Online "Orgelkurs" bei Vidas Pinkevicius

  • Hallo liebe Orgelfreunde,


    als "späteinsteigender Hobbyorgler" hatte ich zwar vor Jahren eine zeitlang Unterricht bei zwei verschiedenen Lehrern, aber seither war das aufgrund beruflichem Zeitmangel leider nicht mehr mit Regelmäßigkeit durchführbar.


    So war ich schon vor längerem auf das Online-Angebot von dem litauischen Organisten Vidas Pinkevicius aufmerksam geworden, der auf seiner Homepage http://www.organduo.lt/ verschiedene Hilfen anbietet um die eigenen Fähigkeiten in einer Art "Fernkurs" weiter ausbauen bzw. verbessern zu können.


    Vor gut zwei Monaten habe ich mich dann entschlossen das mal für mich auszuprobieren und habe einen Kurs "Total Organist Basic Membership" für ein Jahr gebucht. Natürlich war mir bewusst, dass das sicher keinen individuellen Orgelunterricht ersetzen kann, aber das gratis angebotene Testmaterial sah mir doch recht vielversprechend aus:
    Notenmaterial in Verbindung mit einem sehr ausführlichen YouTube Video, in dem alles sehr schön anschaulich beschrieben wird. Allerdings alles auf Englisch, was für mich aber kein Hindernis darstellt.


    Von den Kosten betrachtet für ein Jahr deutlich weniger als ich für (privaten) Orgelunterricht gezahlt hatte. Für mich der Vorteil, dass ich zuhause üben kann wann ich dazu Zeit habe, da ich ja schlecht regelmäßige Termine wahrnehmen kann.


    Frage:


    Hat jemand auch schon Erfahrung mit diesem Angebot gemacht? Oder was haltet ihr grundsätzlich von sowas?


    Gruß Michael

  • Quote

    Hat jemand auch schon Erfahrung mit diesem Angebot gemacht? Oder was haltet ihr grundsätzlich von sowas?


    Nein, habe ich nicht.
    Uund auf die zweite Frage: Die kurze und prägnante Antwort: Gar nichts!


    Begründung: Wer kontrolliert das, was man da tut? Dabei geht es mir jetzt nicht nur um falsche Töne, sondern um die Gesamtheit des Orgelspiels. Das fängt beim richtigen Sitzen an und hört bei der musikalischen Gestaltung auf.


    Herzliche Grüße!
    Benedikt :)

  • Ich habe vor einem Jahr neben meiner durchaus anspruchsvollen Tätigkeit wieder mit regelmäßigem Orgelunterricht angefangen. Zuerst im 3 Wochen Abstand. Das hat sich nicht bewährt, da ich zunächst mal eine Woche nach dem Unterricht nichts gemacht habe. Dann habe ich es auf vierzehn Tage verkürzt. Das funktioniert. Eine Woche wäre wiederum zu kurz.


    Jetzt muss man sich selbst Übetermine setzen. An einem Wochentag hat meine Frau Chor und ich habe keinen Abendtermin. Dann fange ich um 19.30 h mit üben an und übe ohne Unterbrechung bis 21.55 h. Danach schaue ich quasi als Belohnung am Dienstag Familie Becker (das habe ich schon x-mal gesehen) an.


    Weiterer Termin ist Sonntag morgen nach oder vor dem Gottesdienst eine Stunde am Stück. Samstagmorgen je nach dem 1 Stunde. Die Orgelstunde muss exakt am selben Tag stattfinden und die einzelnen Zeitfenster zum Üben müssen feste Termine sein. Vor dem Unterricht um 15.30 h (ich bin Freiberufler) gibt es keine Mittagspause, sondern einen Pfeifenorgelaufenthalt von wenigstens anderthalb Stunden (12.30 h - 14.00 h) Theoretisch funktioniert das auch online. Ich habe einen Super Lehrer der mir sehr viel Freiheit in der Interpretation lässt. Das ist eine Verpflichtung, die ich nicht enttäuschen möchte. Deshalb lese ich nachts um zwei durchaus ein Buch zur Interpretation von Barockwerken. Freiwillig! Zur Zeit spiele ich Leyding und lese alles was mir in die Finger kommt zur Artikultation, Registrierung etc. Auch im Geschäft, da mich das Thema fesselt (ich darf das!).


