwarte, bis OAM/Annaberg herausgekommen ist, Diese Orgel klingt zumindest im Original mit der CD mit Schmeding/Brahms wunderbar. Und diese Orgel hat sogar ein 32'Prinzipal (wie sonst z.B. nur Brasov).

    Sicher wird im Lauf der Zeit noch das eine oder andere weitere Set auf uns zukommen. Im Moment wüsste ich aber für große Reger sinnvoll nur Doesburg oder Sauer Dortmund. Als kleinere Spätromantische find ich aber auch den Klang der Röver Ditfurt von Pipeloops bärig gut. Die hat zwar nicht so üppige Linguale, aber doch auch eine Creszendowalze. Außerdem ist das Set recht preiswert.
    Vielleicht wäre das für Dich eine Übergangslösung bis Annaberg herauskommt.

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    Original geschrieben von Mikelectric


    Das interessiert mich auch. Es gibt auch eine Walzenausführung mit Achse für 2 Schwellpedale. Ist beim Schwellpedal in der elektrischen Ausführung bereits ein Poti eingebaut um direkt an die Midi-Elektronik anschließen zu können? Bei der Walze gibt es wohl fürs Poti eine Zusatzhalterung, aber offenbar ohne dem Poti.


    Ja, beim Schwellpedal ist ein Schieberegler (10kOhm, linear) eingebaut. Es ist wirklich vom Allerfeinsten, alles Eichenholz bzw. Eisen, sogar für den Schieberegler sind ganz liebevolle Einfräsungen da. Soweit ich sehe, voll BDO-Normkompatibel.


    Bei der Walze ist das Poti wohl nicht mit dabei. Etwas Sorge macht mir, dass, wenn ich das Bild richtig deute, die Walze sich fast 360 Grad drehen kann, es fehlen vielleicht 5min zur vollen Stunde. Wohingegen Potis m.E. einen kürzeren Weg haben, da fehlen mindestens 10min zur vollen Stunde. Ich hoffe, dass der Anschlag der Walze einstellbar ist (auf dem Bild ist an der Seite ein Holzklotz in der Nut, vielleicht kann das entsprechend des Potis variiert werden, sonst würde das Poti ja sofort totgewürgt werden. Oder es gibt Potis, die fast 360 Grad können (Mehrgangpotis wäre ja auch nicht gut, da würde man sehr viel Auflösung verlieren).


    Meine Präferenzen werden wohl immer Barock bis Frühromantik incl. Mendelssohn bleiben. Von daher, zum Üben sollte mir ein Schwellpedal und Walze reichen. Von daher werde ich mir wohl auch konsequenterweise nur eine Walze incl. Potihalterung zulegen, wo nur ein Schwellpedal daneben passt.


    Eine Frage, die vielleicht schon fast einen eigenen Faden wert ist: wie werden eigentlich die Register mit Schwellpedal gesampelt? Immer mit offenem Schweller und dann wird pauschal ein Tiefpassfilter darübergelegt? Sind diese Parameter dann in HW oder GO einstellbar (also um die Wirksamkeit einzustellen? - Denn: ein geschlossener Schwellkasten dämpft m.E. die Höhen viel mehr als die Tiefen, also müsste es schon ein Filter sein, nicht nur eine Amplitudenabschwächung? :/

  • Hallo Olaf,


    Ich bin selbst Besitzer der Dortmunder Sauer-Orgel.
    Der Gesamtklang ist natürlich perfekt für Max Reger. Mendelssohn geht natürlich auch super.
    Was das Schwellwerk betrifft: Naja, ich sags mal so: Es ist vorhanden - Aber so richtig Schwellwerk a la Cavaille-Coll ist das natürlich nicht.


    Mein Tipp: Ich würde ernsthaft überlegen auf die Walcker-Orgel in Annaberg-Buchholz zu warten. Ich habe das Instrument im September'14 im Original gespielt. Es ist Wahnsinn! :)



    Herzliche Grüße!
    Benedikt

  • Vielen Dank, Benedikt!


    Auch insbesondere der Hinweis auf die (Kaum-)Wirkung des Schwellpedals von OAM/Sauer!


    Welchen Eindruck hast du denn von der Wirksamkeit des Schwellpedals von Walcker/Annaberg im Original gehabt?


    Wie gesagt, die CD-Einspielung von Schmeding - Gesamtwerk für Orgel von Brahms auf einer CD, auf der Orgel in Annaberg gespielt, finde ich auch excellent. Natürlich wegen Schmeding, aber auch die Orgel klingt wirklich großartig.


    Ich denke auch, ich warte wohl ab, bis Annaberg herauskommt. Habe schon so lange gewartet mit dem Anschaffen eines romantischen Sets, da kommt es auf ein paar Monate auch nicht mehr drauf an. Ist natürlich die Frage, welche Qualität das Set hat. Aber von OAM hört man in der Hinsicht zumindest doch eigentlich nur gutes.
    Will nach meinem Urlaub auch erstmal die Walze und das Schwellpedal anbringen.


    Herzliche Grüße zurück,
    Olaf

  • Ganz durchblicken tue ich nicht bei der Walcker Annaberg. Beim Googeln bin ich darauf gestoßen, dass die Orgel 51 Register hat. Angegeben ist, dass eine Oboe über Pedal geschwellt werden kann - mehr eigentlich nicht. Allerdings wurde die Orgel wohl im Lauf der Jahre erst umgebaut und erweitert und später dann ganz oder teilweise wieder zurückgeführt auf das Original und auf der Empore umgesetzt. Das ist wohl auch noch nicht so lange her.


