Einen zweimanualigen Spieltisch aufstocken

  • Hallo zusammen,


    zunächst ein Danke für all die vielen interessanten Ideen und Beiträge, die ich bisher im Forum lesen durfte.


    Nun habe ich selbst mal eine Frage:
    Ich habe eine Ahlborn Hymnus IV (Bj 2001), die ich als Konsole für eine Hauptwerk-Installation benutze. Da ich auf den Geschmack gekommen bin und einige dreimanualige Samplesets habe, möchte ich die Konsole nun um ein drittes Manual erweitern.


    Mein Plan wäre, eine weitere Klaviatur auf die existierenden aufzustocken und dafür die Rückwand etwas nach hinten zu versetzen.
    Das hätte aber den offensichtlichen Nachteil, dass sich die Tasten des neuen Manuals dann hälftig innerhalb einer "Höhle" mit begrenztem Platz nach oben befinden würden.


    Daher meine Fragen:
    * Hat jemand so etwas schon mal probiert/gemacht?
    * Weiß jemand, welche Standard-Klaviaturen in diesen Geräten verbaut sind? (sie haben jeweils 2 Stecker für die Scan-Elektronik)
    * Gibt es Befürchtungen, dass die Höhlenlösung optisch nicht so reizvoll sein könnte?


    Ich danke im Voraus für alle Kommentare.


    Viele Grüße


    Mattias




    Über die Orgel:
    http://provaeverifica.altervista.org/hymnusIV.htm
    ähnliche Dimensionen wie die Nachfolgemodelle:
    http://www.ahlborn-orgeln.de/gallery/hell.jpg

  • Hallo Mattias,


    direkt sowas habe ich noch nicht gemacht.
    Meine Vermutung (weiss es also nicht genau) bzgl. Tastaturen ist, dass es sich um die Standard-Fatar-Tastaturen mit Druckpunktsimulation handelt, das deckt sich auch mit den beiden Steckern für die Scanelektronik, weil jedenfalls meine Fatar-Tastaturen 2 Pfostenbuchsen hatten.


    Bzgl. Optik - das ist ja immer Geschmacksache. Für mich wäre in allererster Linie die Nutzbarkeit wichtig und die Optik ziemlich bis weit nebensächlich.


    Du müsstest ja offenbar alle Taster überhalb des 2. Manuals wegnehmen für das 3. Manual? Willst du die noch über das 3. Manual legen (dann käme das Notenpult noch höher - würde mir nicht gefallen), oder was hast du da vor?
    Wenn da was sowieso aufgesägt werden muss für das 3. Manual, kann man nicht auch nach oben hin was wegnehmen, sodass keine Höhle entsteht?


    Ich fände es wahrscheinlich nicht so schlimm, wenn die Tasten ein paar Zentimeter in einer Höhle liegen würden, weil es in diesem Fall das oberste, 3. Manual ist.


    LG
    Olaf

  • Hallo Mattias,


    ich sag es mal ganz salopp:
    Das was du vor hast und was bwoll seinerzeit gemacht hat ist Gefrickel und sieht hinterher wirklich schrecklich aus. Der Anblick wird dich irgendwann anstinken, glaub mir. Das Ende vom Lied ist dann eine Neuanschaffung.
    Mein Tip wäre daß du dir eine gebrauchte 3 manualige holst und die midifizierst. Um die Hymnus wäre es ohnehin schade, da sie wirklich anständig klingt. Über die Orgel würde sich manch einer freuen.


    LG
    Martin

  • Hallo Mattias,


    herzlich willkommen hier im Forum.


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    Original geschrieben von Mattias


    zunächst ein Danke für all die vielen interessanten Ideen und Beiträge, die ich bisher im Forum lesen durfte.

    Freut mich, wenn das Forum nützlich ist und darüber auch ab und zu Resonanz kommt. :-thanks:


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    Mein Plan wäre, eine weitere Klaviatur auf die existierenden aufzustocken und dafür die Rückwand etwas nach hinten zu versetzen.
    Das hätte aber den offensichtlichen Nachteil, dass sich die Tasten des neuen Manuals dann hälftig innerhalb einer "Höhle" mit begrenztem Platz nach oben befinden würden.


    Daher meine Fragen:
    * Hat jemand so etwas schon mal probiert/gemacht?

    Ich weiß von zwei Personen, die das schon gemacht haben. Beide hatten eine ältere Johannus-Orgel. Der eine ist Benedikt, den martin oben erwähnt hat. Dieser hat sich hier aber leider abgemeldet. Und der andere ist Wolfgang, der das seeyoo Hauptwerk-Forum betrieben hatte. Damit ist leider auch der Zugriff auf die entsprechenden Bilder weggefallen.


    Soweit ich mich aber erinnere, hatten beide die Registerleiste komplett ausgebaut und stattdessen die 3. Klaviatur obendrüber gesetzt. Bei Benedikt hatte der Platz gereicht und er musste nichts wegsägen. Die Optik mit der leichten Höhle war eben Geschmackssache. Wolfgang hatte sogar mit zwei Klaviaturen auf 4-manualig erweitert. Er hat oben in den Deckel einfach mit einer Stichsäge eine große Aussparung reingesägt. Durch die Dicke des Holzes war der Schnitt aber etwas wellig geworden.