    Ich habe sehr viel gelernt. Ohne persönlichen Unterricht ist es sehr schwer. :p .



    Meine Empfehlung ist, persönlicher Unterricht bei einem Lehrer, der möglichst selbst konzertiert. Das lohnt sich. Online würde ich wahrscheinlich gar nicht einsteigen, sondern allenfalls ein Jahr den Kurs im Voraus bezahlen und ein bezahltes Ruhekissen haben. Aber jeder tickt anders.


    Michael

  • Hallo,


    ich kenne das nicht und konnte mir das auch nicht genau ansehen, weil ich meine Email-Adresse erst mal nicht weitergeben wollte. Wie funktioniert denn dieser online-Kurs denn genau? Ich kenne alle möglichen Varianten von online-Lernen, bei denen eigentlich nie eine unmittelbare Interaktion von Lehrkraft und Lerner erfolgt. Wie kann man sich das bei Orgelunterricht vorstellen? Wird das vielleicht eine Videotelefoniesoftware ode so etwas verwendet?


    Für mich wäre beim Orgelunterricht jedenfalls das Entscheidende, dass ich direkt eine Rückmeldung vom dem oder der Lehrer/in bekomme und/oder auch einmal verschiedene Varianten/Möglichkeiten direkt am Instrument diskutieren kann. Dabei ist aber fraglich, ob die Lehrkraft den Klang im Raum mit der notwendigen Genauigkeit wahrnehmen kann.


    Beste Grüße von der Waterkant
    Christoph P.

  • "Orgelunterricht" wollte ich es ja ausdrücklich auch nicht bezeichnen. Deshalb habe ich es mal mit "Online-Orgelkurs" umschrieben. Also eher eine "einseitige Übermittlung von Informationen" :D wohl ähnlich anderen Online-Lernkursen. Man kann wohl per Email auch Fragen an den "Orgellehrer" richten, wobei ich das bis jetzt nicht in Anspruch genommen habe, aber auch nirgends gefunden habe wie hoch da mein Kontingent eigentlich wäre, wenn überhaupt. Ich nehme mal an, dass ich für die Jahresgebühr von 299,- $ (ca. 268 €) nicht rund um die Uhr mit Fragen löchern kann, bzw. will ich das auch gar nicht. Eine Video-Telefonie o.ä. ist nicht vorgesehen.


    Als ganz blutiger Anfänger wäre ich sicher nicht auf die Idee gekommen einen "Fernkurs" zu buchen und würde das auch keinem empfehlen. Bei mir war es so, dass ich mit 40 erst auf den Geschmack gekommen bin Orgel zu spielen. Vorkenntnisse: Schulblödflocke und etwas Keyboard selbst beigebracht - KEIN Klavierunterricht. Damals habe ich autodidaktisch begonnen mit der Orgelschule von Friedhelm Deis (3 Bände). Es hat dann leider 2 Jahre gedauert bis sich eine private Orgellehrerin erbarmt hat mir "altem Knochen" noch Unterricht zu geben. Es hat sich dann gezeigt, dass das was ich mir bisher alleine beigebracht hatte nicht ganz verkehrt war. Einige Choräle z.T. 4-stimmig muss ich recht überzeugend vorgetragen haben - leider nur auswendig gelernt - Spiel direkt von Noten mangelhaft. :-pipe:


    Den Unterricht habe ich dann ca. 3 Jahre bei der Orgellehrerin durchgezogen. Jede Woche 45 Min. Unterricht, außer in der schulfreien Zeit. Da habe ich dann schon vieles Grundlegendes dazugelernt. Ich denke auf der Bank kann ich mittlerweile einigermaßen sitzen. :D Danach nochmal ein halbes Jahr bei einem anderen Lehrer der auch ab und zu (kleinere) Konzerte gibt. Seither wegen beruflicher Veränderung gibt es keinen festen Tag in der Woche mehr, den ich für festen Unterricht einplanen könnte. Ich muss auch öfter kurzfristig mal einige Tage verreisen. Daher hatte ich die letzten ca. 6 Jahre nur sporadisch mal eine Stunde Unterricht.


    Zum Üben habe ich zwar auch nicht endlos Zeit, aber da ich vom Orgelvirus schon ziemlich durchseucht bin, wie vielleicht der Eine oder Andere hier schon gemerkt hat, :-wow: sitze ich doch relativ viel an meinen Orgeln daheim oder auch in der Kirche zum Üben oder eben auch nur zum "Spielen" - so wie ich dazu Zeit finde.