    OAM hat bei seinem zukünftigen Sampleset nun 65 Register angegeben. Davon steht wohl das 3. Manual komplett in einem Schwellkasten. Entspricht das jetzt eigentlich dem aktuellen Stand? Oder wurde die Orgel von OAM zu einem früheren Zeitpunkt gesampelt und entspricht damit nicht mehr dem aktuellen Original?


    Gehe ich von 65 Registern und dem bisherigen Preisgefüge bei OAM aus, bei dem offenbar jedes Register eines Samplesets ca. 10,- € netto zuzüglich MwSt. damit etwa 12,- € kostet, dann dürfte das Set Walcker Annaberg fast genauso viel kosten wie das Set Walcker Doesburg.


    Damit hätte für mich dann Walcker Doesburg den eklatanten Vorteil nicht verschlüsselt zu sein und damit die zukunftssicherere Variante zu sein, die noch dazu sofort verfügbar ist. Weiterhin noch mehr Registerauswahl, 3 Schwellwerke statt einem, ein zusätzliches Fernwerk im 4. Manual, Surroundfähigkeit (weiß ich nicht bei OAM). Der Prinzipal 32´ von Annaberg alleine wird wohl kaum die Vorteile der Doesburg aufwiegen können.

  • Also Google bzw. die Orgeldatenbank hat mir gesagt, dass es ursprünglich 56 Register waren, die dann auf 65 Register aufgestockt wurden. Ich habe mir aufgeschrieben, um welche es sich handelt bei der Aufstockung. Es ging durchweg darum, mehr Schärfe (zusätzliche Mixturen, 1' Register usw) reinzubringen. Immerhin lediglich 10 Jahre nach Inbetriebnahme, man schien sehr frühzeitig den Bedarf dafür zu sehen.


    Im Booklet der wunderschönen CD mit Gesamtaufnahme Brahms, von Schmeding eingespielt, werden die 65 Register incl. Schwellpedal für das 3. Werk und die Oboe des 2. Werks angegeben. Die Aufnahmen wurden 2006 gemacht. Also gehe ich davon aus, dass das Sampleset, welches laut Hr. Maier wahrscheinlich im Frühjahr 2016 herauskommt, auch diese Schwellmöglichkeiten vorsehen.


    Ich bin nicht so ein großer Fan von möglichst vielen Registern. Überlege noch ein bisschen.... Auch, ob ich tatsächlich 2 Schwellpedale + Walze brauche, oder ob es nicht auch ein Schwellpedal + Walze tut. Aber vielen Dank für deine Überlegungen bzgl. Registeranzahl / Kosten und Verschlüsselung, was in dieser Hinsicht schon auf jeden Fall in Richtung Doesburg ausschlägt beim Vergleich Annaberg/Doesburg


    Gruß
    Olaf

  • Teilweise sind im Internet widersprüchliche Berichte zu finden. Die 51 Register sind wahrscheinlich ein Fehler meinerseits und sollten wohl die 56 Register sein. Zumindest habe ich jetzt keinen Beitrag mehr mit 51 Registern gefunden. Aber einmal heißt es die Orgel wurde links und rechts um einen Blindprospekt erweitert und die Registerzahl auf 65 erhöht, dann heißt es wieder auf anderen Seiten es kamen 11 Register hinzu - das wären dann aber insgesamt 67 Register. Dann ist wieder davon die Rede, dass die Orgel später auf den Ursprungszustand zurückversetzt wurde und die Anbauten links und rechts wieder entfernt wurden. Dann müsste sie doch eigentlich wieder 56 Register haben ?!


    Naja - also offenbar hat sie nun doch 65 Register und die beibehaltenen zusätzlichen Kanzellen beziehen sich damit nicht auf Tonkanzellen, wie ich erst vermutet hatte, sondern es muss sich dann wohl um 9 Registerkanzellen auf den Windladen handeln, denn irgendwo ist dann doch auch wieder von Kegelladen die Rede.


    So wie ich das jetzt sehe, ist also das gesamte 3. Manual schwellbar plus zusätzlich noch die Oboe 8´ im zweiten Manual. Aber wo ist dazu der Schwelltritt? Oder ist das auf ein Pedal gekoppelt?

  • Bzgl. Annaberg ist hier sowohl einiges zur Geschichte gesagt als auch die aktuelle Dispoosition nachlesbar. Diese deckt sich incl. der expliziten Angabe, getrennte Schwelltritte zu haben für das 3. Manual und die Oboe des 2. Manuals, vollständig mit der Angabe im Booklet der erwähnten Brahms/Schmeding-Aufnahme.


    Demnach ist es so, dass zwar wieder ein Versetzen in den Ursprungszustand stattfand, dies bezog sich jedoch nur auf die Rückführung der pneumatischen in mechanische Traktur, Gehäuseverrückung usw. Man hat jedoch die zusätzlichen Register, die 10 Jahre nach Fertigstellung, also 1894, bereits zugefügt worden, belassen bzw. rekonstruiert und mit "Walcker-Mensuren" versehen.