Vergütungsliste für nebenamtliche Organist

  • Hallo Forum,


    daß es bei Organisten im Hauptberuf eine Art Vergütunstabelle gibt ist klar, aber
    hier wird mal die Frage in den Raum gestellt, ob es Vergütungstabellen für nebenamtlich Organisten gibt. Wie wird das bei euch so gehandhabt?


    Ich bin gespannt auf eure Antworten...

  • Hi,


    es gibt für unser Bistum angeblich auch so eine Tabelle mit Werten zwischen 13 und 17 Euro je nach Prüfung. Da die aber "unverbindlich" ist, habe ich mir nie die Mühe gemacht, sie zu besorgen.


    Unsere Kirchenverwaltung lässt 10 Euro pro Messe springen und 2012 ist noch nicht abgerechnet. Sänger im Kirchenchor bekommen pro Beerdigung 1,50 (Ein Euro und fünfzig Cent).


    Wer reich werden will. sollte sich eine andere Beschäftigung suchen. Um ehrlich zu sein langt mir auch, wenn ich von dem Geld meine Noten bezahlt bekomme. Andererseits geht es den Berufskirchenmusikern, wenn man sich so umhört, im Vergleich zu Orchestermusikern noch ganz gut.


    Viele Grüsse

  • Oh? Das überrascht mich ein wenig. ihr seid kath., oder?
    Für gewöhnlich bekomme ich von der ev. Kirche ca. 40€ pro Gottesdienst. Mal mehr, mal weniger. Das variiert von Kirchenkreis zu Kirchenkreis.
    Der Betrag ist vom Kirchenkreis vorgeschrieben und wird auch von eben diesem bezahlt.

  • Abstrakte ist evangelisch, ich jedoch bin katholisch,....da ist das mehr Ehrenamt als alles andere. Mit Glück bekommst du Fahrtkosten und Noten irgendwann wieder raus.

  • Quote

    und wird auch von eben diesem bezahlt.


    ich denke das ist ganz entscheidend. Bei uns Katholiken, zumindest in den bayerischen Bistümern muss die Gemeinde das bezahlen und da wird angesichts rückläufigem Kirchgeld geknausert und andersherum ist man auch eher zum Verzicht bereit.


    Die EKHN war Mitte der 80er schon mit 26 DM dabei.

  • Das mit dem rückläufigen Kirchgeld begreif ich immer nicht, ist es doch schließlich so daß man es in voller Höhe wiederbekommt. Hier im Bistum läuft es so, daß das Kirchgeld per Überweisung gezahlt wird und danach kann man-wenn man möchte- einen Zweizeiler nach Hildesheim zum Bischof schicken zur Erstattung des gleichen. Somit bekommt man sein Kirchgeld wieder und der Bischof holt sich exakt den Kirchgeldbetrag aus dem Topf der Kirchensteuer. Somit ist allen geholfen...und meine Kirchgeldzahlung fällt daher entsprechend hoch aus.


    pfifferling : aus welcher Ecke in Bayern kommst du wenn ich fragen darf?

  • Also das mit dem fehlenden Geld ist verlogen. Zwar verlieren die Kirchen Mitglieder, die Steuereinnahmen sind aber nach wie vor sehr hoch. Selbst das konservative kath.net brachte da jüngst eine Jubelmeldung: http://www.kath.net/news/41492
    Und wenn ich dann von Pfarrern höre, daß Orgelspielen natürlich und eigentlich zur Ehre Gottes und daher um Gotteslohn getan werden sollte, krieg ich schon Falten auf der Stirne. Gerade Pfarrer verdienen in Deutschland blendend. Da klingt eine solche Argumentation schon etwas zynisch. Sollten sich dann nicht gerade die Priester zuallererst im Lohn bescheiden? Man verstehe mich nicht falsch: Ich gönne denen ihr Gehalt. Aber wenn gerade sie von Ehrenamt sprechen ist das dann halt unglaubwürdig.
    Zudem: Es ist ein erhebliches Mißverhältnis zwischen dem Aufwand, den die Herstellung des Instrumentes Orgel erfordert und der Organistenentlohnung. Komischerweise ist man bereit, für das Instrument sehr viel zu bezahlen, für den Spezialisten aber, der das Ding bedient, so gut wie nichts. Und gutes Orgelspielen braucht in der Ausbildung und auch danach zum Halten des Standards erheblichen Übeaufwand.