    Deshalb dachte ich, etwas mehr "Input" könnte wohl nicht schaden, damit ich mir die Aufgaben nicht immer nur selbst stellen muss. Da kam mir das Online-Angebot wie gesagt dann recht gelegen und ich habe dann nicht mehr lange gezögert mich einfach mal anzumelden und zu schauen wie das läuft.
    Irgendwo auf dieser Seite gibt es etliche Lobeshymnen von Organisten zu lesen, die angeblich mit dem System ihre Fähigkeiten drastisch steigern konnten - wie auf einer guten Werbeseite eben üblich :D Sollte man also sicher nicht überbewerten.



    Wie stellt sich das Ganze vor der Anmeldung dar:


    Im Vorfeld hatte ich mir einiges von dem kostenlosen Unterrichtsmaterial angeschaut. Das besteht aus ein paar Orgelsätzen mit eingetragenen Finger- und Fußsätzen, sowie etlichen Videos, die auf YouTube verfügbar sind.


    z.B.:


    Einführungsvideo zu den verschiedenen "Trainingsprogrammen":


    Video und Noten: http://www.organduo.lt/veni-cr…spiritus-op-1---2007.html


    6-teiliges, ausführliches Erklärvideo (ohne die Noten) für BWV 147 "Jesu bleibet meine Freude"



    Nun - es hat durchaus was, sich solche Erklärvideos auch mehrmals und später noch zu Hause ansehen zu können. Das geht dann beim realen Orgellehrer eben nicht. Da ist die Stunde um und wenn man nicht ordentlich aufgepasst hat, ist vielleicht auch wieder ein Teil vergessen.
    Und Noten mit fertigen Finger- und Fußsätzen können einem berufstätigen Hobbyorgler auch mal die Zeit verkürzen optimale Fingerverteilungen selbst auszuknobeln.


    Laut der Liste kann man sich mit der "Basic Membership" offenbar schon viele schöne Stücke mit zugehörigen Erklärungen herunterladen, sodass alleine dies schon einen gewissen Gegenwert darstellt, wie z.B. die Bücher für einen Orgelkurs die man sich auch mal so gekauft hat.


    Außerdem ist das Lernsystem offensichtlich gut durchdacht und didaktisch sinnvoll aufgebaut :-teacher:



    Wie läuft das Ganze nun nach der Anmeldung:


    Die erste Ernüchterung trat nach der Anmeldung dann ein, als ich erfuhr, dass ich mir die angepriesenen Stücke nicht einfach so selbst herunterladen kann, sondern ich jetzt jede Woche ein anderes Orgelstück zugeteilt bekomme. Nun gut - ich kann ja eh nicht alles auf einmal spielen wollen.


    1. Woche:
    Das erste Stück waren dann die Noten für ein ausführliches Erklärvideo zu BWV 639 "Ich ruf zu dir Herr Jesu Christ". Sauber aufbereitet mit vielen erklärenden Einführungen, Hinweisen zur Artikulation, Tempo, Registrierung usw. und aufgeteilt in einzelne Lernhäppchen. Vorgesehene Zeit: 10 Tage a 30 Minuten bis man es kann. Ein Dokument von immerhin 26 Seiten DIN A4 !
    Für mich mit 4 b-Vorzeichen schon ein ganz schöner Brocken gleich zu Beginn.


    2. Woche:
    Die nächste Ernüchterung. Menuett G-Dur BWV 114, aus Orgelbüchlein für Anna Magdalena Bach. Ein Anfängerstück das ich schon als erstes damals konnte. Wo ist da die didaktische Steigerung? Kein Video dazu, aber gut dokumentiert. Naja - ich übe lieber BWV 639 weiter!


    3. Woche:
    Die nächste Ernüchterung. Menuett G-moll BWV 115, aus Orgelbüchlein für Anna Magdalena Bach. Auch schon wieder zu leicht. Kein Video dazu, aber gut dokumentiert. Naja - ich übe noch BWV 639 weiter!


    4. Woche:
    SAMUEL SCHEIDT, MODUS PLENO ORGANO PEDALITER: BENEDICAMUS FROM TABULATURA NOVA. 6-stimmiges tiefes Gegrummel. Gefällt mir zwar nicht, aber ich üb es eben. Leider auch kein Video dazu, aber gute Doku wie gehabt.