    Etwas Schwierigkeiten gab es wohl mit der Originalelektronik die teilweise im Weg war und ummontiert werden musste. Außerdem war es nicht ganz einfach das zusätzliche Manual ausreichend biegesteif zu befestigen. Außer in den Backen links und rechts musste es auch in der Mitte noch abgestützt werden, um beim intensiven Bespielen nicht durchzuhängen.


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    * Weiß jemand, welche Standard-Klaviaturen in diesen Geräten verbaut sind? (sie haben jeweils 2 Stecker für die Scan-Elektronik)

    Das kann ich so nicht zuverlässig sagen. Es gibt häufig zwei Steckerleisten an Klaviaturen, was aber nicht automatisch heißt, dass diese kompatibel sind. Selbst die Fatar-Klaviaturen gibt es für manche Sakralorgelhersteller in speziell ausgeführter Anschlusslogik.
    Ein Ahlborn-Händler müsste da mehr dazu sagen können. Erste Adresse währe wohl die Firma Reetze.


    Willst Du die Originalelektronik beibehalten und nur das zusätzliche Manual mit neuer Elektronik ausrüsten? Wenn ja, von welchem Hersteller?


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    * Gibt es Befürchtungen, dass die Höhlenlösung optisch nicht so reizvoll sein könnte?

    Ist natürlich Geschmacksache. Bei meiner Eminent habe ich auch schon überlegt ob ich sie mal erweitere. Die hat oben aber einen Klappdeckel. Diesen würde ich einfach entsprechend höher legen und den entstehenden Zwischenraum mit einer Art Aufsatzkasten erhöhen. Dadurch würde auch das Notenpult original erhalten bleiben und nur höher liegen. Wenn der Deckel der Orgel fest montiert ist, dann könntest Du ihn evtl versuchen abzulösen oder ggf. mit einer feinen Japansäge ringsum heruntertrennen.
    Die verbleibenden Lücken im Gehäuse kann man dann mit entsprechenden Holzplatten wieder verschließen.


    Gruß Michael

  • Hallo zusammen,


    danke für das vielfache Feedback.


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    Olaf schrieb: Du müsstest ja offenbar alle Taster überhalb des 2. Manuals wegnehmen für das 3. Manual? Willst du die noch über das 3. Manual legen (dann käme das Notenpult noch höher - würde mir nicht gefallen), oder was hast du da vor?
    Wenn da was sowieso aufgesägt werden muss für das 3. Manual, kann man nicht auch nach oben hin was wegnehmen, sodass keine Höhle entsteht?


    Die Registerwippen über dem Manual würde ich tatsächlich entfernen wollen - sie werden im Moment ohnehin nicht benutzt. Den Platz würde ich gerne mit mehr LEDs und einer 7-Segmentanzeige für den Setzer nutzen.
    Den Deckel will ich eigentlich unangesägt lassen, auch weil er den Rollverschluss des Instruments enthält ... und den hätte ich gerne weiterhin.


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    Martin schrieb: Das was du vor hast und was bwoll seinerzeit gemacht hat ist Gefrickel und sieht hinterher wirklich schrecklich aus. Der Anblick wird dich irgendwann anstinken, glaub mir. Das Ende vom Lied ist dann eine Neuanschaffung.
    Mein Tip wäre daß du dir eine gebrauchte 3 manualige holst und die midifizierst. Um die Hymnus wäre es ohnehin schade, da sie wirklich anständig klingt. Über die Orgel würde sich manch einer freuen.


    Danke, Offenbass, da wurdest Du Deinem Namen gerecht. :)
    Ich würde das gerne darauf ankommen lassen. Wenn ich die richtige Klaviatur bekomme, gute Backen und Verkleidung hinbekomme, hat das doch ne Chance.
    Die Hymnus mag ganz nett klingen, aber wenig charakteristisch und der Hall ist zum Weglaufen.


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    Michael schrieb: Etwas Schwierigkeiten gab es wohl mit der Originalelektronik die teilweise im Weg war und ummontiert werden musste. Außerdem war es nicht ganz einfach das zusätzliche Manual ausreichend biegesteif zu befestigen. Außer in den Backen links und rechts musste es auch in der Mitte noch abgestützt werden, um beim intensiven Bespielen nicht durchzuhängen.


    Danke für die Tips. Beim Probeausmessen schien es gerade so reinzupassen ;)


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    Willst Du die Originalelektronik beibehalten und nur das zusätzliche Manual mit neuer Elektronik ausrüsten? Wenn ja, von welchem Hersteller?