  • Hi Hausorgler,


    das möchte ich etwas relativieren.


    Zum einen ist der Verdienst eines Pfarrers vielleicht besser als in unseren Nachbarstaaten und sicherlich mehr als ein Gotteslohn aber im Vergleich nicht wirklich überragend, wenn ich Ausbildungsgang und Arbeitsbelastung ansehe. Die Priestergehälter sind ausserdem an die Beamtenbesoldung angekoppelt und nicht einfach beliebig zu beschneiden.


    Zum anderen wird der Pfarrer wirklich immer aus den Kirchensteuern bezahlt. Der nebenamtliche katholische Organist erhält sein Geld aber nicht unbedingt aus dem Diözesanhaushalt - der Verweis auf die Kirchensteuer schlägt dann fehl. Und wenn der Gemeindehaushalt knapp oder die Kirchenverwaltung knauserig ist, kann der Pfarrer wenig machen.


    Das Problem ist eher strukturell und vor allem wäre es sinnvoll, eine überregional gültige und transparente Regelung zu haben.

  • Hallo Pfifferling,
    stimmt. Das Problem ist strukturell. Aber es ist nicht nachzuvollziehen, daß diese Kirchensteuer, was die Organisten betrifft, "vor Ort" nicht ankommt. Die Menschen leben vor Ort und zahlen aus ihrem Einkommen "vor Ort" ihre Steuer. Und ich finde, daß sie genauso wie sie Anspruch auf einen vernünftig ausgebildeten Pfarrer haben, auch Anspruch auf vernünftig ausgebildete Kirchenmusiker haben. Die kann man aber nur haben, wenn man bereit ist, sie so zu entlohnen, daß eine solche Ausbildung Sinn hat. Man darf ja auch die Kosten der Ausbildung nicht unterschätzen.

  • Hmm, meine Aus- und Weiterbildung ging eigentlich immer zu Lasten der (evangelischen wie katholischen) Kirche und ausser ein paar Notenheften und Fahrten hab ich nie was zahlen müssen.


    Mit einer einheitlichen Vergütung könnte man auch sicherstellen, dass nicht einige Gemeinden überlaufen werden und andere in die Röhre gucken - bzw. die Anfänger "billig" ran müssen und irgendwann durch Können oder Glück eine besser bezahlte Stelle bekommen. Auch das erscheint mir als ein Problem.

  • Quote

    Original geschrieben von pfifferling


    Hmm, meine Aus- und Weiterbildung ging eigentlich immer zu Lasten der (evangelischen wie katholischen) Kirche und ausser ein paar Notenheften und Fahrten hab ich nie was zahlen müssen.


    Glückspilz! ;)

    Quote

    Mit einer einheitlichen Vergütung könnte man auch sicherstellen, dass nicht einige Gemeinden überlaufen werden und andere in die Röhre gucken - bzw. die Anfänger "billig" ran müssen und irgendwann durch Können oder Glück eine besser bezahlte Stelle bekommen. Auch das erscheint mir als ein Problem.


    Stimmt!

  • Wenn ich die gängigen Vergütungen für Organisten mit den üblichen Stundensätzen z.B. eines Handwerkers vergleiche, dann komme ich doch arg ins Grübeln :/


    Der Handwerker stellt nicht selten einen Lehrbub für manche Tätigkeiten hin, der dann oft nicht mit sehr viel weniger Stundensatz auf der Abrechnung erscheint als der Meister selbst. Der Lehrbub kostet dann also auch schnell 30 Euro in der Stunde und ist vielleicht gerade mal im 2. Lehrjahr. Solche Rechnungen dann zu begleichen, machen die Pfarreien meist auch ohne mit der Wimper zu zucken.


    Der A-Organist bekommt dann in der selben Stunde nur 25 Euro - welch eine Schande !! Er hat jahrelang geübt und gelernt und dann noch mehrere Jahre studiert - das alles ist auch mit Kosten verbunden. Und zuguterletzt hat er sich auch noch auf die Stunde Gottesdienst vorbereitet, wenn er sein Amt auch zur eigenen Zufriedenheit ausüben möchte. Er hat dann passende Vor- und Nachspiele herausgesucht und vielleicht auch besonders schöne aber schwierige Stücke im Voraus geübt.