    5. Woche:
    aus Kantate BWV 147 "Jesu bleibet meine Freude". Gut dokumentierte Bearbeitung. Kein Hinweis auf ein Video. Aber ein super 6-teiliges Erklärvideo dazu finde ich doch bei Vidas auf YouTube. Leider habe ich den fast identischen Satz schon längere Zeit im Repertoire. Allerdings nicht mit dem historischen Finger- und Fußsatz wie er jetzt bei Vidas in den Noten eingetragen ist. Also üb ich das mal auf die Art. Erfolg: Jetzt kann ich weder meinen Fingersatz mehr noch den neuen historischen :-(


    6. Woche:
    BWV 622 "O Mensch bewein dein Sünde groß". Sehr schön - leider bekomme ich einen Satz der im Tenorschlüssel notiert ist. :-8 Muss ich mir das als Hobbyorganist wirklich antun? Außerdem jetzt nur noch rein die Noten ohne Erklärung und ohne Video. Ich leg es ab und genieße in der Woche den Sommer.


    7. Woche:
    BWV 553, aus 8 kleine Präludien. kann ich eigentlich schon einigermaßen. Beim angegebenen Fingersatz brech ich mir die Finger. Keine Erklärungen dazu und kein Video.


    8. Woche:
    BWV 556, aus 8 kleine Präludien. kann ich eigentlich schon einigermaßen. Beim angegebenen Fingersatz brech ich mir die Finger. Keine Erklärungen dazu und kein Video.


    9. Woche:
    gestern bekommen, eine schlechte Kopie von Samuel Scheidt, 10. Magnificat 9. Toni. Der Fingersatz nur noch von Hand reingemalt. Beim angegebenen Fingersatz brech ich mir die Finger. Keine Erklärungen dazu und kein Video. Die Noten zu klein und schlecht lesbar auf grauem Hintergrund. Ich habe das Original und werd mir jetzt einen eigenen Fingersatz dazu ausdenken wie früher auch immer :/



    Upps... ... etwas länglich geworden mein Beitrag :o


    ...aber vielleicht kann der eine oder andere Leser einen kleinen Nutzen daraus ziehen. Es befinden sich sicher noch mehr berufstätige Orgel-Späteinsteiger in so einer ähnlichen Situation wie ich. Nun bin ich mal gespannt wie dieser "Orgelkurs" jetzt weiterläuft.


    Was ich noch bisher vergessen habe: Wenn man sich in den Mail-Verteiler einschreibt, dann bekommt man fast täglich eine Mail von Vidas mit kleinen Übungen und Anregungen - nicht ganz unnütz das ab und zu auch mal anzusehen. Aber ich glaube das geht auch ohne dass man extra einen Kurs bucht.


    Gruß Michael

  • [navy]Nachdem das Thema hier nun schon öffentlich ist, werde ich einfach immer mal wieder über den Fortgang der Dinge meines "Orgelkurs" bei Vidas Pinkevicius berichten. Selbstverständlich kann ich aus Copyrightgründen nicht das Originalmaterial verbreiten, aber Links zu freien Noten auf IMSLP oder die öffentlichen YouTube Videos von Vidas sind ja erlaubt, und dienen dann vielleicht dem einen oder anderen Mitleser als Anregung für das eigene Üben.
    [/navy]


    10. Woche:
    Johann Sebastian Bach, BWV 731 "Liebster Jesu, wir sind hier".
    Heute gab es dazu wieder sauber ausgedruckte, gut lesbare Noten mit eingedruckten Finger- und Fußsätzen. Der Fußsatz dazu in historischer Manier nur mit Spitze Spitze gespielt. Den Fingersatz hatte ich früher selbst mal anders dazu erstellt, allerdings muss ich sagen, gefällt mir der Fingersatz von Vidas diesmal recht gut. Er unterstützt auf relativ simple Weise viel besser eine natürliche Artikulation. Also werde ich das jetzt so üben.


