• Liebe Forianer,


    haltet ihr es für sinnvoll, in heutigen Tagen bei einem Orgelneubau eine Tonhöhe in größerem Abstand zu a'=440 Hz zu wählen?
    Die neue Orgel in St. Katharinen steht ja bei a'=465 Hz, was ich im Angesicht des Gemeindegesangs in meiner Umgebung kritisch sehe, da die meisten Besucher in ihrem fortgeschrittenem Alter nicht mehr besonders hoch singen können.


    Wie seht ihr das?

  • Unsere Orgel ist etwa einen Halbton zu tief verstimmt.
    Wenn ich an den Ärger denke, den wir haben wenn mal eine Gitarre oder Trompete mitspielen soll, würde ich mir eine solche Abweichung nicht freiwillig antun.

  • Geschichtlich betrachtet gab es ja die unterschiedlichsten Gründe eine Orgel hoch oder tief zu stimmen. Es gab und gibt dementsprechend auch immer Argumente die für oder gegen eine bestimmte Stimmtonhöhe sprechen.
    Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass man sich ja irgendwann auf eine bestimmte Höhe geeinigt hat, nämlich A1=440 Hz, und deshalb in aller Regel sich beim Neubau an diese Vereinbarung halten sollte. Ganz besonders bei Instrumenten, die vornehmlich der Gemeindebegleitung dienen, wozu sicher die überwiegende Anzahl Orgeln gehört.


    Bei historischen Orgeln lässt sich die Stimmtonhöhe sowieso nicht mehr ändern, ohne massiv in die Klanggestalt der Orgel einzugreifen, da ist es wohl das einzig Vernünftige, so damit weiter zu leben wie es ist. Bei neuen Orgeln die vielleicht nicht, oder nicht nur der Gemeindebegleitung dienen kann eine andere Stimmtonhöhe sicher Sinn machen, wenn es sich um ein Instrument handelt, das vornehmlich für eine bestimmte historische Aufführungspraxis dienen soll.


    Natürlich muss man sich auch dann Gedanken um die Stimmtonhöhe machen, wenn mit bestimmten Musikinstrumenten gemeinsam musiziert werden soll. Eine Gitarre anders zu stimmen sollte ja in wenigen Minuten in einem weiten Tonbereich zu bewerkstelligen sein. Eine Trompete oder Geige kann man meines Wissens sogar rein durch die Spieltechnik selbst in gewissem Umfang auf eine bestimmte Tonhöhe bringen.
    Schwieriger dagegen wird es beim Zusammenspiel mit anderen Tasteninstrumenten, die sich oft nur mit erheblichem Aufwand umstimmen lassen würden. Auch problematisch könnte ich mir eben historische Musikinstrumente vorstellen, die konstruktionsbedingt dann überhaupt nicht auf die erforderliche Tonlage zu stimmen sind.

  • Quote

    Original geschrieben von pfifferling


    Wenn ich an den Ärger denke, den wir haben wenn mal eine Gitarre oder Trompete mitspielen soll, würde ich mir eine solche Abweichung nicht freiwillig antun.


    Diese Meinung Teil ich auch...Querflöten lassen sich meines Wissens nicht stimmen, bei Panflöten kann man das mit dem Mund ausregulieren, usw. Aber welcher Musiker beherrscht solche Umdenkerei bis ins Detail. So wird das Zusammenspiel ein richtig schöner Krampf...
    Prinzipiell gefällt mir eine etwas höherer Stimmung sehr gut, aber im Alltag ist es doch unschön auf diese Probleme zu treffen.
    Aber was wird nicht alles für ein Mist gebaut. Da kommen OSV's und Denkmalpfleger und beschließen eine Orgel auf ihren historischen Charakter zurück zuführen. !!! Und geben vor, wieder kurze Oktaven einzubauen !!!
    Da muss man sich wirklich fragen, ob diese Leute sie noch alle haben und ob Millionen von Jahren an Evolutionsgeschichte an denen spurlos vorübergingen.

  • Quote

    Eine Gitarre anders zu stimmen sollte ja in wenigen Minuten in einem weiten Tonbereich zu bewerkstelligen sein.


    Ja - aber bei einem weiten Tonbereich verstimmt die sich wieder, ehe die Messe zu Ende ist. Um das sauber hinzubekommen, muss man mindestens am Vortag mit dem Stimmen anfangen (oder leise nachstimmen).

  • Ich beneide dich, Homunculus.
    Mal schauen, wann ich sie hören werde. Die Disposition ist aber schon fantastisch. Alles was man braucht.


    Wenn ich bei einem Orgelneubau so großen Einfluss hätte, würde ich, wie in St. Katharinen, trotzdem eine auch historische Tonhöhe nehmen. Eine historische Stimmung muss erst gar nicht angesprochen werden.


    Zu dem Gitarren-Problem:
    Der Sakralklampfenverein kann m.E. sich im Gemeindehaus austoben, wie er will. Bei einer schönen Orgel mit einem guten Organisten sollte man getrost auf ihn verzichten können.

  • Quote

    Original geschrieben von Copula


    Zu dem Gitarren-Problem:
    Der Sakralklampfenverein kann m.E. sich im Gemeindehaus austoben, wie er will. Bei einer schönen Orgel mit einem guten Organisten sollte man getrost auf ihn verzichten können.


    Mit dieser Begründung könnte man auch die Blechbläser aus einem Orchester verbannen, weil die Geigen alleine schon so toll sind. Es gibt, gerade im alpenländischen Raum durchaus Musik auch oberhalb des Niveaus vom Musikantenstadl, in denen ein paar Gitarren zu Chor und Orgel gut klingen. Das kommt bei den Besuchern oft auch besser an als irgend ein schwieriges Orgelwerk.


    Für ein geregeltes Zusammenleben und -arbeiten gibt es Normen. Und so ist eben heute a1 auf 440Hz festgelegt. Es mag im Einzelfall Gründe geben, davon abzuweichen aber das sollte schon sehr gut begründet sein.


    Transponieren wäre natürlich das Mittel der Wahl aber das ist Aufwand, nicht jeder kann das "on the fly" wie einst Menschick.

  • Die 465 Hz entsprechen ja eigentlich eher dem b/ais,das mit glaub ich 466 Komma schlaghmichtot Hz festgelegt ist. Das heißt: alles um einen Halbton hoch. Das kann unter Umständen einen schönen Fingerbruch bedeuten.

  • Hallo


    In meiner Pfarre steht eine Orgel aus der Jahrhundertwende
    und ist auf 435 Herz gestimmt.


    Riegerorgel der Michaelskirche Voitsberg


    Der Kammerton a' war ja von ca. 1870 - 1935 auf 435 Hz.
    Einmal im Jahr gebe ich darauf ein Konzert - und beim Zusammenspiel
    mit anderen Instrumenten geht immer die gleiche Jammerei los, weil
    das Soloinstrument runter gestimmt werden muss.


    Bei einer Geige gehts noch, aber heuer habe ich eine Blockflötistin
    da wirds schwierig weil die Abstände der Grifflöcher nicht mehr passen.


    Außerdem hat eine Orgel ja keine Absolute Tonhöhe - sondern diese ist von
    der Temperatur abhängig - wie bei jedem Blasinstrument.


    Bei der Renovierung der Orgel hat sich der Orgelbauer geweigert die
    Orgel etwas höher zu stimmen.
    Denkmalpflegerisch ist das löblich - aber in der Praxis halt schwierig.


    Bei Barockorgeln habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese oft sehr hoch gestimmt sind.


    Gruß, Martin