    Man sollte den Gemeinden für diesen "Preis" vielleicht adäquat auch nur einen Orgelanfänger im 2. Lehrjahr zur Begleitung des Gottesdienstes zur Verfügung stellen - vielleicht würde mancher dann mal wach werden !


    Über die Vergütung von 12,- Euro oder weniger für die Beorgelung eines Gottesdienstes durch einen Organisten ohne Schein brauchen wir eigentlich erst garnicht zu diskutieren. Eine völlig ungelernte Putzkraft verdient da ja mitunter mehr. Wobei der Laienorgelspieler auch viele Jahre gelernt und geübt hat, vielleicht sogar jahrelang den Orgelunterricht aus eigener Tasche bezahlt hat, da er keinen Kantor für die Ausbildung in einer Gemeinde gefunden hat. Einige der Laien besitzen auch die Fähigkeiten von examinierten Organisten. Andere müssen sich mitunter sogar die ganze Woche intensiv auf ihr Orgelspiel am Sonntag vorbereiten.


    Also soll doch am Besten gleich die Putzfrau die Orgel am Sonntag schlagen ;-D

  • Du bringst die Sache auf den Punkt! Für den popeligen Austausch einer Gummidichtung im Oberteil eines Wasserhahns im Waschbecken der Sakristei durch einen Lehrling zahlt man ohne zu Murren 30,-€ Stundenlohn. Selbstverständlich zahlt man auch die Anfahrtszeit.
    Bei einem Organisten wäre dies schon eine Luxusvergütung für die ganz Guten - natürlich ohne Erstattung der Anfahrtskosten. Sowas sagt schon etwas über die Wertschätzung der Arbeit des Organisten aus.

  • Mein Lehrer, Kmd Waldemar Franke sagte stets: " Junge, da find dich man gleich mit ab ! Allen wird gedankt, der Schola, der Gitarrengruppe, dem Posaunenchor...aber der Organist ist selbstverständlich da." Der Mann ist mittlerweile 80 und wusste wohl wovon er sprach.

  • Da ist was dran.
    Wir alle wussten, dass man mit Orgelspielen nicht reich wird, bevor wir damit anfingen oder haben es zumindest recht schnell gelernt.
    Genauso wie es der Frisör oder die Erzieherin vor Ausbildungsbeginn wussten, dass sich in ihrem Beruf keine goldene Nase verdienen lässt. Auch die bekommen nicht die 30 Euro des Wasserhahnmonteurs (die im Übrigen auch nur in die Kasse reingehen) und haben ihren Beruf trotzdem gern ergriffen.


    Mein Bruder ist Orchestermusiker. Der hat auch geübt bis zum Umfallen, studiert und Unsummen in Instrumente investiert. Das Gehalt ist so üppig, dass die Familie Aufstocker-Hartz erhält. Im Vergleich dazu stehen die meisten Berufs-Kirchenmusiker gut da. Und auch er würde jederzeit die gleiche Ausbildung wieder machen.


    Es sagt niemand, dass das fair ist. Aber solange noch genug Menschen aus Freude am Musizieren für das geringe Geld spielen, wird sich daran nichts ändern.

  • Quote

    Original geschrieben von Offenbass


    ...aber der Organist ist selbstverständlich da.


    Das erinnert mich wieder an die gerne gemachte Ansage: "Die Orgel spielt jetzt ... "
    Da geht mir der Hut hoch! :B

  • Quote

    Original geschrieben von pfifferling


    Genauso wie es der Frisör oder die Erzieherin vor Ausbildungsbeginn wussten, dass sich in ihrem Beruf keine goldene Nase verdienen lässt. Auch die bekommen nicht die 30 Euro des Wasserhahnmonteurs (die im Übrigen auch nur in die Kasse reingehen) und haben ihren Beruf trotzdem gern ergriffen.
    Es sagt niemand, dass das fair ist. Aber solange noch genug Menschen aus Freude am Musizieren für das geringe Geld spielen, wird sich daran nichts ändern.


    Da stimm ich dir zu...von den 30 Euro eines Gesellen oder eines Stiftes sind dann 7,50 Euro Brutto für den Gesellen ... Bei Friseuren ist das gleiche, wenn nicht noch weniger.
    Reich werden will von uns damit keiner glaub ich, aber ein DANKE wär manchmal doch nicht verkehrt...wenn man sowieso schon mitten in der Bedankungsarie versunken ist und spricht bis zur Kirchenmaus alle an bis auf den Pfeifenheini.