    Zusätzlich zu den Noten gibt es diesmal ein "Hörbuch" in Form von zwei MP3-Aufnahmen, die zusammen fast 2,5 Stunden (!) "Vorlesung" über dieses Stück beinhalten. Bisher habe ich nur teilweise reingehört. Es geht sehr tiefgründig. So stelle ich mir eine Vorlesung in einem Kirchenmusik-Studium vor. Behandelt werden u.a. die Analyse des Stücks auf harmonischer Ebene mit Tonarten, Kadenzen usw., sowie etliches über die Artikulation, die Übemethodik und noch vieles mehr. Dazu brauche ich erst mal noch etwas Muße. Ich sehe einen Vorteil, das jetzt beliebig oft anhören zu können gegenüber einer realen Vorlesung oder einer "echten" Orgelstunde.


    Wieder kein Hinweis auf ein Video. Aber doch finde ich von Vidas 2 Videos dazu auf YouTube:


    1. BWV 731 "super langsam" - finde ich sehr schön um den Fingersatz zu veranschaulichen und bringt mich damit weiter.


    2. Eine Aufnahme von BWV 731 in eher bescheidener Qualität - für meinen Geschmack etwas zu schnell gespielt für so ein Stück in deutlichem Hall.


    Wer sich vielleicht auch mit dem Stück beschäftigen möchte findet [URL=http://imslp.org/wiki/Chorale_Preludes,_BWV_714-765_(Bach,_Johann_Sebastian)]hier die Noten dazu auf IMSLP[/URL] .


    Gruß Michael

  • Ich hatte mich auch mal registriert. War damals 1$ für eine Proberegistrierung.


    Woche
    11 Wachet auf, ruft uns die Stimme, BWV 645
    12 Nun komm' der Heiden Heiland, BWV 659
    13 (kann ich nicht mehr zurückfinden)
    14 zwei Hörbücher "Organ technique Training"
    15 Prelude and Fugue in D minor, BWV 554
    16 Prelude and Fugue in E minor, BWV 555


    Ich bin jetzt seit einige Wochen an das F-Dur aus der 8 kleine. Hatte das Gefühl es doch einigermassen spielen zu können. Gestern während der Unterricht anders belehrt worden. Das hätte ich in Selbststudium nie so gut angeschaut.


    Mein Fazit: Es ist viel zu viel für mich um in die kurze Zeit lernen zu können. Ausserdem ersetzt es sicher nicht ein Lehrer.

  • Es scheint also so, dass die Reihenfolge der Stücke wohl bei jedem gleich ist. Bist Du also immer noch dabei, wenn ich das richtig verstehe?


    Was hatte denn der Orgellehrer genau auszusetzen?


    Im Prinzip kann man sich doch auch selbst kontrollieren, wenn man seine eigene Aufnahme z.B. mit einer guten YouTube-Aufnahme vergleicht. Diese neuen multimedialen Möglichkeiten hatte man in früheren Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten doch gar nicht. Man muss vielleicht auch erst lernen, das entsprechend zielführend einzusetzen. Dass die tradierten Orgellehrer dabei nicht "Hurra" schreien, ist sicher auch klar. Die elektrischen und unsere virtuellen Orgeln sind auch noch längst nicht überall akzeptiert.


    Im Grunde finde ich die Geschwindigkeit aber für mich auch zu hoch zum Lernen, da ich nicht alltäglich so viel Zeit übrig habe. Besonders, wenn man auch noch die anderen Übungen aus den Emails machen will. Aber bis jetzt gab es ja auch immer zwischendrin Stücke die ich aus besagten Gründen nicht üben wollte, sodass etwas Luft bleibt. Ich habe auch nicht den Anspruch jedes angebotene Stück üben zu müssen. Manches kann ich ja evtl. auch noch später wieder hervorziehen, wenn mein gebuchtes Jahr dann um ist.
    Aber das Lerntempo ist sicher immer sehr individuell. Für einen begabten Schüler mit viel Freizeit geht es vielleicht auch zu langsam ;)

  • Nein, ich habe nur die 1$ bezahlt. Irgendwie war es dann aber scheinbar ein grosses Problem mich aus der Liste wieder zu entfernen so dass ich noch vor einiger Zeit die Emails bekommen habe...


    Mein Lehrer hat vor allem Anmerkungen auf die Artikulation. Ich habe noch zu wenig Erfahrung dies selber zu hören, aber so bald er es mir zeigt dann tönt es schon sehr viel besser. Klar kann man vielleicht auch selber kritischer sein Spiel anhören, dafür bin ich dann aber zu bequem. Der Orgelunterricht motiviert mich es wieder besser zu machen. Dieser Motivation kann ich mit reiner Selbststudium einfach nicht aufbringen.