    Da bin ich noch nicht ganz entschlossen. Wahrscheinlich würde ich die alte Elektronik im Gehäuse lassen (wenn möglich), aber stilllegen. Dann wäre es sinnvoll, alle Manuale/Pedale/Pistons/LEDs/LCDs neu anzusteuern. Ich habe mir das mit den Matrixscannern mal angesehen: Das sieht aus, als könne man das mit ein paar Demultiplexern und/oder Schieberegistern und einem modernen Arduino-Board auch gut in Eigenregie zusammenzimmern. Ich fürchte, dass das Kaskadieren von MIDI-Geräten (31 kbaud!) zuviel Latenz erzeugen könnte. Oder gibt es da schon was? (Neben den 4x4-Matrix-Beispielen für Arduinos)


    Beste Grüße


    Mattias

  • Hallo miteinander,


    es ist fast 2,5 Jahre Jahre her, dass ich hier nach Tipps gefragt habe. Inzwischen habe ich meine zweimanualige Orgel zu einer dreimanualigen ausgebaut. Ich finde, dass es gelungen ist und dass man eigentlich nicht erkennen kann, dass hier Hand angelegt wurde. Einzig die "Höhle" unter der Jalousie ist ein Indiz.


    Offenbass : Tatsächlich wirkt es auf mich nicht nach Gefrickel zum Sattsehen :-)


    Ich stelle hier mal ein paar Vorher-Nachher-Bilder ein.


    Zustand vor der Aufrüstung:vorher.small.jpg

    Zustand nach der Aufrüstung:

    nachher.small.jpg


    detail.small.jpg

  • Hallo Mattias,


    schön, dass da nach längerer Zeit und über das alte Forum hinaus ins neue hinein, nochmal eine Resonanz kommt.
    Also der Umbau ist Dir wirklich hervorragend gelungen. Glückwunsch!

    Bei meiner Eminent bin ich auch immer noch am überlegen ob ich es mache. Ich frage mich nur, wie hast Du das mit dem
    hellen Eichenholz hin bekommen, dass der Farbton augenscheinlich identisch ist? Sieht wirklich so aus, als wäre es schon immer so gewesen.
    Und ich finde, sie sieht jetzt sogar interessanter aus als vorher.

    Gruß Michael

  • Hallo Michael,

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    Bei meiner Eminent bin ich auch immer noch am überlegen ob ich es mache. Ich frage mich nur, wie hast Du das mit dem

    hellen Eichenholz hin bekommen, dass der Farbton augenscheinlich identisch ist? Sieht wirklich so aus, als wäre es schon immer so gewesen.

    Und ich finde, sie sieht jetzt sogar interessanter aus als vorher.

    Danke für Dein Feedback.


    Den Manualumbau habe ich folgendermaßen durchgeführt:


    Die Klaviatur samt Montageschiene habe ich bei Herrn Reetze -- dank Deines Tipps, Michael -- bestellt, zusammen mit zwei gebrauchten Ahlborn-Backen in Nussbaumfurnier. Mit etwas Umbiegen und Bei-Seite-Schieben passte das Manual auch gut in den Raum.


    Für die Elektronik habe ich beschlossen, dass man das auch selber machen kann: Eine Streifenrasterplatine, ein paar Schieberegister und ein kleiner Arduino erlauben mir die Midi-Ansteuerung für etwa 10€.


    Für die Holzumbauten habe ich eine 10mm Multiplex-Platte vom Hornbach in Teile gesägt. Fürs Übereck-Verleimen habe ich die Bretter sogar verzinkt (hat echt gedauert!).


    Im Internet habe ich ein paar Bahnen (europäisches) Eichenfurnier besorgt und die Nussbaum-Backen und die Bretter damit furniert. Für den Farbton hab ich mich im Hornbach beraten lassen und habe dann eine "Lasur Kiefer Innen" besorgt und dünn aufgetragen.


    Zeitaufwand: 1 Monat Holzarbeiten, 1 Wochenende Elektronik, 1h Programmieren.


    Danke nochmals für die Tipps,

    Grüße Mattias

  • Hallo Mattias,


    Respekt für deine Arbeit !! Gefrickel sieht wirklich anders aus und du hast das echt professionell gemacht. Sieht aus als wäre es nie anders gewesen und macht Mut mit meiner alten Johannus ähnlich zu verfahren. Leider ist die Registerleiste nicht so breit. Von daher werde ich wohl den Deckel ablösen und einen neuen Aufbau gestalten müssen..... Mal sehen wann es losgeht. Deine Arbeit macht jedenfalls Mut.


    Viele Grüße

    Ralf

  • Im Internet habe ich ein paar Bahnen (europäisches) Eichenfurnier besorgt und die Nussbaum-Backen und die Bretter damit furniert. Für den Farbton hab ich mich im Hornbach beraten lassen und habe dann eine "Lasur Kiefer Innen" besorgt und dünn aufgetragen.

    Mit selber "furnieren" habe ich mich zuletzt mal in meiner Jugend befasst und meine Eigenbau-Lautsprecherboxen mit heller Eiche überzogen. Da gab es damals im Baumarkt so ein Furnier mit Schmelzkleber, dass man einfach mit dem heißen Bügeleisen aufbügeln konnte. Leider habe ich das später nie wieder gesehen. Aufleimen stelle ich mir schwierig vor, damit es beim Trocknen dann keine Falten wirft. Braucht man da nicht eine spezielle Furnierpresse? Hast Du vielleicht mal einen Link zu dem von Dir verwendeten Furnier?