Alte Hausorgel

  • Hallo,


    die Mutter von einem Freund hat diese alte, etwas reparaturbedurftige Orgel im Wohnzimmer und möchte es eventuell irgendwann verkaufen. Ich interessiere mich dafür, habe aber keine Ahnung, was es wert wäre und wie schwierig die Reparatur wäre. Es ist lange nicht mehr gespielt worden, ist verstimmt und nur eins von den vier Register funktionieren genug, um zu spielen.
    Es wurde irgendwann gebraucht von einer Kirche gekauft und stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert.
    Es gibt Mäuse in dem alten Haus, die vielleicht auch irgendetwas angerichtet haben.
    Kann jemand von den Bildern irgendetwas dazu sagen?


    Danke,
    Allan

  • Hallo,


    Quote

    Original geschrieben von martin
    Mit einen Foto vom Gehäuse wird kaum jemand etwas zum Innenleben sagen können.


    PS: Meiner Ansicht findest du eher im Pfeifenorgelforum einen Wissenden für diese Frage.


    das ist richtig, aber man kann schon sagen, dass das ein interessantes Örgelchen ist, Es hat offensichtlich Schleifenteilung und wohl ein angehängtes Pedal. Da kann man schon hübsche Musik mit machen.


    Schleifenteilung meint, dass die linke und rechte Manualhälfte getrennt registriert werden können. Bei jedem der vier Register kann also die linke und rechte Manualhälfte getrennt geschaltet werden. Bei welchem Ton ist das Manual denn geteilt?


    Wenn ich das Örgelchen hätte, würde ich einen Orgelbauer in der Nähe einmal drauf blicken lassen. Hier in der Region gibt es MIni-Betriebe, die auch Truhenorgeln bauen und kleine Instrumente reparieren, die würden das sicher gut machen können. Mit Sicherheit ist die Traktur mechanisch, da kann man mit Holzbastelgeschick theoretisch viel machen, wenn man sich auskennt. Vielleicht kann man ja mit einem Profi zusammen das Örgelchen restaurieren bzw. wieder gängig machen.


    Aber ich würde auch im Pfeifenorgelforum nachfragen (http://www.pfeifenorgelforum.net/forum/).


    Beste Grüße von der Waterkant
    Christoph P.

  • Danke für die Antworten. Das Manual ist in der Mitte geteilt.
    Mir wurde erzählt, das ein Orgelbauer eine Restaurierung für 20.000 EUR angeboten hat, aber das scheint mir sehr teuer.
    Ich habe noch nicht das Innenleben angeschaut. Das müsste ich mal machen.


    Danke,
    Allan

  • hallo Allan,


    man muss sicher unterscheiden zwischen Restaurieren und "Spielbar machen", das sollte billiger kommen, vielleicht kann man auch vieles selber machen, vor allem reinigen, luft durchpusten usw. Löcher kann man erstmal zukleben mit Tape usw... Lass vielleicht mal einen "kleineren" Orgelbauer draufgucken, nicht die großen Werkstätten, die mit Riesenaufträgen hantieren, die interessieren sich kaum für so was.
    Restaurieren kommt fast einem Neubau gleich und heißt "im alten Stil wie neu werden lassen".
    Spielbar machen heißt das was es sagt.


    lg Gerd

  • Hallo Allan,


    es kommt darauf an, was man erreichen möchte, da hat Gerd sicher Recht. Ich selbst habe auch eine ältere Pfeifenorgel zu Hause, die ich schon großteils selbst wieder funktionsfähig gemacht habe. Mit Begeisterung für Orgeln und einigem handwerklichen Geschick kann man das gut selber machen. Die Orgelbauer sind in der Regel auch sehr hilfsbereit und geben gerne Tipps oder versorgen einen günstig mit benötigtem Material.


    Wenn der Anspruch allerdings da ist, ein Instrument wie neuwertig daraus machen zu lassen, kann es wirklich sehr teuer werden, wenn man dies von einer Orgelbaufirma ausführen lässt. Ich finde aber gerade die älteren Instrumente reizvoller, wenn sie möglichst im Ursprungzusatnd belassen werden und man auch die Gebrauchspuren der vielen Jahrzehnte noch erkennen kann. Natürich sollte sie aber schon auch gut funktionieren für den Hausgebrauch.


    Anhand von dem einen Foto kann ich natürlich auch nur raten. So ganz schlecht scheint die Orgel nicht dazustehen. Was mir als erstes ins Auge sticht ist, dass offenbar nur die linke Tür dran ist. Man kann nicht genau erkennen ob die rechte Tür nur weggeklappt ist, oder am Ende sogar ganz fehlt. Aber die Orgel müsste jedenfalls wie ein Schrank ganz zu verschließen und zu öffnen sein.


    Dann erkenne ich wie Christoph auch, dass die Orgel eine Manualteilung bei 4 Registern hat, was grundsätzlich schon mal ein großer Vorteil ist und zu viel abwechslungsreicherem Klang beim Orgelspiel beiträgt. Dass das Pedal nur angehängt ist und kein eigenes Register hat, darüber kann man praktisch so gut wie sicher sein. Es ist aber gut, dass dieses Orgelpositiv überhaupt ein Pedal hat. Viele andere haben das nicht.


    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ein älteres Instrument bei Anwesenheit von Mäusen diesen meist auch als Unterkunft dient. :D Aus meinen Pfeifen hatte ich damals alles mögliche heraus geholt, wie z.B. verfressenen Orgelfilz, Holzspäne, Balgleder, Nussschalen und natürlich reichlich Mäuseköttel :-afraid:
    Wenn also nur noch wenige Pfeifen ansprechen, so ist das kein Wunder. Die übrigen Pfeifen und die Windladen usw. sind meistens total verdreckt. Dreck kann man aber auch ohne den Orgelbauer selbst gut beseitigen.


    Schwieriger wird es wenn Pfeifen fehlen sollten. Aber auch das ist mit Unterstützung eines Orgelbauers gut machbar. Ich musste bei mir viele Pfeifen ersetzen und habe im Archiv eines Orgelbauers viele passende gefunden, die er zeitlebens aus älteren Orgeln gesammelt hatte.


    Der Balg könnte auch zerfressen oder verschlissen sein, wenn nicht mehr alle Register Windbekommen. Der lässt sich aber auch selber mit neuem Leder überziehen.


    Wenn ein Angebot über 20.000,- € für eine komplette Restaurierung vom Orgelbauer vorliegt, würde ich tippen, dass mit ca. 1.000,- € Materialeinsatz bei viel Eigeninitiative die Orgel wieder gut spielfähig gemacht werden könnte.


    Weitere Detailfotos von innen wären natürlich sehr hilfreich.


    Zum Kaufpreis hängt es natürlich davon ab, ob es sich um ein historisch bedeutendes Instrument handelt, dann könnte es auch zig-tausend Euro kosten. Das scheint mir hier aber nicht so. In Anbetracht des Zustands würde ich "nur sehr wenige" tausend Euro dafür ausgeben wollen.


    Gruß Michael