  • Die Artikulation ist ja nicht etwas fest durch die Noten vorgegebenes. Ich denke gerade diese ist ein Mittel der Interpretation. Und jeder wird ein Stück individuell etwas anders interpretieren. Übernimmt man nicht automatisch eine bestimmte Artikulation, wenn man die selbe Interpretation mehrmals anhört und dann das Stück selbst spielt?


    Vielleicht hattest Du, Erik, einfach die Artikulation umgesetzt, die Vidas Pinkevicius in seinen Videos vorgespielt hat, bzw. wie er sie zum Teil in den Erklärungstexten beschreibt? Möglicherweise interpretiert Dein Orgellehrer das Stück nun anders. Vermutlich interpretiert es ja jeder wieder etwas anders und findet seine Version besser als andere :/


    Ich glaube es ist so, dass man vielleicht am Besten verschiedene Lehrer haben sollte, die einem jeder seine eigene Interpretation vermitteln, sich dann aber möglichst selbst einen eigenen, individuellen Stil aneignen.


    Oder wie sehen das die anderen Orgelfreunde hier?


    Was mir aber durch den Orgelkurs hier bewusst geworden ist, dass die Artikulation auch entscheidend vom Finger- bzw. Fußsatz abhängt. Zum Beispiel fördert eine Spielweise mit Daumenuntersatz (z.B. 12341) eher einen Legato-Verlauf, während ein bewusstes Umsetzen eines Fingers (z.B. 123_34) ein deutliches Absetzen erzwingt. Damit kann man also alleine schon durch die Art des Fingersatz eine bestimmte Artikulation fördern bzw. sogar "erzwingen". Bis jetzt war ich durch meine bisherigen Orgellehrer eher geneigt möglichst überall "Lagato-Fingersätze" auszudenken, auch an Stellen, wo dann eher abgesetzt zu spielen ist.
    Insofern habe ich den Eindruck doch schon wieder was dazugelernt zu haben.

  • Hallo,


    da stimme ich Michael zu: ich mache meine Artikulationen unbewusst. Ich glaube schon, dass ich eigene habe, und ein großer Teil sind bestimmt auch fremde, die ich wohl auch unbewusst aufnehme und einsetze. Jedenfalls mache ich mir beim Üben - Hauptsache die Töne stimmen schonmal - keine Gedanken über Aritikulation :-C Das kommt bei mir wohl automatisch. Und das schöne dabei ist ja: hierbei gibt es - wie bei der Improvisation - kein Richtig und Falsch.
    Ich oute mich hier mal als youtube-Fan von Diane Bish, Vidas Pinkevicius und Lucca Raggi :)


    Gruß,
    C18H27NO3

  • Ja Michael, da hast du wahrscheinlich schon Recht. Ich habe mich auch nicht gross mit der Videos von Vidas auseinander gesetzt. Aber wie schon gesagt: ich habe oder ich nehme mir nicht genügend Zeit um mich selbst zu "kontrollieren". Ausserdem hat man jetzt jedesmal ein Ziel: Die "Hausaufgaben" auf der nächste Lektion parat zu haben. Das hilft ungemein um sich doch regelmässiger wirklich Zeit zu nehmen.

  • Sicher - unter äußerem "Zwang" geht manches schneller vorwärts. Sei es der regelmäßige Unterricht bei einem Lehrer mit den damit verbundenen Hausaufgaben oder auch nur die Notwendigkeit, sich auf den nächsten Gottesdienst vorbereiten zu müssen.
    Ein Selbststudium erfordert wohl grundsätzlich sich selbst motivieren zu können. Das geht wahrscheinlich am Besten, wenn man etwas alleine der Freude wegen betreibt, also quasi als Hobby. Dann empfindet man etwas weniger als Last sondern als Erleichterung, sich endlich wieder damit beschäftigen zu können. Wer sein Hobby dann zum Beruf machen konnte, stellt mitunter aber fest, dass die Freude an der Sache auch nachlassen kann, wenn es vom Dürfen zum Müssen wird.
    Allerdings könnte ich mir schwer vorstellen, wie jemand ohne eine gewisse Freude daran zu haben, überhaupt Orgel spielen könnte.


    <philosophiemodus aus> :D


    Was mich aber schon immer mal interessieren würde ist, wie das bei den "Profis" unter den Organisten eigentlich ist. Gibt es irgendwann einen Punkt, wo man keinen Orgelunterricht mehr nimmt, weil es nichts mehr weiter bringt?
    Oder besucht man dann doch gelegentlich Master-Kurse bei einem anderen großen Orgelmeister um seinen Horizont noch zu erweitern?
    Meines Erachtens kann man ja mit dem lernen des Orgelspiels doch niemals fertig werden. Es gibt immer wieder Bereiche, in denen man noch nicht so tief drin sein kann wie andere Spezialisten, sei es zum Beispiel die Aufführungspraktiken von Orgelliteratur aus anderen Ländern.


    Kann da jemand was dazu sagen?

  • Zu deiner konkreten Frage kann ich nix sagen, da ich kein Profi bin. Höchstens, dass bei den Orgelworkshops in unserer Region, die seit Jahren immer im November in Minden von hochrangigen Konzertorganisten abgehalten werden, auch und gerade professionelle A- und B- Kantoren teilnehmen, um eben was dazu zu lernen.


    Aber zu einem anderen Punkt möchte ich noch was schreiben:


    Quote

    Original geschrieben von Mikelectric
    Ein Selbststudium erfordert wohl grundsätzlich sich selbst motivieren zu können. Das geht wahrscheinlich am Besten, wenn man etwas alleine der Freude wegen betreibt, also quasi als Hobby.


    Für mich zumindest ist der größte Gewinn, den ich aus einem mir alle paar Monate mal gönnenden Orgelunterricht bei einem Konzertorganisten oder den jährlichen Orgelworkshops ziehe, keinesfalls der Motivationsschub. Den brauche ich nicht, kann mich selber motivieren.


    Der größte Gewinn besteht für mich vielmehr aus den Hinweisen, was man am Ausdruck, bei der Artikulation, bei der Technik usw. am unmittelbaren Stück verbessern kann. Dies ginge für mich im Selbststudium nur sehr, sehr bedingt - weil man dazu tendiert, sich im Kreis zu drehen. Jemand, der ohne jegliche direkte äußere Einflüsse die eigene Weiterentwicklung schnell und effizient hinbekommt und dabei über sich und andere hinauswächst, ist in meinen Augen ein Genie (Kunstschöpfer aus sich selbst heraus). Sowas soll es ja geben, habe nur noch keines kennengelernt. ;)


    Von daher, man sollte als Lernender einfach mal akzeptieren, dass es Leute gibt, die nicht nur bessere Technik haben, sondern vor allem auch bessere Ohren, und aus dieser Position heraus Hinweise geben können (weil sie dies auch noch sehr gut vermitteln können - sonst hätten sie keine Professur), das eigene Spiel zu verbessern. Von Online-Orgelkursen würde ich sowas allerdings am Allerwenigsten erwarten, weil die direkte und unmittelbare Einflussnahme während des Spiels (z.B. die Bewegungen des Meisters, während man selber spielt, die Zwischenrufe dabei) kaum gegeben ist.


    Meine Strategie ist daher, mir im Selbststudium den selbstgewählten(!) Notentext draufzuschaffen (das ist schon schwierig und langwierig genug), und gelegentlichen Unterricht dafür zu verwenden, den "Feinschliff" für diese Stücke zu bekommnen. Dann mache ich es allerdings auch gerne, dafür bei ein-und demselben Stück hintereinander bei verschiedenen Profis auf der Matte zu stehen (um auch die verschiedenen Sichtweisen aufnehmen zu können). Für mein kommendes Projekt z.B. bin ich gerade an Bach e-moll BWV548, und zwar seit mehreren Monaten, und werde das demnächst so machen.


    Nicht zuletzt empfinde ich das Vorspiel bei einem Lehrer oder Professor genauso als Auftrittssituation, und die wird dadurch ebenfalls geübt.
    Auch das ist etwas, was man bei so einem Online-"Orgelkurs" nicht üben kann, denn das Spiel vor einer Videokamera ist für mich aufgrund der Wiederholbarkeit auch keine richtige Auftrittssituation. Es sei denn, man spielt via Skype "online".


    Soweit meine paar Cents,
    Gruß Olaf